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Osram Industrie-Ikone unter Druck

Vorstandschef Berlien hatte zu viele schlechte Nachrichten in jüngster Zeit. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Osram-Chef Olaf Berlien ist beim Umbau des Traditionskonzerns ein großes Stück vorangekommen. Doch jetzt gerät das Unternehmen ins Schlingern.

Es ist noch keine zwei Jahre her, da schickte Osram Schockwellen bis nach Berlin. Ein Konsortium aus chinesischen Investoren hatte sich an den Münchner Lichttechnikkonzern herangepirscht. Das Ziel: die Komplettübernahme des deutschen Traditionshauses. Zuvor hatte Vorstandschef Olaf Berlien bereits das traditionelle Geschäft mit Glühbirnen, Energiesparlampen und  Leuchtstoffröhren an ein chinesisches Unternehmen verkauft. Jetzt wollten die Chinesen den wertvollen Kern von Osram, das Geschäft mit hochmoderner Halbleitertechnologie, das dem Unternehmen hohe Renditen bescherte.

Im Wirtschaftsministerium unter dem damaligen SPD-Minister Sigmar Gabriel und seinem Staatssekretär Matthias Machnig schrillten die Alarmglocken. In Windeseile wurden Szenarien entworfen, wie man die Übernahme abwenden und den angeblich fortschreitenden Ausverkauf des High-Tech-Standorts Deutschland bremsen könnte. Kurz zuvor war bereits der Augsburger Roboterhersteller Kuka an den chinesischen Hausgerätehersteller Midea gefallen.

Olaf Berlien, der zuvor bei Thyssenkrupp die Aufzugssparte geführt hatte, war zu dem Zeitpunkt gerade eineinhalb Jahre am Ruder und hatte Osram bereits seinen Stempel aufgedrückt. Er organisierte die Aktivitäten des Konzerns rund um die zukunftsträchtige und renditestarke Sparte mit optischen Halbleitern. Aus Osram, dem etwas angestaubten Hersteller von Glühbirnen, war ein Hochtechnologiekonzern geworden.

Doch jetzt scheint das mehr als 110 Jahre alte Unternehmen mit seinen gut 26.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 4,1 Milliarden Euro in schweres Fahrwasser zu kommen. Zweimal schon musste Berlien in diesem Jahr die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr nach unten korrigieren.

Anfang des Monats gab der Konzern bekannt, dass der Umsatz zwischen April und Juni mit rund einer Milliarde Euro nahezu stabil blieb, das operative Ergebnis jedoch deutlich schrumpfte: im Vergleich zum Vorjahr um 41 Millionen auf 133 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge fiel von 16,4 auf 13,1 Prozent. Die Folge der durchwachsenen Zahlen: In den vergangenen sechs Monaten verbilligte sich die im M-Dax gelistete Osram-Aktie von 70 auf 40 Euro.

Zu den schwächeren Ergebnissen trugen auch Wechselkurseffekte bei. Doch Berlien kämpft derzeit vor allem mit strukturellen Verwerfungen auf Osrams wichtigsten Märkten. So verzögern sich bei vielen Autoherstellern die Pkw-Auslieferungen wegen des neuen WLPT-Standards zur Abgasmessung. Das Geschäft mit der Automobilbeleuchtung steuert rund die Hälfte zum Umsatz des Konzerns bei. Dazu kommen der sich verschärfende Handelskrieg zwischen den USA und China und Projektverschiebungen bei Smartphones. Osram und sein erfolgsverwöhnter Chef Berlien gehen schwierigen Zeiten entgegen, im Lighthouse, der Konzernzentrale im nördlichen Schwabing, wird man sich etwas einfallen lassen müssen.

„Trotz eines schwierigen Marktumfelds erwirtschaften wir weiter gute Renditen, versucht Berlien sich Mut zu machen, „an den langfristigen Wachstumschancen hat sich nichts geändert.“

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