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Otto-Chef Alexander Birken "Wir müssen uns nicht vor Amazon fürchten"

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"Ich bin kein großer Fan verkaufsoffener Sonntage"

Werden Sie künftig auch Lebensmittel verkaufen wie Amazon?
Das haben wir schon in den Neunzigerjahren mit dem Otto Supermarktservice versucht. Die Idee war gut, aber die Zeit noch nicht reif. Aktuell gibt es keine Pläne, wieder in den Markt einzusteigen. Allerdings werden wir künftig mehr Drogerie- und Kosmetikartikel anbieten, auch um die Einkaufsfrequenz unserer Kunden zu steigern. Eine Schrankwand oder ein Sofa kauft man alle paar Jahre, Duschgel und Waschpulver alle paar Wochen.

Welche Folgen hat der Onlineboom für die Innenstädte?
Es wird gravierende Veränderungen geben, vielleicht nicht in den A-Lagen, also auf den großen Einkaufsstraßen in den Metropolen. Aber viele Klein- und Mittelstädte werden Probleme bekommen. Es reicht oft schon aus, wenn ein Händler im Stadtkern aufgibt, um einen Dominoeffekt in Gang zu setzen. Die Kundenfrequenz sinkt, andere Händler bekommen Probleme, die Straße kippt.

Wie können Kommunen eine solche Abwärtsspirale verhindern?
Städte brauchen neben den Geschäften auch andere Kundenmagneten. Es geht um Gastronomie, Spielplätze und Angebote für junge Familie und Kinder, um Kultur und Unterhaltung. Es gibt tolle Beispiele, wo das gut gelingt, etwa in Heidelberg, Wismar oder Erfurt. Die klassische Fußgängerzone, wie wir sie aus den Achtzigerjahren kennen, hat dagegen keine Daseinsberechtigung mehr.

Ließe sich die Abwanderung der Kunden ins Netz durch mehr verkaufsoffene Sonntage stoppen?
Ich bin kein großer Fan verkaufsoffener Sonntage.

Das wäre auch überraschend für den Chef eines Versandhändlers.
Moment mal: Wir betreiben mit Marken wie Sportscheck, MyToys oder Manufactum auch viele stationäre Läden. Wir kennen also beide Seiten. Nach unseren Erfahrungen führen verkaufsoffene Sonntage eher zu einer Umsatzverschiebung als zu einer Umsatzsteigerung. Statt am Donnerstag oder Freitag wird halt am Sonntag eingekauft, aber in Summe nicht mehr ausgegeben. Für viele Händler führt das am Ende sogar zu höheren Personal- und Betriebskosten. Und online wird trotzdem immer mehr bestellt …

… was zu weiteren Problemen in den Städten führt: Paketboten verstopfen die Straßen, die Luftverschmutzung nimmt drastisch zu. Was tut Ihre Pakettochter Hermes dagegen?
Die Luftverschmutzung nimmt durch den Onlinehandel definitiv nicht zu, wie Studien zeigen. Gerne werden die Emissionen der Kundinnen und Kunden auf dem Weg zum stationären Einzelhandel außer Acht gelassen, die ja durch den Onlinehandel sinken. Aber im Kern haben Sie recht: Die großen Paketzusteller haben dafür zu sorgen, die Umwelt zu entlasten. Bei Hermes betreiben wir deshalb das dichteste Netz an Paketshops in Deutschland. Dadurch sparen wir Wegekosten und arbeiten energieeffizienter als viele Wettbewerber. Zudem setzen wir auf Elektromobilität: Wir haben bei Daimler gerade 1500 Elektrotransporter bestellt.

Der Reiz der europäischen Luxuskaufhäuser
Luxuskaufhäuser Quelle: dpa
Harrods Quelle: dpa
Harrods Quelle: dpa
KaDeWe Quelle: dpa
KaDeWe Quelle: dpa
La Rinascente Quelle: dpa
La Rinascente Quelle: dpa

Das ist nur ein kleiner Teil Ihrer Lieferflotte, der Rest fährt mit Diesel. Was machen Sie, wenn es zu Dieselfahrverboten in Großstädten kommt?
Sollte es dazu kommen, hat nicht nur Hermes ein Problem. Das würde die gesamte Logistikbranche treffen. Ich hoffe, dass die Politik hier mit Augenmaß handelt und im Zweifel realistische Übergangsfristen schafft. Hermes will bis 2025 in Metropolen alle Pakete emissionsfrei zustellen. Das heißt, unser E-Anteil wird ohnehin steigen, wobei ich hoffe, dass wir technologisch noch mal einen ganz neuen Sprung machen, um eine nachhaltige Lösung zu finden.

Wie wär’s mit Lieferdrohnen?
Bis diese spannende Fantasie Wirklichkeit wird, schaffen wir lieber Lösungen, die tatsächlich funktionieren.

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