Pilotversuch Ikea testet den Verkauf von Solaranlagen

Exklusiv

Der schwedische Möbelhändler erwägt nach einem Pilotversuch in England, auch seinen Kunden in Deutschland billige Solaranlagen zu verkaufen.

Die zehn umsatzstärksten Möbelhäuser
Platz 10: Schaffrath
Platz 9: Otto Quelle: dpa
Platz 8: Dänisches Bettenlager Quelle: dpa
Platz 7: Segmüller Quelle: dpa
Platz 6: Poco-Domäne Quelle: Presse
Platz 5: Roller / Tejo (Tessner-Gruppe) Quelle: dpa
Platz 5: Porta Quelle: dpa

Die schwedische Möbelkette Ikea steigt in den Handel mit Solaranlagen ein. Testweise bietet der Riese in den nächsten Monaten zunächst Stammkunden in England, sogenannten Ikea-Family-Mitgliedern, Dünnschicht-Solarmodule zu besonders günstigen Preisen an. Danach will Konzernchef Mikael Ohlsson entscheiden, ob er das Geschäft auch in anderen Ländern ausrollt – beispielsweise in Deutschland. „Wir warten den Test in Großbritannien ab“, sagt ein Konzern-Sprecher in Deutschland. „Ausgeschlossen ist es nicht.“

Was Sie noch nicht über Ikea wussten
Ikea: ein Erfolgsmodell, kinderfreundlich, emanzipiert, weltoffen und umweltbewusst. Johan Stenebo kratzte an diesem Bild. Da war von Intrigen, Bespitzelung, Rassismus im Konzern die Rede. Und Stenebo, ausgebildeter Betriebswirt, musste wissen, wovon er spricht. 20 Jahre lang hat er es immerhin bei Ikea gearbeitet. Einem Unternehmen, das er immer noch liebt; von dem er aber auch sagt, dass es auf Lügen aufgebaut ist. Foto: dpa
Im November 2009 hat dieses Buch für großes Aufsehen gesorgt, nicht nur in Schweden. Johan Stenebo hat 20 Jahre für Ikea gearbeitet - und jetzt packt er aus. Das Buch ist mittlerweile auch auf Deutsch erschienen. Stenebo arbeitete sich hoch bis ins Top-Management von Ikea und wurde sogar persönlicher Assistent von Ikea-Gründer Ingmar Kamprad. Anfang 2009 verließ Stenebo das Unternehmen und begann, sein Enthüllungsbuch zu schreiben. Stenebo gab zu, dass er sich mit Peter Kamprad, dem als Kronprinzen gehandelten Sohn des Ikea-Gründers, überworfen habe. Außerdem sei das Buch doch gar keine Abrechnung: „Viele, die mein Buch gelesen haben, empfinden es als Liebeserklärung“, sagte Stenebo vor kurzem. Bibliographie Johan Stenebo, Die Wahrheit über Ikea Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2010, 286 Seiten
Und darin wird deutlich, dass das Image von Ingmar Kamprad nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Doch viele der Anekdoten über ihn seien laut Stenebo frei erfunden. Dass er ein extrem bescheidener Mensch sei mit einem 30 Jahre alten Sofa. Dieser Geiz werde zwar ausgeschlachtet und übertrieben dargestellt, im Kern aber durchaus richtig. In Wirklichkeit führe Kamprad Ikea „wie eine Sekte“. Das Unternehmen sei nicht ohne Grund eines der „verschlossensten der Welt“. Foto: Reuters
Bei Ikea würden „Stasi-Methoden“ gelten, schreibt Stenebo, worunter die Mitarbeiter enorm leiden. Sie würden bespitzelt, Frauen diskriminiert. Ausländer seien als „Neger“ beschimpft worden und hätten deutlich weniger Chancen gehabt, Karriere zu machen, als Schweden aus der nahen Umgebung. Foto: ap
Stenebo geht noch weiter: Ikea würde es mit dem Umweltschutz nur vordergründig Ernst meinen. Bei Lieferanten gehe es zu sehr um den Preis, eine intensive Prüfung der Produktionsmethoden gebe es allzu oft nicht. Die „Barnslig“-Teppiche sollen von pakistanischen Kindern geknüpft werden. Der Konzern selbst spricht bei all dem von den „Ansichten einer Privatperson“, auf die man nicht eingehen wolle. Für Stenebo hat es sich jedenfalls gelohnt. Er gibt inzwischen Seminare in Unternehmensführung und hält Vorträge. Foto: dpa
Kamprad wird immer wieder Alkoholsucht nachgesagt: Er soll laut Stenebo „regelmäßig geradezu geplante Perioden ohne Alkoholkonsum“ gehabt haben, sich dazwischen aber „sinnlos betrunken“ haben. Allerdings sei das sehr viel weniger aufgefallen, als man gerüchteweise hört. Der Autor selbst habe Kamprad „nie trinken sehen“. Auch Kamprads Entscheidungen seien nie vom Alkohol beeinflusst gewesen. Auch in einer anderen Hinsicht verteidigt Stenebo seinen Ex-Chef: „Neonazistische Sympathien“ habe Kamprad nicht, er sei „absolut kein Antisemit“. Andere Autoren behaupten dies immer wieder. Foto: dpa
Ein Beispiel für die Sturheit des Unternehmensgründers sei der Entscheidungsprozess gewesen, einen ein Homeshopping-Konzept einzuführen oder nicht. Viele Ikea-Manager hatten große Pläne, hohe Summen wurden für Vorstudien ausgegeben. Grundsätzlich gab es stets ein großes Vertrauen in die Entscheidungen Kamprads, schließlich hatte er meistens Recht behalten. Doch in diesem Fall wäre kein Manager seiner Auffassung gewesen, wie Stenebo schreibt. Und die aktuellen Zuwachsraten des Internethandels hätten schließlich auch bestätigt, dass es eine falsche Entscheidung war. Foto: Reuters

Das aktuelle Angebot umfasst neben den Panelen auch die Beratung vor Ort, die Installation und die Garantie. Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Großbritannien eine hohe Einspeisevergütung für Hauseigentümer, die ihren Solarstrom ins öffentliche Netz leiten. Rund 70.000 Kunden in der englischen Provinz hat der Konzern in den vergangenen Tagen schon angeschrieben und bei ihnen für die Technologie geworben.

Die größten Solarmärkte der Welt

Die von Ikea vertriebenen Solaranlagen kommen vom chinesischen Grünstromkonzern Hanergy, der neben Sonnenstrom-, auch Wind- und Wasserkraftanlagen baut. Hanergy bestückt zurzeit auch die Dächer von elf Ikea-Möbelhäusern in China mit Solaranlagen. Um sein Image aufzupolieren, hat der schwedische Möbelkonzern laut Vorstandsmitglied Steve Howard im letzten Geschäftsjahr 470 Millionen Euro in Wind- und Solarenergie investiert. Insgesamt habe das Unternehmen 60 eigene Gebäude mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet. In den USA zählt Ikea mit rund 22 Megawatt installierter Leistung zu den größten Betreibern von Dach-Solaranlagen.

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Für die Chinesen, die eigenen Angaben zufolge die weltgrößten Hersteller von Dünnschicht-Solaranlagen sind, wäre der weltweite Vertrieb durch ein solch populäres Unternehmen wie Ikea ein Coup. Schließlich betreiben die Schweden insgesamt 283 Läden in mehr als 30 Ländern und sind vielerorts die Ausstatter einer ganzen Generation. Hanergy-Top-Manager Jason Chow erklärte anlässlich der neuen Partnerschaft, beide Konzerne teilten „beim Umweltschutz und bei der Nachhaltigkeit dieselben Prinzipien“.

In Deutschland mache Hanergy zuletzt im Juni Schlagzeilen, als das Unternehmen die insolvente ehemalige Q-Cells-Tochter Solibro aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt kaufte. Zudem wird Hanergy ein Interesse an den insolventen Berliner Solarunternehmen Soltecture und Global Solar nachgesagt.

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