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Qatar Airways Katar will Moskauer Flughafen flottmachen

Russische Flughäfen sind oft ein Alptraum für Reisende. Der Einstieg von Qatar Airways beim Moskauer Regierungs-Airport soll das ändern.

Qatar Airways soll Moskauer Flughafen Wnukowo flottmachen Quelle: Reuters

MoskauDie Fluggesellschaft Qatar Airways ist im Landeanflug auf Moskau: Beim Airport Wnukowo, dem drittgrößten Airport der russischen Hauptstadt, will Qatar ein Aktienpaket von 25 Prozent erwerben. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde bereits unterzeichnet. Qatar-Chef Akbar Al Baker erklärte, er hoffe die Details innerhalb von zwei Monaten zu klären. Über den Kaufpreis gibt es keine Angaben.

Vier Flughäfen hat die russische Hauptstadt mittlerweile, nachdem 2016 der Airport Schukowski im Osten Moskaus seine Tätigkeit aufgenommen hat. Nicht nur geographisch ist Wnukowo der Flughafen, der dem Kreml am nächsten ist. Er wird auch als Regierungsflughafen für die Abfertigung hochrangiger Staatsgäste genutzt.

Im Vergleich zu den beiden großen Konkurrenten Scheremetjewo (rund 40 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr) und Domodedowo (30 Millionen Passagiere) ist die Entwicklung Wnukowos in den letzten zehn Jahren dennoch enttäuschend verlaufen.

Gerade die Pleite der damals zweitgrößten russischen Fluglinie Transaero während der Wirtschaftskrise 2015 hat Wnukowo stark gebeutelt. In der Zeit stellte auch die deutsche Billigfluglinie Germanwings wegen der Rubelkrise ihre Russlandflüge ein. Immerhin wurde nach einer jahrelangen Durststrecke im vergangenen Jahr mit 18 Millionen Passagieren ein neuer Rekord aufgestellt.

Der Einstieg von Qatar Airways könnte dem Flughafen weiteren Auftrieb geben, meint Jelena Sachnowa. „Qatar kann Wnukowo beim Service sehr viel weiterbringen“, sagt die Verkehrsexpertin der Bank VTB. Russische Flughäfen gelten als technisch sehr rückständig. Der Zeitaufwand etwa für die Sicherheitsabfertigung ist oft enorm.

„Wenn diese Dienstleistungen beschleunigt werden und die Passagiere dann mehr Zeit in Duty-free-Shops, Cafés und Geschäften verbringen, kann der Flughafen sein operatives Geschäft deutlich verbessern“, erklärt Sachnowa. Dass Qatar Airways nach dem Einstieg auch seine Flüge von Domodedowo nach Wnukowo verlegen wird, nannte sie einen „angenehmen Nebeneffekt.“

Aktuelle Zahlen und auch den Schuldenstand veröffentlicht das Unternehmen nicht. Daher sei eine seriöse Einschätzung des Marktwerts unmöglich, erklärte Sachnowa. Derzeit ist sogar noch unklar, welcher der Aktionäre Anteile abtreten will.

Nur so viel steht fest: Der Kreml, der eine Sperrminorität an dem Flughafen besitzt, wird sich von seinem Paket nicht trennen. Größter Aktionär ist mit 61,5 Prozent Wladimir Skotsch, Vater des Duma-Abgeordneten und Milliardärs Andrej Skotsch. Weitere 13,5 Prozent gehören dem Management um Generaldirektor Witali Schanzew.

Die russische Kartellbehörde FAS hat sich wegen des Geschäfts schon zu Wort gemeldet. Da Qatar Airways ein Staatsunternehmen sei und Wnukowo zugleich strategisch wichtig, müsse der Kauf zunächst von der Behörde genehmigt werden, betonte Abteilungsleiterin Olesja Mitschalkowa. FAS-Vizechef Andrej Zyganow stellte allerdings klar, dass die Behörde den Deal nicht stoppen werde. Die FAS „begrüßt die Realisierung eines so großen Projekts und ist davon überzeugt, dass das Geschäft der Wirtschaft des Landes zugute kommt“, sagte er.

Zyganow verwies darauf, dass der geplante Einstieg von Qatar Airways nicht das erste Investment des Scheichtums in Russland ist. Bereits vor zwei Jahren ist der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) bei dem Petersburger Flughafen Pulkowo eingestiegen. Damals hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport sein Engagement dort gekürzt.

QIA übernahm nicht nur einen Anteil von Fraport, sondern auch das von Fraport-Partnerin Copelouzos und besitzt derzeit 24,9 Prozent an Pulkowo. Zuletzt trat QIA als Käufer eines Aktienpakets der mehrheitlich staatlichen Ölgesellschaft Rosneft in Erscheinung.

Qatar Airways wird zwar durch das Embargo seiner Nachbarstaaten stark belastet. Trotzdem kündigte das Unternehmen kürzlich an, seine Expansion weiter voranzutreiben.

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