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Onlinehandel Amazon feiert Weihnachten im Hochsommer

Alle Jahre wieder. Das amerikanische Internet-Kaufhaus Amazon spielt in München schon mal Heiligabend und sagt, was wir uns in einem halben Jahr schenken sollen.

Ein Weihnachtsgeschenk wird verpackt. Quelle: dpa

Nach wochenlangem Regenwetter ist dieser Dienstag endlich wieder einmal ein wirklich warmer Sommertag in Bayern. Der richtige Zeitpunkt also, um die Plastikchristbäume aus dem Keller zu holen, die großen Holzschlitten in den Hof zu schleppen und die Rentierfelle abzustauben.

Auch die Haustiere sollen ihre Geschenke haben

Und so geschieht es denn auch in den Räumen der Werbeagentur Heye in der Münchener Innenstadt. Das amerikanische Onlinewarenhaus Amazon steckt die Elektrogirlanden in die Steckdose und feiert bei 25 Grad im Schatten "Christmas in July", Weihnachten im Juli also. Schließlich räumen die Supermärkte in rund einem Monat schon wieder die ersten Weihnachtssüßigkeiten in die Regale.

Was sich völlig abgedreht anhört, hat einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Auf der ungewöhnlichen, ganztägigen Party stellt Amazons Deutschlandchef Ralf Kleber der Presse die heißesten Waren vor, die er in den Wochen vor dem Fest verkaufen möchte. Weil viele Magazine und TV-Sendungen schon weit vor dem Advent geplant werden, lädt der Konzern mitten im Sommer ein.

Das Imperium von Amazon
Viel Geld in der KasseIn den ersten sechs Monaten 2013 setzte Amazon 31 Milliarden US-Dollar um - gut fünf Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon blieben 75 Millionen Dollar Gewinn hängen (2012: 137 Millionen). 2012 setzte Amazon gut 61 Milliarden US-Dollar um (Vorjahr: 48 Milliarden), machte aber einen Nettoverlust von rund 30 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 631 Millionen Gewinn). Ein Überblick über Teile des Amazon-Imperiums... Quelle: dpa
Investitionen ins eigene UnternehmenMal als Nebengeschäft begonnen, ist der Buchhändler mittlerweile auch ein Riese im Cloud-Computing. Dabei vermietet Amazon Speicherkapazitäten seiner Großrechenanlagen, etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr bringt das nach einer Berechnung der Schweizer Investmentbank UBS. Und das Geschäft wächst rasant: Bis 2014 sollen sich die Einnahmen verfünffachen. Auch der hauseigene E-Reader Kindle liegt dem Unternehmen am Herzen. Mittlerweile wurden hier die Preise drastisch reduziert. Im Spätsommer 2011 begann Amazon mit der neuesten Version seines E-Readers einen Angriff auf den Branchenprimus Apple und präsentierte mit seinem Kindle Fire einen würdigen iPad-Herausforderer. Aber auch größere und kleinere Onlinehandelsplattformen verleibt sich Amazon gerne ein, so gerade aktuell den Filmaboservice Lovefilm… Quelle: AP
LovefilmDVDs kommen per Post ins Haus, mit dem „Lovefilm“-Player kann der Nutzer aber die aktuellen Hollywood-Streifen auch direkt auf seinem Rechner anschauen. Amazon hält schon länger eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen und wickelt seinen eigenen Film-Abo-Service direkt über Lovefilm ab. Simon Calver, Chief Executive von LOVEFiLM International, lobt die Übernahmepläne bei der Bekanntgabe am 20. Januar 2011. "Mit Amazons voller Unterstützung können wir entscheidende Verbesserungen für unsere Mitglieder in Europa umsetzen", hofft er. Fremd ist Amazon das Geschäft mit Filmen nicht… Quelle: Screenshot
IMDb… Amazon hatte 2008 sein Filmverleihgeschäft in Deutschland und Großbritannien mit Lovefilm zusammengelegt und war mit 42 Prozent größter Einzelaktionär geworden. Bereits 1998 verleibte sich Amazon die "Internet Movie Database" (IMDb) ein, die selbst zu diesem Zeitpunkt in ihren Ursprüngen bereits acht Jahre alt war, für das Internet also so etwas wie die Rolle des Urgroßvaters vom Web 2.0 spielt. IMB ist eine der größten Datenbanken über Filme, Fernsehserien, Videoproduktionen und Videospiele sowie über Personen, die daran mitgewirkt haben. Gerade im Kalenderjahr 2010 investierte Amazon wieder kräftig in Webunternehmen… Quelle: Screenshot
WootEinen gewissen Verkaufsdruck erzeugen will die E-Commerce-Plattform Woot. Nutzer bekommen nicht angezeigt, wie viele Bestände des nur einen Tag gültigen Angebots vorhanden sind. Der Preis ist niedrig, die Produkte stehen im Wettbewerb zu den Angeboten von Amazon.Woot verkauft auf dem amerikanischen Markt – und Mitte 2010 langte Amazon für einen unbekannten Preis zu. Quelle: Screenshot
BuyVIPNur ein paar Monate später, im Oktober 2010, griff sich Amazon ein weiteres Webunternehmen. BuyVIP ist eine geschlossene Shopping-Community. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, auf persönliche Einladung an limitierten Verkaufskampagnen teilzunehmen. In diesen Kampagnen werden ausgewählte Produkte beliebter und bekannter Marken aus dem Lifestyle- und Fashion-Bereich angeboten. Entsprechend leer kommt die Startseite daher; ein bisschen Animation von neuer Mode und ein Anmeldeformular. 70 Millionen Euro blätterte Amazon dafür auf den Tisch – nachdem der Marktführer Vente-Privée mehrfach abgewunken hatte. Quelle: Screenshot
Diapers und SoapAmazon ist ein riesiger Onlinehändler, doch in bestimmten Nischen hat die Konkurrenz die Nase vorn. So wurde Diapers zum größten Versandhändler von Babywindeln. Ein lukratives Geschäft - Amzon blätterte im November 2010 mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den Tisch um Quidsi zu übernehmen. Das amerikanische Unternehmen Quidsi betreibt diapers.com, sowie den Drogeriespezialisten soap.com. 545 Millionen Dollar sind zwar nicht von Pappe, aber einmal bezahlte Amazon sogar noch deutlich mehr für eine Onlinehandelsplattform… Quelle: Screenshot

"In Amerika und England funktioniert das Format gut und hat schon Tradition", sagt eine Amazon-Sprecherin. Auch in Deutschland scheint das Konzept aufzugehen. Dutzende Journalisten schauen sich die modernsten E-Book-Reader an, bestaunen bunte Packungen mit Hundekeksen zum Selbstbacken, stolpern über mit neuester Computertechnik bestückte Dinosaurier fürs Kinderzimmer - und lauschen bis in den Abend hinein verschiedenen Lesungen, verkosten Wein, hören Livemusik. Das passt zu Amazon, denn das Internet-Kaufhaus ist inzwischen mehr als ein reiner Versandhändler. Die Amerikaner sind ebenso einer der bedeutendsten Verleger, ein großer Computerhersteller und Filmanbieter.

Gute Chancen hat ein Skateboard mit zwölf Rollen

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Die Veranstaltung gleich neben der Münchener Hauptfeuerwache demonstriert zudem eindrücklich das gewachsene Selbstbewusstsein der 1994 gegründeten Firma: Der traditionsreiche deutsche Konkurrent Neckermann.de musste vergangene Woche Insolvenz anmelden, Amazon hingegen freut sich jetzt schon auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Rund 20 000 Aushilfskräfte wird das Unternehmen aus Seattle in der Adventszeit hierzulande wieder anheuern, um all die schönen Dinge, die an diesem Dienstag zu sehen sind, in Pakete zu packen.

Dabei fällt eins auf: Da mögen große Marken wie Adidas ihren Händlern verbieten, bei Amazon zu verkaufen. Ralf Kleber und seine Mannschaft bremst das nicht. Unter dem Label "Ultrasport" hat er bereits eine eigene Linie mit Sportartikeln im Programm. Ein Skateboard mit zwölf Rollen und den Eigenschaften eines Snowboards wird dabei der Renner zu Weihnachten - wenn das Kalkül von Amazon aufgeht.

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