WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Produktion in China Vorwerk stellt Thermomix-Fertigung in Wuppertal ein

Vorwerk hat das Ende für Thermomix in Wuppertal beschlossen. 200 Stellen sollen wegfallen. Quelle: dpa

Thermomix made in China – so sieht ein neuer Plan von Vorwerk aus. Das Unternehmen stoppt die Fertigung der Küchenmaschine an seinem Stammsitz in Wuppertal. Stattdessen soll in China eine neue Fertigung entstehen.

„Das iPhone unter den Küchengeräten“ ist nur eine Bezeichnung, mit der Vorwerks Thermomix in den vergangenen Jahren bejubelt wurde. Das Küchengerät des Kobold-Unternehmens war alles andere als eine neue Erfindung als es 2015 zum Mega-Erfolg wurde. Über vierzig Jahre früher hatte Vorwerk das erste Modell auf den Markt gebracht. Es dauerte aber bis zum digitalisierten Thermomix „TM5“ bis die Verbraucher ihre Liebe zum Küchenhelfer entdeckten und einen wahren Hype auslösten – und Vorwerk einen Milliardenumsatz bescherte: Belief sich der Umsatz des Vorgängermodells 2013 auf lediglich 204 Millionen Euro, brachte 2015, das Jahr nach der Einführung des „TM5“, Vorwerk einen Thermomix-Umsatz von 1,375 Milliarden Euro.

Doch diese Zeiten scheinen vorbei. Wegen einer deutlich gesunkenen Nachfrage in Europa soll die Küchenmaschine Thermomix nicht länger am Sitz des Unternehmens Vorwerk in Wuppertal gefertigt werden. „Die Thermomix-Produktion am Standort Wuppertal läuft voraussichtlich im Dezember 2019 aus“, sagte ein Unternehmenssprecher der „Rheinischen Post“.

Demnach will Vorwerk 200 Vollzeitstellen am Stammsitz abbauen, betriebsbedingt soll maximal 85 Menschen gekündigt werden. Einzelne Thermomix-Komponenten sollen in Wuppertal weiter produziert werden – etwa Motoren und Messer.

Erst im März hatte Vorwerk überraschend eine neue Version der berühmten Küchenmaschine vorgestellt und den Verkauf ab April angekündigt. Die Folge: Sehr viele verärgerte Kunden, die kurz zuvor noch das alte Gerät gekauft hatten. Ein Image-Desaster für den Wuppertaler Mittelständler. Das neue Modell startete damit unter schlechten Vorzeichen. Ohnehin ist das Interesse am Thermomix in den vergangenen Jahren unter den Bundesbürgern stark rückläufig, nachdem der Thermomix mit dem Kürzel „TM5“ die Wuppertaler nach der Markteinführung 2014 mit einem unvergleichlichen Hype verwöhnt hatte.

„Die Einführung des TM5 war eine Sonderkonjunktur“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter Reiner Strecker noch 2018 bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen für 2017, in denen sich nach einer Erfolgswelle erstmals ein Rückgang bei den Thermomix-Verkäufen niederschlug. Weltweit war der Thermomix-Umsatz um 12,9 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro zurückgegangen, im wichtigsten Markt Deutschland lag das Umsatzminus sogar bei 22,1 Prozent.

Der deutsche Markt ist für Vorwerk mit dem Thermomix bereits gut erschlossen, wohl beinahe schon gesättigt. Auch Gesamtbetriebsratschef Ralf Hüttemann zufolge gibt es Überkapazitäten in Europa.

In Wuppertal setzt man deshalb seine Hoffnungen schon länger vor allem auf den asiatischen Markt. Dort sieht Vorwerk Wachstumschancen – zum einen verspricht sich das Unternehmen weiter viel von seiner Teemaschine Temial, aber eben auch für den Thermomix sieht man bei Vorwerk in Asien noch Potenzial. Deshalb soll in China eine neue Thermomix-Fertigung entstehen.

Thermomix-Schwester Temial im Test

In Deutschland sollen die Thermomix-Geräte „made in China“ allerdings nicht verkauft werden. Der Vorwerk-Sprecher versicherte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Größter Produktionsstandort bleibt weiterhin unser Thermomix-Stammwerk in Frankreich, wo die Geräte für die großen europäischen Märkte gefertigt werden.“

Der Thermomix wird derzeit in 14 Ländern verkauft. Zuletzt kamen China und die USA als neue Märkte hinzu.

Mit Material von dpa

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%