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Produktfälschungen bei Amazon „Wer gefälschte Produkte kauft, unterstützt die Organisierte Kriminalität“

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Warum Online-Händler zurückhaltend durchgreifen

Welchen Weg sollten Unternehmen gehen, um ihre Marken im Online-Handel zu schützen und Produktfälschungen adäquat zu bekämpfen? Geht Birkenstock den richtigen Weg?

Es gibt hierzu verschiedene Initiativen in der Wirtschaft. Zum Beispiel haben sich einige Branchen in Datenbanken zusammengeschlossen, um den Informationsaustausch zu fördern. Außerdem gehen Branchenvertreter beispielsweise auch auf Messen, um dort nach gefälschten Produkten zu suchen, die dann beschlagnahmt werden. Die Anbieter erhalten dann Messeverbote. Das Problem ist aber, dass man eigentlich an die Hersteller der Produktfälschungen kommen muss, um zu verhindern, dass deren Produkte überhaupt auf den europäischen Markt drängen.

Woran scheitert das?
Wir haben das Problem, dass in Deutschland gerade einmal fünf Prozent aller Lieferungen kontrolliert werden. Das heißt 95 Prozent aller Lieferungen bleiben unkontrolliert – egal, um was es sich handelt.

Dafür bietet der Online-Handel das ideale Pflaster?

Genau. Wir haben durch die geringe Kontrolldichte ideale Bedingungen für den illegalen Online-Handel mit gefälschten Produkten. Die technischen Möglichkeiten sind da, die Täuschungsmöglichkeiten riesengroß, die Profitspannen in allen Branchen enorm und das bietet den idealen Boden für Missbrauch.

Was lässt sich dagegen tun?

Die Attraktivität dieses Online-Geschäfts muss herabgesetzt werden. Das bedeutet: Die Wirtschaft muss verstärkt Kontrollmechanismen einsetzen und der strafrechtliche Verfolgungsdruck muss erhöht werden. Wir können es uns nicht leisten, immer nur ins Darknet zu schauen. Schon im offenen Netz gibt es Millionen illegale Angebote, die wir nicht auf dem Schirm haben – aber haben sollten. Außerdem muss beim Verbraucher angesetzt werden. Für jedes Falschparken muss ein Strafzettel bezahlt werden, aber wer ein gefälschtes T-Shirt im Ausland kauft, dem wird dies höchstens an der Grenze weggenommen. Es ist noch nicht einmal ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit fällig. Und dem Verbraucher muss bewusst gemacht werden: Wenn er gefälschte Produkte kauft, geht sein gutes Geld in die Kassen der Organisierten Kriminalität.

Wenn ich als Kunde ein gefälschtes Markenprodukt aus dem Online-Handel bekomme – welche Rechte habe ich dann?

Wenn Sie getäuscht werden – also sie kaufen ein Produkt, von dem Sie glauben es ist ein Original – dann können Sie es zurückgeben und bekommen Ihr Geld zurück. Ganz klar. Es handelt sich dabei sogar um Betrug. Im Grunde haben Sie also auch Anspruch auf Schadenersatz und der Verkäufer könnte strafrechtlich dafür zur Verantwortung gezogen werden. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es dann aber häufig so, dass das Geld abgebucht wurde und wenn sie bei Ihrer Bezahlvariante keine Betrugssicherung haben, ist das Geld häufig weg.

Wie können Verbraucher sich schützen?

Wenn der Original-Preis, sprich die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) extrem weit von dem Angebotspreis entfernt ist – Finger weg. Es gibt keine Rolex, die Sie als Neuware für die Hälfte bekommen. Zudem lohnt ein Blick auf die Verkäuferbewertungen. Zum einen auf der Online-Plattform selber, zum anderen in Online-Foren. Häufig tauschen sich betrogene Kunden auf diesem Weg aus und warnen vor solchen Anbietern. Und im Zweifelsfall gilt immer einfach Finger weg. Keiner hat in unserer Gesellschaft, die auf Handel ausgelegt ist, etwas zu verschenken. Und das Verschenken fängt dort an, wo Angebote zu finden sind, die nie und nimmer zum Produkt passen. Das ehrliche Superschnäppchen gibt es meistens einfach nicht.

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