Pharmagroßhandel Celesio steckt tief in den roten Zahlen

Alle Altlasten raus. Celesio-Chef Markus Pinger hat bei dem Stuttgarter Pharmagroßhändler aufgeräumt und etwa die Versandapotheke DocMorris verkauft. Unter dem Strich steht  für 2012 ein dickes Minus: 149 Millionen Euro Verlust.

Die umsatzstärksten Medikamente der Welt
Platz 10: MabTheraDer Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: Roche Pharma AGDatenquelle: IMS Health Quelle: Presse
Platz 9: CymbaltaDer Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Lilly Deutschland GmbH Quelle: Presse
Platz 8: RemicadeRemicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH Quelle: Presse
Platz 7: AbilifyOtsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr. Foto: "Abilify bottle" by Eric Gingras, via Wikipedia Quelle: Creative Commons
Platz 6: NexiumDas Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol  liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent. Bild: AstraZeneca Quelle: Presse
Platz 5: Lantus Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält "Insulin glargin" und wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Mit einem Zuwachs von 23,3 Prozent legte es die stärkste Steigerung innerhalb der Top Ten hin. Umsatz 2013: 7,94 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 4: Enbrel7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt. Quelle: AP
Platz 3: CrestorAls Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine machte AstraZenecas Medikament Crestor im Jahr 2013 einen Umsatz von 8,15 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent. Der Wirkstoff heißt Rosuvastatin. Quelle: Presse
Platz 2: SeretideGlaxoSmithKline machte mit der Arznei Salmeterol unter dem Namen Seretide 2013 9,21 Milliarden Dollar Umsatz - ein Zuwachs von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es erweitert die Bronchien und wird zur Behandlung von Asthma eingesetzt. Quelle: REUTERS
Platz 1: HumiraDer Wirkstoff Adalimumab wird von AbbVie als "Humira" vertrieben. Dabei handelt es sich um einen sogenannten TNF-Blocker, der etwa zur Behandlung von rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn eingesetzt wird. Es gilt als eines der teuersten Medikamente in Deutschland. 2013 brachte es weltweit 9,85 Milliarden Dollar ein. Das entspricht einem Plus von 18,5 Prozent. Quelle: AP

Alles, was ihm nicht mehr ins Konzept passte, sortierte Celesio-Chef Markus Pinger im vergangenen Jahr aus: Im Herbst verkaufte  der Pharmagroßhändler seine Versandapotheke DocMorris an den Schweizer Medikamentengroßhändler Zur Rose. Einst, im Jahr 2007, hatte Celesio stolze 220 Millionen Euro für DocMorris bezahlt. Beim Verkauf erhielten die Stuttgarter gerade noch mal ein gutes Zehntel davon zurück, 25 Millionen Euro. Mehr gab der Markt nicht her. Ebenso verlustreich lief es für Celesio bei der Trennung  vom Leih-Außendienst Pharmexx und der Logistiktochter Movianto. Weg mit Schaden, lautete das Motto. Oder, in der etwas vornehmeren Sprache des Celesio-Chefs ausgedrückt: „Für diese Unternehmen wurden seinerzeit Kaufpreise gezahlt, die in hohem Maße auf strategischen Erwartungen beruhten. Diese haben sich jedoch nicht erfüllt.“

Unter dem Strich fiel im Jahr 2012 ein Verlust in Höhe von 149 Millionen Euro an, wie Celesio auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz bekanntgab. 2011 hatte das Jahresergebnis mit 5,8 Millionen Euro noch leicht im Plus gelegen. Zusätzlich zu den niedrigen Verkaufspreisen hätten auch gesundheitspolitische Sparmaßnahmen in vielen Ländern das Zahlenwerk belastet. Der Celesio-Umsatz legte 2012 gegenüber 2011 marginal um 0,5 Prozent auf 22, 3 Milliarden Euro zu.

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Nachdem sich Pinger nun von den Altlasten seines Vorgänger Fritz Oesterle befreit hat, muss sich nun zeigen, was sein eigenes Konzept taugt. Pinger will Celesio wieder stärker auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren. Bisher ist seine Strategie erst in Umrissen erkennbar. Unter der Dachmarke „Lloyds“ will Celesio zur führenden Apothekenmarke in Europa werden. Das Jahr 2013 hat der Konzern schon mal zum „Jahr der Neuausrichtung“ erklärt. Profitables Wachstum soll erst ab 2014 wieder möglich sein.  Weil in den fortzuführenden Geschäften das Ergebnis ordentlich ausfiel, erhielt Pinger einen Vertrauensvorschuss von der Börse: Die Celesio-Aktie legte am Vormittag um mehr als zwei Prozent zu.            

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