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Prunk in der Provinz In der Karstadt-Krise entsteht ein Luxus-Warenhaus

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"Das ist kein Nostalgie-Projekt"

Winfried Stöcker ist der eigentliche Initiator des Kaufhaus-Projekts. Rund 20 Millionen Euro will der Lübecker Unternehmer dafür in die Hand nehmen.

Stöcker kennt das Kaufhaus noch aus Kindertagen. Sein Vater betrieb in der Nähe von Görlitz eine Spinnerei. 1960 ging die Familie in den Westen. Der Junior studierte Medizin und gründete 1987 Euroimmun, ein Unternehmen für Labordiagnostik. Euroimmun peilt 2014 rund 200 Millionen Euro Umsatz an, ist hochprofitabel und gilt als einer der innovativsten Mittelständler. Den Verfall des Kaufhauses in seiner alten Heimat hatte Stöcker schon länger beobachtet. Als er dann in einem Zeitungsartikel über die Dreharbeiten zu „Grand Hotel Budapest“ las, machte Stöcker einen Termin mit dem Görlitzer Bürgermeister aus.

Wenig später unterschrieb er den Kaufvertrag für das Gebäude. „Sicherlich hat meine Herkunft aus der Oberlausitz bei der Entscheidung eine Rolle gespielt“, sagt Stöcker, „aber das ist kein Nostalgie-Projekt.“ Selbst zu Hertie-Zeiten hätte die Görlitzer Filiale schwarze Zahlen geschrieben.

Die 30 kreativsten Mittelständler
Rund 3000 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen zehn Millionen und etwa einer Milliarde hat die Unternehmensberatungsberatung Munich Strategy Group für das WirtschaftsWoche-Ranking analysiert. Für 400 von ihnen haben die Berater nach der Auswertung von Experten-Interviews und Analysen einen Vergleichswert, den Innovations-Score ermittelt. In diesen fließt die Zahl der neuen Produkte und deren Marktchancen ein. Gleichzeitig hat MSG ermittelt, in welchem Maße die Innovationskultur im Unternehmen verankert ist. Die Top 30 der innovativen Mittelständler zeigt die folgende Übersicht. Quelle: Fotolia
Platz 30: VacomUmsatz: 16 Mio. EuroInnovations-Score: 135Das 1992 gegründete Unternehmen Vacom  gilt als einer der führenden Anbieter von Vakuumtechnik. Der Mittelständler aus Jena produziert unter anderem für Unternehmen aus Bereichen wie der Analytik, Elektronik, Optik, Solar- und Beschleunigertechnik. Quelle: Screenshot
Platz 29: Elementar AnalysesystemeUmsatz: 42 Mio. EuroInnovations-Score: 136Ob Kohlen-, Stick- oder Wasserstoff: Die Analyse nicht-metallischer Elemente ist das Kerngebiet des Geräteherstellers aus Hanau (Hessen). Quelle: Screenshot
Platz 28: GK SoftwareUmsatz: 27 Mio. EuroInnovations-Score: 138Das Technologie-Unternehmen GK Software aus Sachsen entwickelt und vertreibt spezielle Computer-Programme für den Einzelhandel - darunter Software für Kassen und Backoffice-Programme. Die börsennotierte Firma wurde 1990 gegründet. Quelle: PR
Platz 27: Walter Rau Neusser Öl und Fett AG Umsatz: 333 Mio. EuroInnovations-Score: 140Fett und Öl - damit verdient das Neusser Unternehmen Walter Rau Geld. Rund 200 Mitarbeiter veredeln pflanzliche Rohstoffe zu Spezial-Fetten für Lebensmittel. Quelle: Presse
Platz 26: WiloUmsatz: 1187 Mio. EuroInnovations-Score: 141Die Dortmunder Unternehmens-Gruppe zählt zu den führenden Herstellern für Pumpen und Pumpsysteme. Mehr als 7000 Wilo-Mitarbeiter arbeiten weltweit daran, Produkte für Wärme- und Klimatechnik sowie die Wasserversorgung zu entwickeln und zu produzieren. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 25: Becker Marine SystemsUmsatz: 74 Mio. EuroInnovations-Score: 144Egal ob Luxus-Jacht oder Super-Tanke: Die Hamburger von Becker Marine Systems sind auf Ruder und Steuerungseinheiten für Schiffe spezialisiert. Das 1946 gegründete Unternehmen hat mittlerweile mehr als 110 Mitarbeiter und Büros in China, Singapur, Korea und Norwegen. Quelle: Presse

In der Boss-Liga

Stöckers Mann in Görlitz schreitet die imposante Freitreppe hinab in die zweite Etage, dann weiter ins erste Obergeschoss. Wie eine Galerie rahmt die zukünftige Verkaufsfläche den Lichthof ein. Wo genau sich später die Herren- und Damenabteilung befinden soll, sei noch offen. Doch die Ausrichtung ist klar: „Wir wollen nicht unbedingt in der Gucci-, aber durchaus in der Boss-Liga spielen“, sagt Friedel.

Ein Hauch von Luxus in Görlitz? Die Bevölkerung der Stadt ist seit 1994 um fast ein Fünftel geschrumpft. Gemessen an der Kaufkraft seiner Einwohner, ist Görlitz das Armenhaus der Republik.

„Natürlich kennen wir die Statistiken“, sagt Friedel. Aber: Die Zahl der Touristen steige seit Jahren. Entsprechend zielen Stöcker und Friedel nicht nur auf die 55 000 Görlitzer, sondern wollen auch Kunden aus Dresden, dem polnischen Breslau und dem tschechischen Liberec in ihr Haus locken. Zugleich verhandeln sie mit polnischen Markenherstellern, die mit dem Sprung auf den deutschen Markt liebäugeln und die Grenzstadt als Experimentierfeld nutzen wollen.

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Draußen vor der verriegelten Eingangstür stehen ein paar Touristen und blicken in den Innenraum des Baus. Das Erdgeschoss wirkt luftig wie ein Ballsaal. Parfüms und Accessoires, Bücher und Geschenkartikel will Friedel hier unter Kronleuchtern verkaufen.

Ursprünglich hatte Kaufhaus-Betreiber Stöcker den Namen KaDeO für sein Haus favorisiert – wahlweise lesbar als Kaufhaus des Ostens oder der Oberlausitz. Doch die Anspielung auf das Karstadt-Flaggschiff KaDeWe in Berlin war rechtlich zu heikel. Inzwischen prangt der schlichte Namenszug Kaufhaus Görlitz am Schaufenster, daneben der Hinweis: „Hier wird renoviert, was Sie morgen fasziniert.“

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