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Revision geplant Thomas Middelhoff nimmt Urteil nicht hin

Der frühere Spitzenmanager Thomas Middelhoff will gegen seine Verurteilung durch das Landgericht Essen vorgehen. Derzeit sitzt der frühere Top-Manager wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor, Thomas Middelhoff, ist zu einer Haftstrafe verurteilt worden Quelle: dpa

Schwarzer Tag für Thomas Middelhoff: Nach der überraschenden Verurteilung zu drei Jahren Haft durch das Essener Landgericht ist der frühere Top-Manager am Freitag noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Das Gericht hatte den früheren Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor nach sechsmonatiger Verhandlung der Untreue in 27 Fällen und der Steuerhinterziehung in drei Fällen schuldig gesprochen.

Der frühere Spitzenmanager will jedoch gegen seine Verurteilung. "Wir werden in Revision gehen", sagte sein Anwalt, Winfried Holtermüller, der "Bild am Sonntag". Damit könnte der spektakuläre Fall vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landen.

Schaden in Höhe von 50.000 Euro verursacht

Der frühere Chef des Handelskonzerns Arcandor sitzt nach seiner Verurteilung wegen Untreue und Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft, weil aus Sicht des Gerichts Fluchtgefahr besteht. Laut "Bild am Sonntag" hätte der 61-Jährige dies vermeiden können. Der Richter habe den Haftbefehl nicht aufgehoben, weil Middelhoff einen abgelaufenen Ausweis vorgelegt habe - und nicht seinen neuen, gültigen Pass. Der nächste Haftprüfungstermin sei am Montag angesetzt. Den von Middelhoff verursachten Schaden bezifferte das Gericht auf gut 500.000 Euro.

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Mit dem überraschend harten Urteil blieb das Gericht nur leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte für den Manager eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. Middelhoffs Verteidiger hatten dagegen einen Freispruch verlangt. Noch in seinem Schlusswort hatte der Manager alle Vorwürfe zurückgewiesen und beteuert: „Ich kann mir kein Fehlverhalten vorwerfen.“

Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung, die sechsmonatige Verhandlung habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu großen Teilen bestätigt. Nach Auffassung des Gerichts stellte der Manager in 26 Fällen ganz oder überwiegend privat veranlasste Flüge mit Charterjets und Hubschraubern zu Unrecht dem Arcandor-Konzern in Rechnung. Auch eine Festschrift für den Middelhoff-Mentor Mark Wössner sei fälschlich vom Unternehmen bezahlt worden.

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Der Richter räumte ein, ohne die Arcandor-Insolvenz hätte es das Verfahren wohl nicht gegeben. Denn letztlich sei erst durch „Erbsenzählerei des Insolvenzverwalters“ der Prozess ins Rollen gekommen. Doch gehe es nicht um die Insolvenz, sondern um den Umgang Middelhoffs etwa mit den Reisekosten-Regelungen des Unternehmens.

Gleichzeitig kritisierte Schmitt, der Angeklagte sei an entscheidenden Stellen im Verfahren nicht ehrlich gewesen. Zum Teil habe er dem Gericht „abenteuerliche Erklärungen“ gegeben.

Middelhoff selbst hatte die Vorwürfe im Prozess immer wieder vehement zurückgewiesen. In seinem Schlusswort betonte er, er sei zum einstigen Karstadt-Mutterkonzern gekommen, „um das Unternehmen zu retten, um Arbeitsplätze zu retten“. Das insgesamt fünfjährige Verfahren sei für ihn ein Alptraum. „Ich fühle mich in meiner Würde und Ehre verletzt.“

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