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Online-Mode-Händler Zalando leidet unter Wachstumsschmerzen

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Dem Wachstum sollen Gewinne folgen

Weil immer mehr Kunden ins Netz abwandern, steht Zalando im markt auf einer starken Position Quelle: dpa

So soll Kinnevik das komplette Unternehmen zuletzt mit rund vier Milliarden Euro bewertet haben, deutlich mehr als die Modemarken Esprit und Tom Tailor an der Börse zusammen wert sind.

Anhängern klassischer Kennziffern mag das utopisch vorkommen. Doch im Vergleich zu mancher Analystenschätzung erinnert die Kinnevik’sche Zalando-Bewertung eher an den Preisabstand zwischen KiK und Gucci.

Die Investmentbank Goldman Sachs durchleuchtete im Januar das Portfolio der Schweden samt Zalando-Paket. Der Gesamtwert des Online-Shops lässt sich danach auf 11,9 Milliarden Euro hochrechnen. In einem perfekten Umfeld – dem „blue sky“-Szenario – seien sogar 15 Milliarden Euro drin.

Andere Analysten sind mit rund fünf Milliarden Euro weit vorsichtiger. Sie kalkulieren dabei eine kräftige Abschwächung des Wachstumstempos ein. Schon 2014 könnten die Zuwachsraten auf 20 Prozent fallen und danach sukzessive weiter absacken. 2017 würde Zalando dann rund 3,35 Milliarden Euro Umsatz erzielen und 3,6 Prozent Marge erwirtschaften, schätzt der Experte einer Schweizer Großbank.

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    Zalando als Meisterstück

    Unter diesen Annahmen liegen selbst die gekappten Milliardenbewertungen fernab jeder fundamentalen Basis. Doch darum geht es auch nicht. „Die Bewertung von Zalando wird Resultat des Marktumfeldes und Umsatzwachstums sein“, sagt Marco Rodzynek, Gründer der Finanzierungsberatung Noah Advisors in London. Zalando sei eine „Wette darauf, dass dem hohen Wachstum dereinst üppige Gewinne folgen“.

    Im November veranstaltete Rodzynek eine Konferenz für Online-Unternehmer und Investoren in London. Stargast: Oliver Samwer, der mit seinen Brüdern Marc und Alexander vom Start weg auf Zalando gesetzt hat. Die Brüder zählen zu den bekanntesten und umstrittensten deutschen Online-Unternehmern. Sie haben sich auf den fabrikmäßigen Auf- und Ausbau von Internet-Firmen samt anschließendem Weiterverkauf spezialisiert. Mit dem Ebay-Pendant Alando ging es los, der Klingeltonanbieter Jamba und das soziale Netzwerk StudiVZ folgten. Zalando soll nun ihr Meisterstück werden.

    Gezeitenwandel

    Auf dem Podium in London saß Moderator Rodzynek: grauer Anzug, Krawatte, nach hinten gegeltes Haar – klassischer Finanz-Style. Nur die knallgrüne Uhr am Handgelenk passte nicht ins Schema. Oliver Samwer trug zur Feier des Tages ein blaues Hemd unterm schwarzen Pullover nebst verstrubbelter Out-of-Bed-Frisur – Entrepreneurs-Look. Das Internet verändere die Gesellschaft ähnlich tief greifend wie die Erfindung der Dampfmaschine, philosophierte Samwer. Der klassische Handel werde Milliardensummen in Richtung Online verlieren. Für Investoren täten sich damit Chancen wie zur Zeit des großen Goldrauschs auf. Denn der Markt, der derzeit neu verteilt werde, sei schlicht gigantisch groß, „it’s bloody big enough“.

    Tatsächlich vollzieht sich ein Gezeitenwandel – die Massenabwanderung der Kunden ins Netz. Selbst Schwergewichte müssen kämpfen. So verhandelt der Schuhfilialist Ludwig Görtz mit Investoren über eine Übernahme. Der Outdoor-Händler Globetrotter streicht Stellen, und das Modelabel Strenesse ringt mit den Gläubigern.

    Die Marktverschiebungen spüren auch die Hersteller. Erst im Juli hatte sich die Nobelmarke Boss lautstark von Zalando verabschiedet. Umfeld wie schriller Auftritt passten „nicht zum Premiumanspruch unserer Marke Boss“, hieß es damals. Inzwischen ist der Tonfall deutlich freundlicher. „Zalando ist für uns ein durchaus wichtiger Partner“, teilt das Unternehmen mit. Gemeinsam würde geprüft, „wie wir unsere Marken zukünftig präsentieren und welche Marken dafür infrage kommen“.

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