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Quartalszahlen Teures Experiment schmälert Amazons Gewinne immens

Die Strategie ist klar: Kundenwachstum steht bei Amazon ganz oben auf dem Plan. Die Erträge müssen dahinter zurückstehen. Aber wie lange? Mit einem heftigen Rückgang der Gewinne schockt der Onlinehändler seine Anleger.

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Zu teures Experiment? Amazon-CEO Jeff Bezos mit dem Kindle Fire. Quelle: Reuters

San Francisco Schöne Bescherung: Mehr Umsatz, aber weniger Gewinn im Weihnachtsquartal und ein enttäuschender Ausblick auf 2012. Mir kräftigen Kursverlusten quittierte die Aktie des Onlinehändler Amazon nachbörslich die Vorlage der Zahlen zum vierten Quartal. Wie lange kann der Webhändler das teuere Experiment mit seinem Tablet-PC durchhalten?

Der Nettoumsatz erreichte im vierten Quartal 2011, das diesmal neun Wochen umfasste, mit 17,43 Milliarden Dollar zwar ein Plus von 35 Prozent zum Vorjahr. Aber das lag unter Analystenerwartungen, und das Nettoergebnis sackte gleichzeitig um 58 Prozent auf ganze 177 Millionen Dollar durch. Für das laufende erste Quartal 2012 wird jetzt sogar die Chance auf einen Nettoverlust eingeräumt: Amazon-CEO Jeff Bezos erwartet ein Ergebnis zwischen Minus 200 Millionen und Plus 100 Millionen Dollar.

Bezos setzt starkes Kundenwachstum weiterhin vor steigende Erträge. Während der Quartalsumsatz um 35 Prozent und die Zahl der abgesetzten Produkte um 30,5 Prozent anzogen, legten die Kosten für Fullfillment - die Kosten, bis ein Produkt tatsächlich beim Kunden angekommen ist - um 52 Prozent zu. Der Aufwand für Marketing schoss um 57 Prozent in die Höhe.

Das neue Tablet Kindle Fire ist an dem Kostendruck nicht ganz unschuldig: Insgesamt lag der Verkauf der Kindle-Serie um 177 Prozent über Vorjahr. Hier sind jedoch alle E-Book-Reader und das Tablet umfasst, genaue Absatzzahlen des Tablets gibt es auch auf Nachfrage nicht. „Wir danken den Millionen Käufern, die Kindle Fire und e-Bookreader zu Weihnachten gekauft haben“, erklärt CEO und Gründer Bezos nur ausweichend.

Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen aus Seattle bis zu 50 Dollar pro verkauftem Kindle Fire draufzahlt. Das Gerät wird zum Kampfpreis von 199 Dollar angeboten und ist damit nicht einmal halb so teuer wie das billigste iPad von Apple. Fire-Käufer bekommen zudem ein Jahresabonnement für Amazons Prime-Programm. Es garantiert kostenlose Lieferung aller Bestellungen. Das soll zu mehr Käufen anregen und die Kundenbindung erhöhen. Die zusätzlichen Kosten laufen allerdings ungebremst im Fullfillment-Bereich auf.

Diese Subventionierungen soll im Laufe der Zeit über steigende Medien- und Produktverkäufe wieder hereingeholt werden. Nicht zuletzt diese Überlegung hat bei den Analysten zu hohen Wachstumserwartungen geführt, die zumindest bislang aber nicht erfüllt wurden. Colin Gillis, Analyst bei BGC Partners in New York, sagte gegenüber Bloomberg: „Die Enttäuschung beim Umsatz hat das Momentum zerstört. Die Wachstumsstory bricht gerade zusammen.“

Der Umsatz mit Medien wie Musik, Büchern, Software oder Downloads beispielsweise stieg im Jahresvergleich nur um 14 Prozent auf rund sechs Milliarden Dollar. Während Medien und Software deutlich besser verkauft wurden, so verteidigt CFO Tom Szkutak die Zahlen, habe eine Abschwächung bei Videospielen und Spielekonsolen im US-Markt das Ergebnis belastet. Trotzdem zum Vergleich: Apple meldet für das Weihnachtsquartal bei seinem iTunes Onlinestore für Medien und Software einen Anstieg um 42 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar.

Ein Grund für das insgesamt geringer ausgefallene Umsatzwachstum liegt laut CFO Szkutak am steigenden Anteil von Drittanbietern am Absatz. Wenn ein unabhängiger Händler über die Plattform des weltgrößten Onlinehändler einen Flachfernseher oder einen Toaster verkauft, bekommt dieser zwar einen Umsatzanteil, aber das ist weniger, als wenn Ware auf eigene Rechnung verkauft wird. Die Stückzahl der Drittanbieter ist im Jahresvergleich um 65 Prozent gestiegen und macht laut Amazon mittlerweile 36 Prozent der Gesamtstückzahl aus.

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