Reif für den Massenmarkt Amazon startet Shop für 3D-Druck

Online-Riese Amazon verkauft nun auch Produkte aus dem 3D-Drucker. Die Armbänder, Ohrringe und Figürchen sind mitunter teuer, bringen die Technologie aber der breiten Masse nahe.

Figürchen im Eigenbau: Im 3D-Druck-Shop von Amazon können Produkte an die eigenen Vorlieben angepasst werden. Quelle: Screenshot

Bart, klick. Brille, klick. Sieht gut aus. Also bestellen, klick. Mit nur wenigen Mausklicks können sich Amazon.com-Kunden nun ihr Ebenbild aus dem 3D-Drucker basteln. Der Online-Händler hat auf seiner Seine einen neuen Shop für diese Objekte eingerichtet.  Das Angebot umfasst unter anderem Schmuck, Deko-Artikel und Spielzeug.

Innerhalb von  Grenzen können Kunden die Objekte anpassen. Meistens lässt sich die Farbe, mitunter auch die Form und die Größe ändern. Spezielle Spielfiguren können weiter verfeinert und mit Details versehen werden. Nach der Bestellung wird die Ware dann gemäß Vorgaben neu hergestellt.

So funktioniert 3D-Druck
Das Unternehmen Botspot hat unter der Leitung von Geschäftsführer Thomas Strenger ein ganz besonderes 3D-Konzept entwickelt. In seinem Berliner Laden können Menschen Miniatur-Figuren von sich nachdrucken lassen. Quelle: dpa
Dafür müssen sich die Kunden erst von allen Seiten in der gewünschten Pose mit speziellen Kameras abscannen lassen. Die 3D-Daten werden dann an einen Computer weitergegeben. Quelle: dpa
Am PC werden die Daten dann auf die Größe der gewünschten Figur umgerechnet. Wie auch ein Dokument an einen Drucker gesendet wird, lässt sich die digitale 3D-Karte des Körpers per Mausklick an den Printer schicken. Quelle: dpa
So sehen Modelle der 3D-Drucker aus, die die Figuren aus Gips produzieren. Jeder 3D-Drucker besteht aus einer Schiene, auf der sich der Druckkopf im Rhythmus des digitalen Fahrplans hin und her bewegt. Über den Kopf wird je nach Drucker das entsprechende Material aufgetragen. Quelle: dpa
Eine rote Schutzhülle sorgt bei Botspot dafür, dass keine äußeren Einflüsse auf den empfindlichen Gips einwirken, der vorsichtig Schicht für Schicht nach der Druckvorlage übereinander gelegt werden. Quelle: PR
Am Ende entsteht eine Gipsfigur, die nur noch etwas Farbe benötigt. Doch wie sieht der Druckvorgang unter der Schutzhülle genau aus? Quelle: PR
Gut ist das auf diesem Foto zu erkennen, das einen 3D-Drucker zeigt, der auf der Messe CeBIT in Hannover Plastik-Elemente gedruckt hat. Aus der kleinen rötlichen Spitze fließt das Material, das in hauchdünnen Schichten Stück für Stück aufgetragen wird. Dabei bewegt sich der Druckkopf langsam hin und her und gibt nach der Druckvorgabe vom PC das Material frei. Quelle: dpa
Inzwischen können die laserbasierten Verfahren wie das Laserschmelzen nicht nur Kunststoffe, sondern auch Keramiken und zahlreiche Metalle wie Edelstahl, Aluminium und Titan verarbeiten. Damit ist die Technik in einem für industrielle Anwendungen interessanten Bereich angekommen. Quelle: Siemens
So werden etwa bei Siemens spezielle Ersatzteile für Maschinen am Computer entwickelt. Dafür ist nicht Plastik oder Gips sondern Stahl nötig. Doch die Anfänge der Einzelteile entstehen auch hier am Computer. Ein CAD-Programm (Computer-Aided-Design) ermittelt die Daten, die am Ende an den Printer geschickt werden. Quelle: Siemens
Beim Drucken von Stahl fliegen Funken. Ein Laser bringt das Edelstahlpulver auf Schmelztemperatur, also mehr als 1500 Grad Celsius. Die feinen Partikel werden dadurch fest miteinander verschmolzen. Die Auslenkung des Lasers – also seine Schreibbewegung – steuert hier ebenfalls ein Computer, der die elektronische Blaupause für ein komplexes Werkstück aus Edelstahl liefert. Hat der Laser das regelmäßige Muster einmal komplett nachgezeichnet, senkt sich die Pulverplattform kaum merklich ab. Ein Schieber streicht eine neue, etwa 50 Mikrometer dicke Pulverschicht aus und der feurige Stift kommt erneut zum Einsatz. Quelle: Siemens

Amazon druckt dabei nicht selbst, sondern vertreibt Produkte von Anbietern wie Mixee, Scupteo und 3DLT. Von dem neuen Angebot verspricht sich der Handels-Riese offenbar viel: „Die Einführung des Stores für 3D-Druck-Produkte ist  der Anfang einer Veränderung im Online-Handel“, sagt Petra Schindler-Carter, zuständig für den Amazon Marktplatz. Die Herstellung der Produkte ermöglich so eine stärke Einbindung des Kunden.

Etwa 200 Produkte gibt es zum Start des 3D-Shops zur Auswahl. Wirklich schön oder gar nützlich sind nur wenige. Zumeist handelt es sich eher um Nippes und den Beweis, dass 3D-Druck möglich ist und Potenzial hat. Ganz billig ist der Spaß zudem nicht. Abhängig von Größe und Material kostet ein einfaches Armband schnell 30 Dollar, filigranere Objekte 40 und mehr.

In Arbeit
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Mit dem neuen Shop bringt Amazon den 3D-Druck dennoch der breiten Masse näher. Ohne den Weg über unbekannte Nischen-Anbieter können Kunden Objekte aus dem 3D-Drucker so kennenlernen und mit den Individualisierungsmöglichkeiten spielen. Die Preise sind dabei immer noch erschwinglich, gerade im Vergleich zu Preis für einen eigenen Drucker. Die gibt es zwar schon ab 200 Euro, hochwertigere Geräte können aber auch mehrere tausend kosten.

Das Manko des Amazon-Angebots. Die Kunden sind an die Vorlagen aus dem Shop gebunden. Eigene Entwürfe können nicht gedruckt werden. Wer seiner Kreativität freien Lauf lassen will, muss sich noch immer selbst einen Drucker zulegen oder zu einem anderen 3D-Druck-Anbieter wechseln.

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