René Benko im Porträt Wer ist der Mann, dem Karstadt gehört?

Mit 17 schmiss er die Schule, heute ist René Benko einer der reichsten Österreicher. Der 37 Jahre alte Unternehmer hat eine Blitzkarriere hingelegt. Zuletzt erhielt sein Überflieger-Image jedoch einen deutlichen Kratzer.

Der österreichische Unternehmer (Signa) Rene Benko. Quelle: dpa

René Benko ist einer der schillerndsten Unternehmer Österreichs. Jetzt sorgt er mit der vollständigen Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt für mächtig Wirbel. Ein Unterfangen, das er bereits im September 2013 begonnen hatte, als er die Mehrheit an den Karstadt-Edelkaufhäusern wie dem KaDeWe in Berlin und den Karstadt-Sporthäusern erwarb. Der gebürtige Tiroler sorgte schon in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen und legte vom Schulabbrecher zum Luxus-Magnaten eine bemerkenswerte Karriere hin.

Medienberichten zufolge ist Benko einer der 100 reichsten Österreicher. Seine 1999/2000 gegründete Signa-Gruppe ist laut eigener Beschreibung auf Luxusimmobilien in internationalen Toplagen spezialisiert. Das Immobilienvermögen beträgt nach Firmenangaben mehr als sechs Milliarden Euro. Vor gut einem Jahr war es noch eine halbe Milliarde weniger. Das österreichische Wirtschaftsmagazin „Trend“ bezifferte Benkos persönliches Vermögen auf rund 850 Millionen Euro.

Der finanzielle Erfolg schien dabei zunächst in Benkos Leben nicht vorgezeichnet. Geboren wurde er am 20. Mai 1977 als Sohn eines Beamten in Innsbruck. Mit 17 Jahren verließ er ohne Abitur das Wirtschaftsgymnasium. Einem Freund hatte er dabei geholfen, staubige Dachböden in Luxuswohnungen zu verwandeln, und dabei zu viele Fehlstunden angesammelt. Eine Nummer größer wurde das Geschäft im Jahr 2000. Benko lernte den Tankstellen-Erben Karl Kovarik kennen. Mit dessen Kapital im Rücken begann Benko Ärztezentren zu errichten. Das Unternehmen wuchs. Schließlich habe er „viel Gespür für das Geschäft“, bescheinigt Benko sich selbst.

Sein Geschäftsmodell verfeinerte der Innsbrucker immer weiter, im Kern aber bleibt es gleich: Mit der Signa-Holding, die heute mittlerweile mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigt, sammelt Benko bei reichen Investoren Geld ein und steckt es in teure Immobilien. In Wien baute Benko beispielsweise vor kurzem einige Straßen in der Innenstadt zu einer Nobel-Shoppingmeile samt Luxusappartements um. Der Name des Projekts: „Goldenes Quartier“. Zum Portfolio gehören auch in Deutschland Spitzenimmobilien wie das KaDeWe, die Nike-Zentrale in Frankfurt und das Kaufhaus Sevens in Düsseldorf.

So verdient Benko sein Geld

Sein Privatleben schirmt der Vater dreier Kinder dabei ab. Mit seiner zweiten Frau wohnt Benko in bester Lage in Innsbruck und Wien, er besitzt außerdem eine Villa am Gardasee. Eine Zeitlang wurde ihm eine Vorliebe für Ferraris nachgesagt. Die habe er längst verkauft, ließ er dazu verlauten

Gut vernetzter Goldjunge.

„Man kann es beschreiben wie Spitzensport“, sagte der 37-Jährige einmal über seinen Erfolg. „Es ist nicht nur Talent, sondern auch die Konsequenz, hart zu arbeiten, nicht aufzugeben, den Weg nicht zu verlassen und mehr zu bewegen und zu leisten, als es andere tun wollen.“ Details zu seinen geschäftlichen Aktivitäten lässt sich Benko sonst jedoch eher selten entlocken. „Ich habe immer einen Plan“, sagte er in einem seiner eher seltenen Interviews dem österreichischen Nachrichtenmagazin „News“.

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Kritiker wundern sich jedoch, wie Benko das rasante Wachstum seines Unternehmens finanziert. Immer wieder gelingt es ihm offenbar, finanzstarke Geldgeber für seine Pläne zu gewinnen. In Politik und Wirtschaft gilt der smarte Unternehmer als bestens vernetzt. Im Beirat seiner Signa-Gruppe sitzen unter anderem der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Unternehmensberater Roland Berger und der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Nicht immer reicht sein Einfluss. 2011 versuchte Benko dem Handelskonzern Metro die Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof abzukaufen. Der Deal scheiterte. Angeblich, weil die Finanzierung dem Metro-Konzern zu unsicher schien.

Ein Gerichtsurteil im November 2012 zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung bremste Benkos Höhenflug ebenfalls. Das Landgericht in Wien sah es als erwiesen an, dass er gemeinsam mit seinem Steuerberater eine verbotene Intervention in einer Steuerangelegenheit in Italien versucht hatte. Die vorsitzende Richterin bezeichnete diese als „Musterfall für Korruption“. Am vergangenen Montag bestätigte auch der Oberste Gerichtshof in Wien das Urteil.

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