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Passagierverlust Lage für Regionalflughäfen spitzt sich zu

Der Luftverkehr in Deutschland ist im ersten Halbjahr gewachsen. Doch davon profitieren nur die größeren Flughäfen. Verlierer sind Regional-Airports, besonders groß sind die Verluste bei einem Flughafen aus NRW.

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Fluggasttreppe auf dem Rollfeld in Nürnberg: Bis auf wenige Ausnahmen verlieren kleinere Flughäfen Passagiere. Quelle: dpa

Düsseldorf Der Flughafen Weeze am Niederrhein ist der große Verlierer unter den deutschen Airports. Die haben im ersten Halbjahr zwei Prozent mehr Passagiere abgefertigt, wie aus Zahlen des Flughafenverbands ADV hervorgeht. Doch vom Wachstum bekommen meist nur die großen und mittelgroßen Flughäfen etwas ab. Die Regional-Airports hingegen verlieren massiv an Kunden.

So hat Weeze in den ersten sechs Monaten mehr als ein Viertel seiner Passagiere verloren: Lediglich 815.000 Personen flogen noch über den kleinen Airport. Im Juni war das Minus mit 28,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat besonders hoch.

Im Vorjahr war der Flughafen noch der große Gewinner unter den deutschen Airports. Doch im ersten Halbjahr zeigte sich die Abhängigkeit von Ryanair. Der Billigflieger ist für einen Großteil der Flugbewegungen am Regionalflughafen verantwortlich, hatte im Sommerflugplan aber 18 Verbindungen von Weeze aus gestrichen.

Damit ist Weeze nicht allein: Zu den Verlierern zählen fast ausschließlich kleinere Flughäfen. Der Airport Nürnberg, der gerade erst eine Finanzspritze von der Stadt erhielt, büßte bis Ende Juni gut zehn Prozent seiner Passagiere ein und kommt nur noch auf 1,45 Millionen Fluggäste. Immerhin: Betrachtet man den Juni separat, konnte der Flughafen um mehr als zehn Prozent zulegen. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt zählte mit 318.000 ebenfalls knapp zehn Prozent weniger Passagiere, Saarbrücken verlor 9,1 Prozent und kommt lediglich noch auf 183.000 Fluggäste.

An Verkehr zulegen konnten die großen und mittelgroßen Flughäfen Deutschlands. In Berlin platzten die Alt-Flughäfen Tegel und Schönefeld aus allen Nähten, in den ersten sechs Monaten ist das Passagieraufkommen um 5,8 (Tegel) beziehungsweise 7,2 Prozent (Schönefeld) gestiegen. Insgesamt flogen mehr als 13 Millionen Fluggäste über die Berliner Airports. Zu den Gewinnern zählt auch Hamburg mit einem Plus von 7,2 Prozent und 6,8 Millionen Passagieren.


Flughafen durch Pkw-Maut „massiv gefährdet“

Unter den kleinen Flughäfen überrascht Friedrichshafen mit einem Zuwachs von 5,3 Prozent auf 256.000 Passagiere. Doch insgesamt bleibt die Lage der Regional-Airports angespannt. Nach Lübeck hatte am Donnerstag auch der Flughafen Zweibrücken in Rheinland-Pfalz den Insolvenzantrag eingereicht. Zuvor hatte die EU-Kommission dem Land die Genehmigung für eine neuerliche Finanzspritze verweigert. Der Flughafen liegt nur rund 30 Kilometer dem in Saarbrücken entfernt. Neue EU-Leitlinien verbieten Subventionen für zwei Flughäfen, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen.

Staatliche Beihilfen für Weeze hatte Brüssel dagegen genehmigt. Der Airport sieht dennoch bereits die nächsten dunklen Wolken am Himmel aufziehen. Der Flughafen hat Angst, im Falle der Einführung einer Pkw-Maut weitere Passagiere zu verlieren. Viele Niederländer fliegen von dem Airport nahe der Grenze. In einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte Flughafenchef Ludger van Bebber zuletzt, dass sein Standort mit mehr als 1000 Arbeitsplätze „massiv gefährdet“ sei.

Fast 40 Prozent der Fluggäste seien Niederländer. Vor der Einführung der Luftverkehrssteuer seien es mehr als 50 Prozent gewesen. Die Maut wäre eine weitere „einseitige nationalstaatliche wettbewerbsverzerrende Belastung“, warnt Bebber in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. Dobrindt möge auf die Abgabe verzichten oder „Grenzräume mit der notwendigen Befreiung versehen“.

In den abgelaufenen sechs Monaten ist vor allem der Europaverkehr von deutschen Flughäfen gewachsen (plus drei Prozent). Auch der Interkontinental-Verkehr legte mit 1,9 Prozent zu. Der innerdeutsche Luftverkehr stagniert dagegen nach Angaben des ADV mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent.

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