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Onlinehandel Darf’s noch ein bisschen mehr Boom sein?

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Sport, Cocooning und Handwerk

Selbst bei etwas kleineren Händlern sorgt die lukrative Mischung aus „Lockdown light“ und Weihnachtsgeschäft für enormes Wachstum. Wer sich durch Onlineshops klickt, stößt immer wieder auf Hinweise wie diese: „Auf Grund der aktuellen Lage kann es leider zu Verzögerungen bei der Bearbeitung und Lieferung kommen.“

Moritz Keller, Mitgründer und Geschäftsführer der Keller Group mit den beiden Onlineshops „Keller Sports“ und „Keller x“, merkt seit November wieder „eine nochmals deutlich verstärkte Nachfrage wie es auch im 2. Quartal der Fall war“. Produkte für häusliche Sporteinheiten oder Laufschuhe und Fahrradhosen sind in der Pandemie begehrt. Keller und sein Team bereiten sich „schon seit Monaten“ auf das Weihnachtsgeschäft vor. Er erwartet in diesem Jahr „deutliche Rekordumsätze und ein starkes Wachstum“.

Der Trend zum Cocooning – dem Rückzug in die eigenen vier Wände – bescherte der Raumschmiede GmbH Wachstum. Unter dem Dach des Unternehmens sind drei Onlineshops aktiv: Garten-und-Freizeit.de, Betten.de und Piolo.de. Piolo wirbt passenderweise mit dem Slogan „Bau dir dein eigenes Nest“. Vor allem bei Betten.de und Piolo.de habe sich „das Wachstum seit dem erneuten Lockdown in den letzten Wochen erneut überproportional entwickelt“, sagt Geschäftsführer Jürgen Schuster. „Aktuell liegt es wieder, wie im Frühjahr, im hohen zweistelligen Bereich“.

Wer das Zuhause in Stand halten will, hat womöglich bei werkzeugstore24.de oder bei Contorion gekauft. Beide Shops verspürten im Frühjahr eine deutlich erhöhte Nachfrage. Während werkzeugstore24.de nun keinen neuen Effekt durch den „Lockdown light“ spürt, ist das bei Contorion anders: „Aktuell zieht unser Geschäft saisonal bedingt wieder stark an“, heißt es von dem Unternehmen. Besonders gefragt in diesem Jahr: Hochdruckreiniger (354 Prozent Wachstum), Abfallentsorgungsprodukte (225 Prozent) und Werkbänke (135 Prozent).

Große und kleinere Onlineshops, Unternehmen wie die Trusted Shops GmbH und auch Paketdienstleister eint eine Frage: Wie lange hält der Boom noch an? Die Entwicklung eines Impfstoffs ist dafür ausschlaggebend. Nicht umsonst sackten die Aktienkurse von Amazon, Ebay und Zalando allesamt um rund fünf Prozent ab, als Biontech und Pfizer Daten zur Wirksamkeit ihres Impfstoffs veröffentlichten. Wenn ein Impfstoff eine stückweite Normalisierung des Lebens möglich machen sollte, könnte sich das beachtliche Wachstum wieder verlangsamen. Könnte. Denn sicher ist nichts. Deshalb fällt den Unternehmen der Blick auf das kommende Jahr noch schwer.

„Die Planung ist in der Tat schwierig“, sagt Jürgen Schuster von der Raumschmiede GmbH. Und laut Ebay-Manager Klinck ist ein „prozentgenauer Forecast für das erste Quartal 2021 unmöglich“. Corona spiele eine zu große Rolle. Und „es gibt gerade zu viele Unbekannte“. Sporthändler Moritz Keller spricht gar von „Unsicherheit“.

Sorglos agieren die erfolgsverwöhnten Unternehmen auch deshalb gerade nicht. Corona ist ein Sondereffekt. Ein Katalysator. Darüber herrscht weitgehend Einigkeit in der Branche. Sollte sich das Leben wieder normalisieren, geht Jürgen Schuster bei seinen drei Shops etwa von einem „Abflachen der aktuell sehr hohen Nachfrage aus“. Trusted-Shops-Chef Noël ist „überzeugt, dass das Niveau im E-Commerce wieder etwas zurückgehen wird“. Contorion rechnet mit „nur leicht“ zurückgehenden Umsätzen.


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Dass man aber besser dastehen wird als vor der Pandemie, ist für die Händler ausgemacht. Einen Absturz auf das „Vorkrisenniveau“ erwartet niemand. Moritz Keller glaubt, dass die „Umsätze insgesamt online auch nach Corona weiter zulegen und nicht zurückgehen“ werden.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass selbst der Boom für die Händler mit Verlusten bei Produkten einhergeht, die während der Pandemie einfach nicht so sehr gefragt sind. Bei Ebay laufen gerade etwa zehn Prozent der Produktkategorien schlechter als im Vorjahr, verrät Manager Oliver Klinck. „Bei Ebay werden etwa auch Tickets für Veranstaltungen verkauft. Das Geschäft boomt jetzt natürlich nicht gerade.“ Bei Keller Sports ist die „Nachfrage nach Sportarten wie Ski oder Tennis aktuell deutlich abgeschwächt“. Sollten die Impfstoffentwicklung wie erhofft voranschreiten, dann dürfen sich bald womöglich Onlineticketverkäufer und Wintersporthändler mit dem Titel „Nach-Corona-Profiteur“ schmücken.

Mehr zum Thema: Die Pandemie treibt den Boom der Lieferökonomie und schafft täglich neue Arbeitsplätze. Doch Personal wird knapp.

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