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Rewe, Edeka & Co Wie die Supermärkte gegen den Luxus der Discounter kontern

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Blattgold und Champagner

Eines der größten Projekte betreut derzeit Jörg Tittel für die Märkte der Gruppe Zurheide aus Bottrop. In Düsseldorf entsteht auf der ehemaligen Fläche eines Kaufhofs eine Innenstadtfiliale mit rund 13.000 Quadratmeter auf zwei Etagen verteilt. Eine gigantische Fläche, wenn man betrachtet, in welchen Kategorien die Zeitschrift Lebensmittelpraxis ihre Nominierten für den Preis „Supermarkt des Jahres vergibt“: Eine ist für die Supermärkte bis 2000 Quadratmeterfläche, die andere für größere. Dieter Hiebers Vorzeigefiliale in Lörrach bringt es auf 3600 Quadratmeter – inklusive hauseigener Brauerei.

Jörg Tittel hat gleich eine ganze Reihe von Kunden im Kopf, die von 2017 an den Supermarkt an einer viel befahrenen Kreuzung aufsuchen sollen. Mitarbeiter der umliegenden Büros, die sich über Mittag an den Selbstbedienungstheken die Salate zusammenstellen und sie mitnehmen und die kulinarisch Interessierten, die aus den dann wohl mehr als 60.000 Produkten auswählen sollen. „Wir wollen ein Erlebnis verschaffen und die Kunden nehmen sich dafür die Zeit.“ Erfahrung hat Tittel bereits mit der dem Zurheide-Frischecenter in Düsseldorf-Benrath, wo neben einem riesigen Reifeschrank für Steaks auch eine eigene Kaffeerösterei mit Bewirtung, eine Sushi-Bar und ein Restaurant innerhalb der Weinabteilung die Mischung aus Gästen und Einkäufern empfangen.

Wie Aldi mit neuem Filial-Design den Umsatz steigern will
Die Vorführ-Filiale bietet viel Tageslicht, breitere Gänge, viel Holz. Obst und Gemüse werden präsentiert wie an einem Marktstand. Quelle: obs
Lars Linscheid, Geschäftsführer der ALDI SÜD Regionalgesellschaft Ebersberg und Jeannette Thull, Geschäftsführerin Zentraleinkauf, bei der Vorstellung der Filiale der Zukunft in München-Unterhaching. Quelle: obs
Journalisten filmen am 11.05.2016 in Unterhaching (Bayern) die neu gestaltete Aldi-Filiale. Vor allem die Präsentation von Obst und Gemüse soll ansprechender werden. Quelle: dpa
Doch die Pappfigur von "Frau Weber", die um Aldi-Nachwuchs wirbt, gehört weiter zum Inventar des Discounters. Quelle: dpa
Wenn nicht Aldi drauf stünde, könnte man fast glauben, in einem Supermarkt von Rewe oder Edeka zu sein. Quelle: dpa
Das Sortiment, hier die Wurst- und Fleischwaren, bleibt im Wesentlichen das selbe. Quelle: dpa
Die größte Veränderung betrifft die Präsentation des Obstes und Gemüses, die an einen Wochenmarkt-Stand erinnern soll. Quelle: dpa

Im Zentrum soll alles noch ein bisschen größer und außergewöhnlicher sein. Eine Champagner-Bar ist geplant genauso wie eine eigene Käserei, in der sichtbar für die Kunden Mozzarella produziert werden soll. In einer eigens konstruierten Mühle soll alle zwei Tage Öl hergestellt werden zum Beispiel aus Haselnüssen. Tittel – Mitglied im Champagner-Orden – hat noch ein weiteres Produkt, das ihm am Herzen liegt: Trüffel. Auch der soll dann in der Saison frisch zu kaufen sein.

Etwas bodenständiger und dennoch mit kaum geringerem Anspruch, hat Karl Stefan Preuß die jüngste seiner zusammen 22 Filialen WEZ-Märkte gestaltet. Eine moderne Atmosphäre mit „Loftcharakter im Industriedesign“ schwebt Preuß vor. Vorbilder sind Supermärkte wie die Wholefoods und Eataly aus den USA, letztere hat vor kurzem in der Münchener Schrannenhalle beim Viktualienmarkt eröffnet.

Die Märkte von Preuß haben 2015 zusammen 215 Millionen Euro erwirtschaftet. Teil des Geheimnis des Erfolgs ist wie bei Hieber und Zurheide auch die Auswahl. Produkte, die nicht überall oder gar exklusiv in den Märkten verkauft werden, sollen die Kunden binden. Die WEZ-Märkte sind Partner von Edeka, dennoch pflegt Preuß die Beziehungen zu zahlreichen Lieferanten außerhalb des Edeka-Reichs.

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