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Onlinehandel Deutsche Pakete führen Russlands Post in den Kollaps

Deutsche Online-Händler liefern immer mehr Waren an russische Kunden. Der Markt wächst rasant. Doch Russlands staatliche Post kollabiert unter der neuen Belastung.

Immer mehr russische Kunden kaufen bei internationalen Onlinehändlern. Inzwischen ist Russlands staatliche Post mit dem rasant wachsenden Markt schlicht überfordert und kollabiert an der Vielzahl von Paketen aus dem Ausland. Quelle: dapd

Irgendwann war es einfach zu viel. Die Pakete mit Waren aus aller Welt stapelten sich bis an die Decke des Hangars am Moskauer Flughafen Scheremetjewo. Manche mussten einfach unter freiem Himmel abgeladen werden. Darunter auch Handys oder Kleidung aus Deutschland - alles Einkäufe russischer Internetnutzer. In der vergangenen Woche zogen die Lagerbetreiber schließlich die Reißleine und stoppten die Paketannahme. Die russische Post kam einfach nicht mehr mit der Bearbeitung nach. Wann die Kunden ihre Auslandspakete letztlich bekommen, bleibt noch immer unklar, auch wenn sich die Situation etwas entspannt hat.

Die 10 größten Onlinehändler in Deutschland
Apple Quelle: AP
Alternate.de Quelle: Screenshot
Platz 8: Conrad.de Quelle: Screenshot
Tchibo.de Quelle: dpa
Platz 6: Bonprix.de Quelle: Screenshot
Cyberport.de Quelle: Screenshot
Platz 4: Notebooksbilliger.de Quelle: Screenshot

Weil immer mehr Russen Produkte im Ausland bestellen, ist die russische Post einfach überfordert. Die Wartezeiten nehmen Russen allerdings in Kauf und bestellen weiter. Denn die Preise in Russland sind wegen der hohen Einfuhrzölle und großzügiger Gewinnmargen der heimischen Händler deutlich höher als etwa in Deutschland. Zudem entfällt bei manchen Shops die Mehrwertsteuer, womit die aus russischer Sicht preiswerten Waren noch günstiger werden. So ist etwa ein iPhone 5 aus Deutschland inklusive Lieferkosten rund 100 Euro billiger als bei einem russischen Internethändler. Wer zudem weniger als für 1.000 Euro im Monat im Ausland einkauft, musst keine Zollgebühr bezahlen.

Deutsche Onlinehändler wie Dress for less, Computeruniverse oder Mytoys haben sich auf die neue Kundschaft aus dem Osten eingestellt und sich eigens russischsprachige Seiten zugelegt. Die Zahl der Internetnutzer in Russland ist in den vergangenen Jahren explodiert, ebenso wie die Wachstumsraten beim Onlinehandel. Laut einer Untersuchung von Morgan Stanley werden die Einkäufe im Internet von derzeit knapp zehn Milliarden Euro bis zum Jahr 2015 auf 25 Milliarden Euro anwachsen. Schon jetzt ist die Internetbevölkerung Russlands die größte in Europa.

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Zumindest ein Teil dieses Kuchens können sich ausländische Anbieter sichern. Nach Angaben des Branchendienstes Data Insight gaben russische Käufer rund 1,1 Milliarden Euro in ausländischen Online-Shops aus. Experten prognostizieren ein jährliches Wachstum von 50 Prozent. Vorausgesetzt die russische Post spielt mit. Denn die Lieferprobleme der russischen Post sind seit langem bekannt, auch bei der Deutschen Post.

Pro Jahr exportiert der Logistikkonzern rund 700.000 Pakete Richtung Osten, wobei die jährlichen Wachstumsraten zweistellig sind. Verglichen mit anderen Postunternehmen tue sich die russische Post deutlich schwieriger ihre Logistik an die größeren Mengen anzupassen, meint Sabine Obermann von der Deutschen Post. "Es ist in der vergangenen Jahr immer wieder zu Kapazitätsproblemen bei unseren russischen Partnern gekommen", ergänzt Obermann.

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