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Onlinehandel Shopping-App Wish begeistert junge Käufer

Die App Wish hängt derzeit den deutschen Handel ab. Ihr Siegeszug scheint kaum zu bremsen – obwohl sie für Nutzer durchaus Gefahren birgt.

Wish: Warum junge Kunden die Shopping-App lieben

DüsseldorfEs ist ein geradezu märchenhafter Aufstieg. Erst vor sieben Jahren gegründet, verdrängt die Shopping-App Wish in immer mehr Ländern etablierte Händler und Onlinemarktplätze. Wie eine aktuelle Auswertung von Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach zeigt, liegt das US-Start-up auch in Deutschland mittlerweile weit vor allen deutschen Händlern. „Wish ist der absolute Shooting Star“, so Handelsexperte Heinemann.

Nach Zahlen des Datendienstleisters Similarweb lag Wish im Februar 2018 bei den iPhone-Nutzern in Deutschland auf Platz drei der Shopping Apps – nach Ebay und Amazon. Bei den Nutzern von Android-Handys lag der Newcomer auf immerhin schon auf Platz vier. Nur Payback konnte sich da noch dazwischenschieben.

„Deutsche Händler lassen sich hier die Butter vom Brot nehmen“, kritisiert Heinemann. In der Tat: Deutsche Händler kommen in der Top Ten der Shopping-Apps nicht vor – abgesehen von Zalando, die bei iPhone-Nutzern noch den achten Platz belegen konnten. Die beliebtesten stationären Händler waren Lidl (Platz 22) bei iPhone und Media Markt (Platz 33) bei Android.

Dass Wish bei der Beliebtheit auf den mobilen Geräten so abräumt, bedeutet für den klassischen deutschen Handel eine konkrete Gefahr. Denn immer mehr gerade junge Kunden kaufen online nur noch über das Handy ein. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland schon 40 Prozent der E-Commerce-Umsätze über mobile Geräte gemacht. Und nach einer Studie von Criteo kommt 63 Prozent des Mobile-Commerce-Geschäfts über eine App.

Plattform nur für Smartphones

Da treffen neue Apps wie Wish offenbar genau den Nerv der jungen Konsumenten. Sie folgt einer grundsätzlich anderen Logik: Während die meisten Konkurrenten auf die gezielte Produktsuche setzen, lädt Wish zum Stöbern ein und will die Nutzer zu Impulskäufen animieren. Die Plattform gibt es nur für Handy, deshalb ist sie von Anfang an für die mobile Anwendung optimiert worden.

Die wichtigste Zielgruppe sind die Schnäppchenjäger. Täglich gibt es tausende neue Angebote, hauptsächlich aus den Bereichen Mode, Lifestyle und Technologie. Als zusätzlicher Kaufanreiz erscheint neben dem Produktfoto groß die Angabe, wieviel man angeblich zum Originalpreis spart – und wie viele andere Kunden angeblich schon zugegriffen haben. Nachprüfen lassen sich diese Angaben in der Regel nicht.

Kritik an der App kommt nicht nur von Datenschützern, die darauf hinweisen, dass Wish weitgehenden Zugriff auf Kontakte, Fotos und Daten auf dem Smartphone bekommt. Auch ist die Qualität der Produkte häufig fragwürdig, stammt doch ein Großteil von Billighändlern aus China.

Dazu kommt: Die Plattform, die von Ex-Managern von Google und Yahoo gegründet wurde, sieht sich nicht als Ansprechpartner, wenn es Probleme mit der Lieferung oder den Produkten gibt. Das muss der Kunde direkt mit den Händlern regeln.

Der Beliebtheit von Wish tut das keinen Abbruch. In den USA wurde sie 2017 erstmals öfter runtergeladen als die App von Amazon. Und auch in Europa ist sie auf dem Durchmarsch. So zeigen die aktuellen Similarweb-Zahlen, dass sie in Frankreich und Großbritannien bei iPhone-Nutzen schon auf Platz eins liegt. „Wahrscheinlich wird sie das auch bald in Deutschland sein“, prophezeit E-Commerce-Experte Heinemann.

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