Onlinehändler Zalando im zweiten Quartal erstmals profitabel

Der Onlinehändler Zalando ist im zweiten Quartal 2014 weiter stark gewachsen - voraussichtlich hat er erstmals Gewinn gemacht.

Diese Eigenmarken stecken hinter Zalando
Sie sind längst nicht mehr nur für Supermärkte und Discounter, sondern auch für Fashion-Händler wie den Berliner Kult-Shop Zalando das Salz in der Suppe: Eigenmarken. Der Vorteil im extrem wettbewerbsintensiven E-Commerce: Mit den eigenen Labels, die bei Zalando als Eigenmarke gar nicht zu erkennen sind, ist die Marge viel höher als bei externen Markenprodukten. Auch die Abhängigkeit von Markenherstellern lässt sich reduzieren. Der Berliner haben mindestens zwölf Eigenmarken in ihrem Portfolio. Ein Überblick. Quelle: Presse
ZignUnter dem Label Zign verkauft Zalando Schuhe und Accessoires; es ist das größte eigene Label im Unternehmen. Hergestellt beziehungsweise kreiert werden die Produkte – laut Zalando etwa 170 Styles pro Saison – von einem jungen Designer-Team unter dem Dach der Berliner zLabels GmbH, die zum Zalando-Imperium gehört. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot
mint&berryMit dem Label mint&berry zielt Zalando auf „selbstbewusste junge Frauen, die wissen wo es lang geht.“ Praktisch: Der Chef von zLabels ist gleichzeitig auch einer der Zalando-Geschäftsführer: Robert Gentz. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot
Pier OneAuch das etablierte Schuh-Label Pier One wird unter eigener Flagge für Zalando kreiert. Im Handel sind Eigenmarken nicht neu und schon länger ein Kernelement vieler Geschäftsmodelle. Der insolvente Versandriese Neckermann hatte unzählige davon, der Quelle-Versand war bekannt für seine Labels Privileg und Universum und auch die Elektronik-Riesen Media Markt und Saturn, die zum Metro-Konzern gehören, produzieren Fernseher und Blueray-Player unter der Marke PEAQ in Eigenregie. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot
StupsDer große Vorteil dieser Strategie ist, dass Zalando im Endeffekt an jedem eigenen Produkt, dass verkauft wird, mehr verdient, als wenn es ein Produkt der etablierten Markenanbieter ist. Eine ausgedachte Beispielrechnung: Bei einem Marken-Snowboot, der 100 Euro kostet und für 50 Euro eingekauft wird, beträgt die Marge 50 Euro. Wenn ein Anbieter wie Zalando nun ein ähnliches Produkt als Eigenmarke für 90 Euro verkauft und die Erstellungs- und Produktionskosten nur bei 15 Euro liegen, ist die Marge wesentlich höher und beträgt satte 75 Euro. Unter dem Label Stups kreiert Zalando Schuhe für Kinder und junge Teenager. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot
Mai Piu SenzaEin weiterer Vorteil, der sich Zalando durch die Eigenmarken bietet: Im Online-Store werden z.B. Schuhe von Mai Piu Senza als „das könnte Ihnen auch gefallen“ angeboten, wenn Kunden zum Beispiel nach Schuhen von Hugo Boss suchen. Unter dem italienisch klingenden Label Mai Piu Senza präsentiert Zalando „aufregende Silhouetten, hohe Absätze und gewagte Plateaus“. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot
TwintipBesonders clever: Für ihre eigenen Labels können die Zalando-Maketer Anzeigen im hauseigenen Zalando-Fashion-Magazin schalten und sie in einem hochwertigen Umfeld direkt vor der Nase ihrer Zielgruppe platzieren. Das Zalando-Label Twintip versammelt sportliche Bekleidung von Beachwear bis hin zu robusten Snowboardoutfits. (Quelle: Screenshot Zalando.de) Quelle: Screenshot

Der Onlinehändler Zalando hat nach eigenem Bekunden im zweiten Quartal erstmals einen operativen Gewinn verbucht. Der Trend in Richtung Ertragswende aus dem ersten Quartal habe "sich verstärkt und zu einem profitablen zweiten Quartal für die gesamte Gruppe geführt", teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Nach ersten Berechnungen lag der Umsatz im zweiten Quartal zwischen 520 und 560 (Vorjahr: 437) Millionen Euro, wie Zalando mitteilte. Daraus ergebe sich für das erste Halbjahr ein Umsatz zwischen 1,02 und 1,06 Milliarden Euro. Im gesamten Vorjahr erreichte der Umsatz 1,7 Milliarden Euro. Der Nettoumsatz stieg im selben Zeitraum um fast 30 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro.

Das liegt laut Rubin Ritter, Mitglied des Zalando Vorstands, vor allem an Optimierungen beim Wareneinkauf, bei Logistik und Marketing. Investitionen in die Logistikzentren in Erfurt und Mönchengladbach zahlten sich nun aus. Auch die Kundenbasis wachse weiter. „Wir gewinnen Marktanteile in allen Branchen dazu“, sagte Ritter.

Es ist nicht das erste Quartal mit schwarzen Zahlen für den Berliner Internet-Händler. Auch in einem vierten Quartal gab es schon einmal Gewinne - da würden allerdings auch die teuersten Artikel verkauft, sagte Ritter. Jetzt sei das Unternehmen erstmals auch in einem zweiten Quartal profitabel.
Trotzdem dämpfte er die Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr: Es solle „einen entscheidenden Schritt in Richtung Ebit-Breakeven“ geben, die Gewinnschwelle werde aber eventuell nicht ganz erreicht. Trotzdem halte er an seinem Ziel fest.

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Zalando wurde erst 2008 gegründet und hat in den vergangenen Jahren die Textil-Versandhandelsbranche durcheinandergewirbelt. Der reine Internet-Händler bietet rund 150.000 Produkte an, außer Bekleidung auch Haushaltsartikel, Einrichtungsgegenstände für die Wohnung, Sportgeräte und Kosmetik.
Zalando lotet derzeit einen Börsengang aus, der Mittel für die Expansion in die Kassen spülen soll. Der Chef von Anteilseigner Tengelmann, Erivan Haub hatte zuletzt aber gesagt, bei einem möglichen IPO käme nur ein kleiner Teil an die Börse, da jeder Gesellschafter erklärt habe, seine Anteile behalten zu wollen. Zuletzt war Zalando insgesamt mit rund 3,8 Milliarden Euro bewertet worden. Der größte Aktionär, der börsennotierte schwedische Finanzinvestor Kinnevik, hält 36,5 Prozent. Die Internet-Investoren Samwer, mit deren Geld Zalando groß geworden war, sind mit 17 Prozent der zweitgrößte Anteilseigner. Weitere Miteigentümer sind neben Tengelmann mit etwas über fünf Prozent, der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen mit zehn Prozent sowie Holtzbrinck Ventures und der kanadische Pensionsfonds OTPP.

„Jede unserer Firmen muss sich jedes Jahr an drei Messlatten orientieren: Es muss Marktführer sein oder zumindest auf dem Weg dahin. Es muss den Abstand zu seinen Konkurrenten kontinuierlich vergrößern. Und die betriebswirtschaftlichen Eckdaten müssen sich verbessern“, sagte Oliver Samwer dem Handelsblatt.

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