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Onlinehändler „Analoge Händler, die sterben wollen, sollte niemand hindern“

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Lokale Marktplätze in der Kritik

Einen anderen Ansatz als die neuen HDE-Aktionen und „Unternehmer der Zukunft“ verfolgen lokale Marktplätze. Städte und Wirtschaftsförderungen versuchen sich daran, in Kooperation mit Onlinehändlern gleich ein ganzes Kollektiv stationärer Händler gemeinsam in den digitalen Handel zu hieven. So geschehen bei der Ebay-City-Initiative. Oder bei den lokalen Marktplätzen von Atalanda, die das Unternehmen in 26 Städten betreibt.

Man könne „theoretisch jedes Dorf oder jede Stadt zu einer Ebay-City machen“, sagte Ebay im Frühjahr 2018 gegenüber der WirtschaftsWoche. Neben den damals schon aktiven Ebay-Cities Mönchengladbach und Diepholz ist lediglich das nordrhein-westfälische Velbert hinzugekommen. Der Online-Markplatz selbst gibt sich inzwischen verhaltener: „Wir glauben, dass lokale Händlerinnen und Händler dringend digitale Kanäle bedienen müssen. Das muss nicht zwangsläufig über eine Städte-Initiative erfolgen. Viel wichtiger ist, dass über Kanäle gehandelt wird, die die entsprechende Reichweite haben“, sagt Ebay-Deutschlandchef Oliver Klinck. Bei Atalanda klingt das ähnlich: „Lokale Marktplätze sind nicht das Zaubermittel, um Innenstädte zu retten“, so Geschäftsführer Roman Heimbold. Dafür sei das Thema zu komplex.

Die Zurückhaltung der Betreiber passt zu anderen Einschätzungen: „Die lokalen Marktplätze haben sich erledigt“, sagt Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Er könne Händlern nur raten, „auf einem bereits bestehenden Marktplatz der großen Plattformen zu starten.“ Besonders brisant: Heinemann war an dem Pilotprojekt der Ebay-City Mönchengladbach beteiligt, tritt als Experte in Videos auf der Ebay-City-Webseite auf. „Das Projekt in Mönchengladbach war ein interessanter Test. Der zeigt, dass zwar Potenzial da ist“, sagt Heinemann. Aber davon profitiere nur ein Bruchteil der Händler bei großen Anstrengungen. „Die übrigen, analogen Händler, die sterben wollen, sollte niemand hindern.“ Immerhin sei es fast unmöglich gewesen, Händler zu überzeugen, an dem Projekt teilzunehmen, verrät Heinemann. Oder gar „dabei zu bleiben“.

Der Handelsexperte würde Ebay-Cities wie Mönchengladbach oder Diepholz auch nicht mehr als lokale Marktplätze bezeichnen. Immerhin machen die Händler den Umsatz über den klassischen Ebay-Shop, die Übersichtsseite dient mehr als Schaufenster für die Städte. Produkte können städteübergreifend bestellt werden.

Stephan Tromp vom HDE ist „etwas reserviert, wenn es um lokale Marktplätze geht“. Sie seien regional begrenzt, „haben relativ wenig Bekanntheit und bieten neben dem Handel von Produkten so gut wie keinen Mehrwert“, urteilt der HDE-Manager. Die Unternehmensberatung eStrategy Consulting kam in einer Studie zu der Erkenntnis, dass lokale Marktplätze „aufgrund mangelnder Traktion durch Kunden und in der Folge mangelnder Attraktivität für teilnehmende Händler“ scheitern.

Eine digitale Innenstadt? Wohl kaum.

Greifbar werden die Probleme lokaler Marktplätze etwa bei der Ebay-City-Initiative in Mönchengladbach. Oder eher in Wachtendonk. Dorthin hat es den Bekleidungshändler „Troya Tapez“ verschlagen. Das Unternehmen von Sebastian Riede verkauft Streetwear wie Kappen oder Sneaker – und war Teil der Ebay-City-Initiative in Mönchengladbach. Den Laden in Mönchengladbach hat Riede Ende 2018 allerdings geschlossen, sich voll auf den Onlinehandel fokussiert, in Wachtendonk nahe der niederländischen Grenze ein Büro eröffnet. Bei der Ebay-City-Initiative ist Troya Tapez trotzdem noch gelistet. Dem Anspruch, eine digitale Innenstadt abzubilden, wird das nicht gerecht.

Die lokalen Marktplätze dürfte Ebay in den vergangenen Monaten ohnehin hintangestellt haben. Der Marktplatz fokussierte sich auf Coronahilfen für seine Händler – etwa im Rahmen seines Soforthilfeprogramms. Dafür stockte Ebay sein Team auf, hatte Kontakt zu mehr als 5000 Händlern. Die Expansion muss warten. Auch Atalanda hat in den vergangenen Monaten Krisenprävention bei den angeschlossenen Händlern betrieben, etwa Grundgebühren für neue wie auch bestehende Händlerverträge von März bis Juli komplett ausgesetzt.


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Riede braucht beides nicht; keine Krisenhilfe, keine lokalen Marktplätze. Das Geschäft läuft ja: Er habe in diesem Jahr schon „20 Prozent Wachstum hingelegt“. Der Großteil seines Umsatzes entfalle auf Amazon, Ebay lag jahrelang „deutlich dahinter“. „Aber in diesem Monat hat unser eigener Onlineshop erstmals die Ebay-Umsätze überholt“, sagt Riede. Seit 2011 verkaufe er auf mehreren Kanälen gleichzeitig. Seit 2003 bei Ebay. Von dem Ebay-City-Projekt habe Riede „nicht viel mitbekommen, keine signifikanten Effekte“ festgestellt.

100 Pakete am Tag

Es geht auch anders. Das zeigt die Linden-Apotheke in Mönchengladbach Wickrath. Im Gegensatz zu Troya Tapez nimmt sie bis heute an der Ebay-City-Initiative teil. Und Inhaber Alexander Holz zeigt sich mit den Umsätzen auf Ebay sehr zufrieden: „Am Tag gehen bei uns zwischen 30 und 100 Bestellungen ein, die wir taggleich bearbeiten“. Zu kaufen gibt es bei Holz „apothekenübliche Waren, wie etwa Kosmetik, Vitamine, Mineralstoffe, Blutdruckmessgeräte an.“ Nur Arzneimittel verkaufe er ausschließlich im Laden.

Was Ebay neben den guten Umsätzen von Holz, an denen das Unternehmen mitverdient, freuen dürfte: Den Schritt in den Onlinehandel hätte der Apotheken-Inhaber wohl ohne die Aktion nicht gewagt. „Die Ebay-City-Initiative hat die Einstiegshürden in den Onlinehandel für die Fachhändler faktisch auf null gesetzt. Hier wurde Umsatzpotenzial geschaffen, ohne ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen.“



Zur Wahrheit gehört aber: Die Linden-Apotheke macht ihren Umsatz über den Marktplatz von Ebay, auf dem die Produkte gelistet sind. Und wo sie weit über die Stadtgrenzen von Mönchengladbach hinaus gefunden werden können. Die Übersichtsseite der Ebay-City spielt kaum eine Rolle. Sie sieht fortschrittlich aus, rückt die Stadt in ein modernes Licht. Aber: „Der Grundgedanke, dass der Mönchengladbacher auch online in Mönchengladbach kauft und hier seine Pakete abholt, geht leider nicht auf“, sagt Holz. Deshalb habe die Stadt bei Ebay ein bisschen an Fahrt verloren, obwohl Holz selbst trotzdem gute Umsätze macht. Und deshalb auch überzeugt ist: „Die Erweiterung der Präsenz, über den lokalen Markt hinaus, stärkt den stationären Handel.“

Trotz der stockenden Expansion: Abgesagt ist sie nicht, wenn es nach Ebay-Chef Klinck geht: „Wir überlegen gerade, wie wir lokale Marktplätze skalierbar aufbauen können. Wir schauen uns etwa Lösungen an, wie wir über Tools oder Software auf einen Schlag viele Städte-Seiten hochfahren können, die die Verantwortlichen in den jeweiligen Städten selbst bedienen können.“ Ob es wirklich so weit kommen wird? Ungewiss. Was für den erst seit September amtierenden Ebay-Chef feststeht: „Allen wird man ohnehin nicht helfen können“.

Mehr zum Thema: Zuletzt verschwand Ebay zusehends in Amazons Schatten. Nun droht bei der Zusammenarbeit mit kleinen Händlern neue Konkurrenz.

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