Onlinehandel Segen und Fluch der Paketflut

Weil immer mehr Menschen online shoppen, werden immer mehr Pakete ausgeliefert. Für Paketdienste ist das Glück und Pech zugleich: Sie haben gewaltige Wachstumschancen. Doch die Mengen zu stemmen, wird nicht einfach.

Angefeuert vom Onlinehandel: Die Paketflut in Deutschland steigt weiter. Quelle: dpa

In Deutschland werden immer mehr Pakete zugestellt: 2,9 Milliarden Pakete und Sendungen waren es im vergangenen Jahr, meldet der Bundesverband Paket und Expresslogistik (Biek) in einer neuen Studie. Damit stellten die Paketboten in diesem Jahr beinahe sechs Prozent mehr Sendungen zu als als im Vorjahr - und sogar eine Milliarde mehr als noch vor zehn Jahren.

Das können die deutschen Online-Händler
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Angefeuert wird der Trend vom Onlinehandel: Um zehn Prozent stieg im vergangenen Jahr alleine die Zahl der Sendungen an, die von Onlineshops und Unternehmen direkt an Privatpersonen versendet werden. Damit werden mittlerweile weit mehr Pakete in Wohngebieten zugestellt, als an Unternehmen. Bei 56 Prozent liegt der Anteil der sogenannten B2C-Zustellungen, ermittelten Forscher im Auftrag des Biek.

Für die Paketbranche ist das ein wichtiger Umschwung. Früher pendelten die Kurierfahrer vor allem zwischen Unternehmen hin und her, von Gewerbegebiet zu Gewerbegebiet. Heute müssen sie durch die Wohngebiete fahren und an jeder Haustüre klingeln. Das macht die Auslieferung teurer. Außerdem können die Boten nicht mehr so viele Pakete pro Stopp loswerden.

Die Paketdienste rüsten deshalb fleißig um, um sich auf die veränderte Routen und Ansprüche einzustellen. So will Hermes, die Nummer zwei in Deutschland nach der Deutschen Post DHL, bis 2018 mehr als 300 Millionen Euro in sein Logistiknetzwerk investieren. Die Hamburger Otto-Tochter will neun neue Paketzentren bauen und zwanzig alte Logistikstandorte umbauen. Und damit steht Hermes nicht alleine dar: Konkurrent DPD will alleine dieses Jahr 100 Millionen Euro in Deutschland investieren.

Das ist dringend nötig: Denn das Wachstum lockt neue Spieler wie den Onlinegiganten Amazon auf den Markt. Nach München stellt das Unternehmen in Seattle nun auch in Berlin selbst zu, vermeldete gerade die "Deutsche Verkehrszeitung".

Dem Online-Riesen wachsen die Paketdienste zu langsam. Es gibt zu wenige Lager, zu wenig Umschlagszentren oder zu wenig Paketboten, um den Service zu gewährleisten, den Amazon seinen Kunden bieten willen. Vor allem in Spitzenzeiten wie vor Weihnachten haben die Paketdienste Probleme, das Pensum abzuarbeiten.

Und das, obwohl die Branche jedes Jahr für die Weihnachtszeit mehr als 20.000 zusätzliche Arbeitskräfte einstellt. Amazon, betonen Manager des Unternehmens immer wieder, wolle die Angebote der Paketdienste deshalb mit eigenen Leistungen "ergänzen". "Ich brauche weiterhin starke, verlässliche Paketdienstleister“, erklärte Bernd Schwenger, Amazon-Logistikchef für Deutschland in der "Deutschen Verkehrszeitung."

Um ihre Leistungen steigern zu können, brauchen die Paketdienste aber noch mehr Logistikzentren - und auch mehr Personal. Schon heute arbeiten nach Daten des Biek rund 209.000 Menschen in der Branche. Bis 2020 müssen wahrscheinlich noch 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze besetzt werden.

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