"Paket der Grausamkeiten" In diesen neun Bereichen will Karstadt sparen

Der Karstadt-Betriebsrat verhandelt mit der Unternehmensleitung über das Sparprogramm der Traditionskette. In neun Bereichen will das Management den Rotstift zücken.

Die Hauptdarsteller in der Kaufhaus-Soap
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Kaum drei Monate nach dem Einstieg des neuen Karstadt-Investors René Benko trifft sich die Unternehmensleitung der angeschlagenen Warenhauskette heute mit den Arbeitnehmervertretern. Auf der Agenda steht ein "Paket der Grausamkeiten", wie der Gesamtbetriebsrat die geplanten Einschnitte bei dem Konzern jüngst in einem Schreiben genannt hat. "Das werden schwierige Verhandlungen", sagte Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt im Vorfeld.

Tatsächlich will das Karstadt-Management um den neuen Karstadt-Chef Stephan Fanderl dem Konzern einen Sparkurs verpassen, der es in sich hat. Auf neun Bereiche konzentriert sich die Spardiskussion.

1. Personalabbau

Einschnitte bei den Personalkosten sind das heikelste Thema der Verhandlungen. Laut Betriebsratsschreiben sind Einsparungen von Personalkosten in Höhe von umgerechnet 1950 Vollzeitstellen bei Karstadt vorgesehen. Unter Berücksichtigung der Teilzeitquote könnten demnach sogar rund 3000 der insgesamt 17.000 Stellen wegfallen. Besonders hart könnte es zunächst die Essener Hauptverwaltung treffen und jene Filialen treffen, deren Ende bereits beschlossen wurde.

Aber auch in den übrigen Häusern könnten Flächen künftig verstärkt von anderen Anbietern betrieben werden. Bei solchen Shop-in-Shop-Konzepten wären weniger Karstadt-Kräfte nötig.

Karstadts Krisen-Chronik

In eine ähnliche Richtung gehen Ansätze zur Einrichtung so genannter Selbstbedienungszonen in den Karstadt-Häusern. Um die Kosten zu drücken, wird zudem über die Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes ab 2015 und eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit nachgedacht. Zudem will Fanderl stärker auf leistungsorientierte Gehaltsbestandteile setzen. Von den Einschnitten sollen indes nicht nur Filial- sondern auch Führungskräfte betroffen sein.

2. Filialschließungen

Erst vor wenigen Wochen hat Unternehmenschef Fanderl angekündigt, zwei Warenhäuser in Hamburg und in Stuttgart, sowie ein Schnäppchencenter und zwei sogenannte K-Town-Märkte dichtzumachen, die sich an besonders modeaffine, junge Kunden richten sollten. Doch das dürfte nur der Auftakt zu einer zweiten Schließungsrunde nach dem Weihnachtsgeschäft sein. Insgesamt gelten weitere 20 der heute 83 Karstadt-Standorte als gefährdet. Das Problem: Schließungen sind extrem teuer, da es schwer ist aus den laufenden Mietverträgen auszusteigen.

3. Mietsenkungen

Derzeit kolportierte Schließungslisten sind daher wohl zugleich auch eine Drohkulisse, um bei Vermietern Zugeständnisse durchzusetzen. So soll nach internen Informationen auch über Mietsenkungen verhandelt werden. Teils kämen auch Mietmoratorien in Betracht - also der Verzicht auf vereinbarte Steigerungen.

4. Outsourcing des Online-Shops

Zwar sieht das Karstadt-Management den Boom des Online-Handels als wachsendes Risiko für Karstadt. Zugleich schreckt die  Führungsriege aber vor hohen Investitionen zurück, die nötig wären, um das Geschäft in Eigenregie auszubauen. Als Lösung strebt das Management ein Betreibermodell mit einem externen Partner an. Die Vorgabe sei dabei, dass von Anfang an ein operativ positives Ergebnis erzielt werde, heißt es intern. Bei Karstadt verbliebe im Wesentlichen die Koordinierung des Online-Auftritts. 

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