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Prachtbauten als Konzernzentrale Das steckt hinter dem Bau-Boom von Aldi, Lidl & Co.

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Aldi-Gebäude: Skulpturengärten, Joggingstrecken, Sportplätze

Ähnlich spektakulär sind die Pläne von Lidls Erzrivalen. So baut Aldi Nord derzeit eine neue Konzernzentrale am Stammsitz in Essen. In Modellen des Gebäudes prangt an der Fassade bereits das Aldi-Nord-Logo  - ein geschwungenes, blaues A. Die Dächer sind begrünt, die einzelnen Gebäudeteile terrassenförmig angelegt.

In der lichten Eingangshalle des neuen Gebäudekomplexes will Aldi Nord laut eines Berichts der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" auch an den 2010 gestorbenen Firmengründer Theo Albrecht erinnern. Dessen im Original erhaltenes Büro soll als Museumsstück gezeigt werden. Auf der Simulation ist auch ein Aldi-Laden im Inneren der Zentrale zu erkennen. Der Architektenentwurf sieht sogar Skulpturengärten, Joggingstrecken und Sportplätze vor.

Die umsatzstärksten Onlinehändler

Die neue Zentrale soll von Ende 2020 an Platz für rund 800 Mitarbeiter bieten. Das Areal, auf dem auch die bisherige Zentrale steht, bietet aber Erweiterungsmöglichkeiten für mehr als 2000 Mitarbeiter. Anfang 2018 soll es mit den Bauarbeiten losgehen.

Alnatura: Eine "symbiotische Verbindung mit der Natur"

Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Umzug der Biokette Alnatura aus dem südhessischen Bickenbach nach Darmstadt bereits abgeschlossen sein. Dort entsteht auf einem ehemaligen Kasernengelände zurzeit die neue Unternehmenszentrale für rund 500 Mitarbeiter. Bei Alnatura werden die Ideen von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, hochgehalten. Der Mensch soll danach eine "symbiotische Verbindung mit der Natur" eingehen. Das werde auch bei der Architektur des Bürogebäudes berücksichtigt, hieß es bei der Grundsteinlegung im September.

So wird das Gebäude Europas größtes Bürogebäude aus Lehm werden. Dafür werden auf der Baustelle 3,50 Meter lange Bausteine aus gepresstem Lehm hergestellt, aus denen die Fassade entsteht. Das Alnatura-Gebäude wird über keinerlei technische Klimatisierung verfügen, sondern soll über einen Erdkanal mit Frischluft aus einem angrenzenden Wald versorgt werden. Auf dem Campus darf auch ein Waldorfkindergarten für rund 80 Kinder nicht fehlen. Es soll öffentliche Schul- und Erlebnisgärten sowie ein vegetarisches Bio-Restaurant geben. Der Bezug der neuen Alnatura-Zentrale ist für Anfang 2018 geplant.

Neue dm-Zentrale

Auch die dm-Zentrale in Karlsruhe ist in die Jahre gekommen. 1973 hatte dm-Gründer Götz Werner in der Stadt seinen ersten Markt eröffnet, seither hat das Unternehmen Wachstumsraten wie am Fließband vorgelegt und ist zu einem der großen Player in Europa avanciert. Im zurückliegenden Geschäftsjahr näherte sich das Unternehmen der 10-Milliarden-Euro-Umsatzmarke. Werner habe seine „Märkte zu Stätten der Selbsterfahrung macht, in der Mitarbeiter den Geist der Firma zwischen Shampoo-Regal, Duftkerzenstand und Kasse leben sollen“, beschrieb das „Handelsblatt“ einst Werners Philosophie.

Auch architektonisch setzt das Unternehmen auf Freiräume für die Mitarbeiter. In der neuen Unternehmenszentrale an der Durlacher Allee sollen alle Mitarbeiter, die bislang auf sieben Standorte in der Stadt verteilt sind, wieder unter einem Dach zusammen arbeiten. Photovoltaikanlagen sollen für eine nachhaltige und effiziente Energieversorgung sorgen. Die neue Zentrale soll bis Frühjahr 2019 fertiggestellt werden. Investiert werden insgesamt 120 Millionen Euro.

Ob die neuen Handelsresidenzen von dm, Alnatura, Aldi, Lidl und Zalando auch in der Realität überzeugen werden, ist derweil offen. Noch steht der Praxistest aus, sind die Architektenpläne teils nur kühne Skizzen. Und doch lässt sich bereits erahnen, dass der Mix aus eng bestuhlten Großraumbüros und lichten Foyers nicht überall Begeisterung auslösen wird, zumal die Umzüge ohnehin die Mitarbeiter fordern werden. Doch den Bauherren bleibt im Grunde keine andere Wahl: Ihre bisherigen Standorte platzen aus allen Nähten. Wollen sie weiter wachsen, müssen sie den Raum dafür schaffen.

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