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Pleite-Prozess Anton Schlecker kommt glimpflich davon – seine Kinder nicht

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22.000 Gläubiger fordern noch Geld von Schlecker

Eines kann man der Großen Wirtschaftskammer unter Richter Martis nicht vorwerfen: Dass sie nicht genug ins Detail gegangen sind. Über Stunden wurden Zahlenkolonnen und Kontoauszüge seziert, Gutachter gehört und mit früheren Wegbegleitern der Mensch Anton Schlecker in dem von ihm geschaffenen Imperium beleuchtet. In den Anhörungen zeichneten die Zeugen ein Bild eines Patriarchen, der kein Widerwort duldete und sich systematisch von Kritik abschottete. Selbst Direktoren sollen sich bis zur Insolvenz davor gescheut haben, dem Chef schlechte Nachrichten überbringen zu müssen.

Nur: Weder Starrsinn noch schlechte Unternehmensführung und auch Insolvenzverursachung sind ein Straftatbestand.

Die Schlecker-Insolvenz in Zahlen

In den Plädoyers in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf der Insolvenzverschleppung erneuert. Aus ihrer Sicht hatte der jahrelange Umsatzrückgang schon 2009 zu „massiven Liquiditätslücken“ geführt. Von 2009 an sei es nur noch darum gegangen, „Löcher zu stopfen und sich von einer Liquiditätslücke zur nächsten zu hangeln“.

Fast sechs Jahre ist die Insolvenz der damals größten Drogeriekette Europas inzwischen her, seit März 2017 lief in Stuttgart das Verfahren. Sofern das Urteil Bestand hat, wäre die strafrechtliche Aufarbeitung damit wohl abgeschlossen. Der Schlussstrich unter dem Fall Schlecker ist es aber nicht.

Aufstieg und Fall eines Drogeriemarkt-Imperiums
1975Der 1944 geborene Anton Schlecker, Sohn eines Fleischwarenfabrikanten, eröffnet in Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Quelle: AP
1977-1984Die Kette expandiert schnell: Schon zwei Jahre später zählt Schlecker mehr als 100 Filialen. 1984 gab es bereits Tausend Drogerien. Quelle: dpa
1987Schleckers Kinder Meike und Lars (hier im Jahr 2011) werden am 22. Dezember entführt. Ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen D-Mark herunter. Kurz vor Heiligabend können sich die Kinder befreien. Quelle: dpa
1987-1995Im Jahr 1987 eröffnet Schlecker die ersten Filialen im Ausland. Der weitere Aufstieg scheint unaufhaltsam: 1995 kommt Schlecker bereits auf 5800 Filialen und beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter. Quelle: dapd
1994-1998Doch in den 1990er-Jahren beginnen auch die ersten Probleme. 1994 wird Schlecker vorgeworfen, Scheinarbeitsverhältnisse zu betreiben und unter Tarif zu bezahlen. Auch die Gründung von Betriebsräten soll systematisch blockiert worden sein. 1998 werden Anton Schlecker und seine Ehefrau Christa zu jeweils zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Grund: Das Amtsgericht Stuttgart sieht es als erwiesen an, dass das Ehepaar seinen Mitarbeitern tarifliche Bezahlung vortäuschte. Quelle: dpa
Schlecker-Tochter IhrPlatz stellt Insolvenzantrag2007 kaufte die Drogeriekette den insolventen Konkurrenten Ihr Platz. 700 Standorte kamen auf einmal dazu, Schlecker zählte nun 14.400 Ableger in 17 Ländern. Ein Höhepunkt. Quelle: dapd
Schlecker reicht Insolvenzantrag einDoch der Abstieg war schon zu ahnen: 2011 holte Anton Schlecker seine beiden Kinder Lars (links) und Meike (rechts) in die Unternehmensführung. Zuvor war die Drogeriekette wieder einmal wegen dem Umgang mit den Mitarbeitern in die Kritik geraten. Laut Medienberichten überwachte Schlecker seine Mitarbeiter, auch der Vorwurf der schlechten Bezahlung wurde erneut erhoben. Viele Medien sahen die neue Familiengeneration an der Spitze als Ablenkungsmanöver. Bild: Montage der Familie Schlecker. Quelle: dapd

Betrachtet man den Fall nicht nur strafrechtlich, sind die Dimensionen anders. Gut 22.000 Gläubiger haben Forderungen angemeldet, das Volumen liegt bei mehr als einer Milliarde Euro. Einige Hundert Millionen versucht Verwalter Geiwitz mit Kartellklagen gegen damalige Lieferanten einzutreiben. Wie viel er bekommt und wer dann davon und in welchem Maße profitiert – noch nicht absehbar. Und bereits im Dezember beginnt nach Informationen der WirtschaftsWoche ein Zivilverfahren gegen die Ehefrau und Kinder von Anton Schlecker.

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