Rewe, Edeka & Co Wie die Supermärkte gegen den Luxus der Discounter kontern

Blattgold, Tablets als Einkaufszettel oder eine eigene Brauerei – im Wettbewerb mit den Discountern rüsten Supermärkte immer weiter auf. Dabei wollen sie vom Kunden nicht nur dessen Geld.

Kunst der Kunden. Im Lörracher Supermarkt Hieber sollen Kunden gerne verweilen. (Copryright: Thomas Schindel Fotografie) Quelle: PR

Die Genehmigung für den Blumenshop war nicht zu bekommen. Die Fläche im Supermarkt in Bad Krozingen stand leer. Für Dieter Hieber war das auf Dauer kein Zustand. So machte der Geschäftsführer der gleichnamigen Kette von Supermärkten zunächst aus der Not eine Tugend. Er stellte Kunstwerke von Hobbymalern in dem Raum aus.

Was in dem geplanten Blumenladen begann, hat sich ausgeweitet. Wer die jüngste der zehn Hieber-Filialen betritt, sieht oberhalb des Verkaufstresens des Bäckers großformatige Bilder hängen. Wer mag, kann sie von einer Empore aus in Ruhe betrachten und dabei einen Kaffee trinken. Kultur und Gastronomie statt Preiskampf und schnelle Abfertigung – das ist es, was die deutschen Supermärkte als Antwort auf die emporstrebenden Discounter anbieten.

„Die Discounter werden zu Supermärkten und die entwickeln sich hin zu Orten, die ein Erlebniseinkauf bieten“, sagt Hieber, dessen Vater Jörg vor 50 Jahren den Grundstein für die Sammlung an Märkten zwischen Bad Krozingen und Wyhlen kurz vor der Schweizer Grenze legte. Die klassischen Supermärkte müssen einen Spagat meistern.

Die erfolgreichsten deutschen Luxus-Marken

Auf der einen Seite stehen sie bei der Versorgung der Menschen in der Nachbarschaft im Preiskampf mit den Discountern wie Aldi und Lidl, die immer öfter Markenprodukte anbieten und mit aufwändigerer Dekoration und großen Weinabteilungen sich einen Hauch des Feinkosthandels geben wollen. Experten wie Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel, gehen sogar davon aus, dass im unteren Segment in Zukunft Platz sein könnte für klassische Discount-Marken, wie es Aldi und Lidl zu Beginn waren. Auf der anderen Seite erhöhen die ambitionierten Supermärkte mit eigenen Grillstationen, Kaffeeröstereien oder Sushi-Bars die Verweildauer im Geschäft.

170 Milliarden Euro setzte der Lebensmittelhandel in Deutschland um. Im Schnitt gibt der Bürger 13,6 Prozent seines Geldes für Essen, Trinken und Tabakwaren aus. Ein Wert, der sich seit 2000 kaum geändert hat, 1990 lag er bei 17,6 Prozent und 1970 immerhin noch bei 25 Prozent.

Der Preis ist eines der wichtigsten Kaufargumente für die Konsumenten. Ein Kampf, den die klassischen Supermärkte von Edeka über Rewe bis Tengelmann kaum gewinnen können. Also treten immer mehr von ihnen die Flucht nach vorne an.

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