Otto-Chef zu Onlinehandel "Wir machen diesen Hype nicht mit"

Der Chef des Otto-Konzerns rechnet mit einem weiteren Umsatzschub für den Online-Handel, sieht die Goldgräberstimmung in der Branche aber skeptisch.

Hans-Otto Schrader Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Schrader, glauben Sie an die Heilkraft der Homöopathie?

Schrader: Ja durchaus, aber ich verstehe die Anspielung nicht.

Die Wachstumsraten, die der Otto-Konzern schafft, wirken im Vergleich zur Konkurrenz fast 30-fach verdünnt.

Ich verstehe. Ein nettes Bild, aber diese Metapher passt nicht recht. Unsere Zuwachsraten liegen tatsächlich voll in dem strategischen Korridor, den wir angepeilt haben.

Insgesamt legte die deutsche Versandhandelsbranche im vergangenen Jahr um 15,6 Prozent zu, reine Online-Anbieter wuchsen um 27,2 Prozent. Ihre Handelssparte kommt dagegen auf ein mageres Plus von 0,4 Prozent.

Auch hier hinkt Ihr Vergleich: Im reinen Online-Geschäft stiegen unsere Umsätze ebenfalls kräftig auf weltweit 5,7 Milliarden Euro, und viele unserer kleinen Aktivitäten erreichen zweistellige Zuwächse. Es ist nun mal schlicht nicht unsere Strategie, den hohen Wachstumsraten zumeist kleiner oder finanzmarktfinanzierter Online-Händler auch nur näherungsweise zu folgen. Wir wollen vielmehr solide wirtschaften und etwas stärker wachsen als der Gesamtmarkt. Die Umsätze im deutschen Handel sind 2012 um 1,5 Prozent gewachsen – das ist unsere Bezugsgröße.

Selbst bei dieser Rechnung liegen Sie unter dem Marktdurchschnitt. Woran lag es?

Wir haben in unserer Unternehmensgruppe mit 123 Unternehmen eine ganze Reihe von Konzepten wie Otto, Bonprix, Baur und Schwab und Länder wie die USA, Russland oder Brasilien, die sehr erfreulich unterwegs sind. Aber wir haben auch strukturelle Probleme in einzelnen Ländern, die uns zu schaffen machen. Dazu gehört vor allem die Beteiligung an der französischen Versandgruppe 3Suisses.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

Das Frankreich-Geschäft läuft schon seit Jahren schlecht. Wo liegt das Problem?

Der Umbau läuft seit drei Jahren. Der französische Markt war lange Zeit getrieben von zeitlich gestaffelten Preisnachlässen. Das lässt die Preistransparenz im Netz heute nicht mehr zu. Das hat den gesamten französischen Versandhandel in die Krise geführt. Deshalb ist Frankreich auch für uns die derzeit größte Herausforderung, das Geschäft wird uns auch im laufenden Jahr noch Umsatz und Ergebnis kosten. Aber wir sind dabei, das Problem zu lösen. Bis Ende des Jahres wird es eine Entscheidung über die Zukunft unserer französischen Versandgruppe geben.

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