Peek & Cloppenburg Wie P&C die Zukunft verpasst

Onlineshops und Modelabels mit eigenen Läden bedrohen das Geschäftsmodell von Händlern wie Peek & Cloppenburg. Erbe Patrick Cloppenburg soll den Konzern zukunftsfest machen – doch er findet keinen Weg aus der Krise.

Peek und Cloppenburg-Filiale in Hannover Quelle: imago

Alles war vorbereitet: Sets besprochen, Darsteller gecastet, Klamotten ausgesucht. Doch zum „Ruhe bitte! Kamera läuft! Klappe, P&C die Erste!“ kam es nicht. Kurz vor Weihnachten sagte die Düsseldorfer Modekette Peek & Cloppenburg (P&C) den Dreh eines Fernsehspots für ihr Online-Kaufhaus Fashion ID ab. Nicht nur viele P&C-Mitarbeiter, die sich von der rund 15 Millionen Euro teuren Imagekampagne endlich einen Schub für ihren Web-Shop erhofft hatten, waren enttäuscht. Auch Schauspieler Matthias Schweighöfer, Galionsfigur im geplanten Spot, sei unerfreut gewesen, berichtet eine mit den Vorgängen vertraute Person. Schließlich habe er einen anderen Dreh für den Werbefilm verlegt. Schweighöfer will sich zwar zu den „Vorkommnissen“ nicht äußern. Gleichwohl stehen sie symptomatisch für die Lage bei Deutschlands drittgrößter Textilhandelskette: Zögern und Zaudern prägen das Handeln des Familienunternehmens.

Diese Unternehmen sind in Gefahr
Bedrohte C&A-Filiale Quelle: REUTERS
Logo und Schriftzug von Quick Schuh Quelle: PR
Reno-Filiale Quelle: Gemeinfrei
Bedrohte Runners Point Filiale Quelle: AP
Bedrohte P&C Filiale Quelle: dpa
Bedrohte Saturn Filiale Quelle: REUTERS
Bedrohte NKD Filiale Quelle: PR
Bedrohte Karstadt Filiale Quelle: dpa
Logo und Schriftzug von Babywalz Quelle: PR
Takko-Filiale Quelle: Creative commons - Joeb07
Bedrohte Euronics Filiale Quelle: PR
Platz 19: KiK - Bedrohungsgrad: 70Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Unter den zehn Unternehmen mit dem schlechtesten Image tauchen mit KiK, Netto Marken-Discount, Norma, Penny und Lidl gleich fünf diskontierende Formate auf. Das zieht auch die Gesamtbewertung nach unten. Kik steigt in der Liste der bedrohten Unternehmen auf Platz 19 ein. Quelle: dapd
Platz 18: Wöhrl - Bedrohungsgrad: 71,3Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, Brands4friends, Asos Während Kaufhäuser wie Breuninger oder P&C mit gutem Service und Image punkten, fällt Wöhrl negativ dagegen ab. Das Warenhaus kann sich deshalb auch nicht auf eine besonders loyale Kundschaft stützen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 17: Media Markt - Bedrohungsgrad: 71,6Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Media Markt ist wie Schwester Saturn erst spät in den Online-Handel eingestiegen. Der Elektronik-Riese kann weder mit überzeugenden Service-Leistungen noch besonders gutem Image punkten. Die Kunden sind daher auch wenig loyal. Media Markt wird es in der harten Branche mit so aggressiven Online-Mitbewerbern wie Notebooksbilliger.de immer schwieriger haben. Quelle: dapd
Platz 16: Hugendubel - Bedrohungsgrad: 71,8Kernsortiment: Bücher Wichtigste Online-Angreifer: Amazon, buch.de Gerade wurde bekannt, dass Hugendubel seine Filiale am Münchener Marienplatz 2016 schließen wird. Amazon hat den den Handel mit Büchern revolutioniert und ist mit rund 3/4 aller Online-Umsätze bei Büchern führend. Das Verbrauchervertrauen spiegelt sich auch im Fit Score (86,8) wider, obwohl Amazon die niedrigsten Imagewerte erzielt. Hugendubel hat es angesichts dieser massiven Konkurrenz schwer, sich zu behaupten - trotz gutem Image und guten Serviceleitungen. Quelle: dpa
Platz 15: Butlers - Bedrohungsgrad: 72,4Kernsortiment: Möbel/Deko Wichtigster Online-Angreifer: Home24, Westwing Butlers kann sich zwar über hohe Imagewerte, sowie zufriedene und loyale Kunden freuen, aber das Deko- und Möbelhaus betreibt Geschäfte in der hoch online-affinen Branche der Multi-Sortimenter. Amazon hat „das längste Regal der Welt“. Und das zeigt auch die überragende Bewertung der Konsumenten, vor allem in der hohen Loyalität (97,0!). Butlers hat das Nachsehen. Quelle: PR
Platz 14: Charles Vögele - Bedrohungsgrad: 72,5Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Das Modehaus hat das Pech in direkter Konkurrenz zu einem so genannten "Category Killer" wie Zalando zu stehen. Die Unternehmen haben finanzstarke Geldgeber hinter sich, die massiv in Bekanntheit, Marktanteile und Service investieren und den Ertrag hinten anstellen. Für eine Kette wie Vögele wird das zum massiven Problem, Image und Loyalität sind nur mittelprächtig. Der eigene Online-Auftritt könnte deutlich besser sein. Vögele muss sich warm anziehen. Quelle: PR
Platz 13: Babyone - Bedrohungsgrad: 72,7Kernsortiment: Kinderbedarf Wichtigste Online-Angreifer: myToys, windeln.de babymarkt.de Bereits jeder vierte Euro für Spielzeug wird im Internet ausgegeben. Eine Vielzahl an Online-Händlern haben sich beim Konsumenten mit einem breiten Sortiment etabliert. Mit kidoh.de und mytoys.de folgen zwei weitere Pure Onliner in der Verbrauchergunst. Fachmarktketten wie Babyone aus dem Siegerländischen Freudenberg haben es schwer, sich gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten. Sie stehen in der Reihe der Spielwaren- und Babybedarf-Anbieter in punkto Image, Service und Loyalität ganz unten. Quelle: PR
Platz 12: Kaufhof - Bedrohungsgrad: 72,9Kernsortiment: Warenhäuser Wichtige Online-Angreifer: Amazon, Ebay "Der Betriebstyp Kaufhaus hat sich stationär überlebt", glauben die Autoren der Studie von Dr. Wieselhuber & Partner. "Die einst größten Handelsunternehmen Deutschlands, Hertie, Horten, Karstadt oder Kaufhof, klingen heute wie „Dinosaurier“, und einige von ihnen sind bereits ausgestorben." Spezialisten und Monolabel-Stores würden in die Innenstädte drängen und so das Geschäftsmodell „Multisortimenter“ herausfordern. Gleichzeitig bieten Onlinehändler ein Sortiment an, das größer ist als das aller Warenhäuser. In diesem Umfeld wird das Überleben für Kaufhof nicht leicht. Quelle: dpa
Platz 11: ElectronicPartner - Bedrohungsgrad: 73Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Die Verbundgruppe verzichtet auch 2014 noch völlig auf einen eigenen Online-Shop. Zwar will EP sein Angebot in Zukunft schrittweise in Netz verlagern, noch setzt V erbundgruppe für selbstständige Elektro-Fachgeschäfte aber vor allem auf den den direkten Kundenkontakt. "Wir glauben an den stationären Fachhandel, seine Stärken und vor allem seine unstrittige Daseinsberechtigung. Unsere Aufgaben ist es, den Kunden, die überwiegend stationär kaufen – nach Zahlen, die uns vorliegen sind das nach wie vor zwischen 75 und 80 Prozent – das bestmögliche Angebot zu machen", sagt Friedrich Sobol, Vorstand von ElectronicPartner. Zudem ist EP am Online-Händler Notebooksbilliger.de beteiligt. Quelle: PR

Vorsichtiges Investieren, wenig Risikobereitschaft und unüberschaubare Entscheidungsstrukturen verhindern laut Menschen aus dem Inneren des Konzerns entschiedenes Vorankommen. Dabei kommt P&C gleich von zwei Seiten unter Druck. Zum einen wandelt sich der Modehandel rasant: Online-Giganten wie Amazon oder Zalando sowie Markenhersteller mit ihren eigenen Läden bedrohen das Geschäftsmodell der Düsseldorfer. Gleichzeitig muss P&C gelingen, woran schon viele Familienunternehmen scheiterten: der Generationswechsel. Schließlich ist Sippen-Senior Harro Uwe Cloppenburg mittlerweile 74 Jahre alt.

Seltsam abgeschottetes Reich

Intern aber ist die Stimmung schlecht: Fashion-ID-Chef Christian Meermann (Ex-Zalando-Marketingmanager), P&C-Marketingchef Christian Hupertz (Ex-CEO bei der Werbeagentur Grey), der Leiter der P&C-Unternehmensstrategie Richard Federowski (Ex-Roland Berger) und Fashion-ID-Marketingleiter Eric Hofmann, Experte für digitalen Handel, gingen allein seit April; insgesamt verließen im vergangenen Jahr fast ein Dutzend Manager, darunter viele Digitalexperten, das Unternehmen.

Das Geschäft kommt angesichts dieser Wechselspiele nicht voran: Im Online-Handel verliert man den Anschluss, die Umsätze in den Filialen stagnieren. Der vor einigen Jahren eingeleitete Generationswechsel – der zweite Versuch im Übrigen – von Harro Uwe Cloppenburg auf seinen 33-jährigen Sohn Patrick hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Beobachter und Branchenkenner halten Cloppenburg junior neben dem generell schwierigen Marktumfeld für das größte Problem der Düsseldorfer Modehändler.

Die umsatzstärksten Modehändler der Welt

P&C, das ist Peek & Cloppenburg Düsseldorf, die westliche Hemisphäre eines seit 1911 geteilten Modeimperiums, das Herrschaftsgebiet von Patrick Cloppenburg. Er ist nicht der Erste aus dem Nachwuchs von Harro Uwe Cloppenburg, der dieses Reich mal führen sollte: Mit den beiden älteren Söhnen aus erster Ehe, Hendrik, 50, und John, 46, hatte es nicht funktioniert. Patrick dagegen ist seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen. Der Auto-Liebhaber startete im Herbst 2005 als Abteilungsleiter für Herrenartikel in Köln. Anfang 2010 wechselte er als Stellvertreter in die Unternehmensleitung.

P&C veröffentlicht keine Bilanzen

Dass es so kommen würde, hatte die WirtschaftsWoche schon 2005 berichtet. Dagegen waren die Cloppenburgs presserechtlich vorgegangen. Wie der Clan überhaupt am liebsten nichts über sich und seine Verhältnisse in der Öffentlichkeit sähe: Das Unternehmen gibt sich wie die Premiumstrumpfhosen in seinen Regalen: blickdicht und feinmaschig.

Umsätze? Eigenkapitalquote? Andere bilanzielle Kennziffern? Bleiben unveröffentlicht. Das Branchenmagazin „Textilwirtschaft“ führt P&C in seinem Umsatzranking 2013 mit einem Deutschland-Geschäft von rund 1,3 Milliarden Euro, mit Auslandsgesellschaften dürfte P&C auf knapp über zwei Milliarden Euro kommen. An dieser Größenordnung dürfte sich auch 2014 kaum etwas geändert haben, denn seit mehr als einem Jahrzehnt meldet das Unternehmen eine Umsatzzahl, die zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Euro mäandert. Heißt: Stillstand seit fast 15 Jahren.

Auf diese Schuhe stehen Bürohengste
Während in den vergangenen Jahren Optiken im Used-Look dominierten, gibt sich die aktuelle Schuhmode ruhiger. Foto: Benvenuto. Quelle: Presse
Brogues mit edlen Lochverzierungen am Schaft eignen sich hervorragend fürs Büro. Foto: Bugatti Quelle: Presse
Wie in der Oberbekleidung dominiert dieses Frühjahr auch bei den Schuhen die Trendfarbe Dunkelblau. Foto: Strellson Quelle: Presse
Ein Trend in diesem Frühjahr geht zu lässigen Loafern. Sie passen barfuß perfekt zu verkürzten, schmalen Hosen. Foto: Hackett London Quelle: Presse
Ein Trend in diesem Frühjahr geht zu lässigen Loafern. Sie passen barfuß perfekt zu verkürzten, schmalen Hosen. Foto: Hackett London Quelle: Presse
Ein Trend in diesem Frühjahr geht zu lässigen Loafern. Sie passen barfuß perfekt zu verkürzten, schmalen Hosen. Foto: Hackett London Quelle: Presse
Die neuen Loafer passen sich bei den Farben aktuellen Trendtönen an. Foto: Scabal. Quelle: Presse
Ein Trend in diesem Frühjahr geht zu lässigen Loafern. Sie passen barfuß perfekt zu verkürzten, schmalen Hosen. Foto: Hackett London Quelle: Presse

Das liegt auch daran, dass P&C gute Mitte sein will, jeder Kunde soll hier etwas Passendes finden – ein Geschäftsmodell, das schon Karstadt und Kaufhof in die Bredouille brachte. Auf Hersteller wie Boss, Esprit oder Hilfiger, die immer mehr eigene Läden öffnen und damit zu neuen Wettbewerbern werden, hat P&C bisher keine Antwort gegeben. Auf Handelsketten wie Zara, H&M, Primark oder Massimo Dutti, die vor allem mit schnell wechselnden Kollektionen oder niedrigen Preisen Kunden in die Läden locken, ebenfalls nicht. Und das, obwohl im stationären Textilhandel nur die Stärksten überleben werden – und der Rest des Geschäfts in den Online-Handel abwandert. Der verzeichnete 2014 ein Umsatzplus von 20 Prozent.

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