Richemont Schwaches Uhrengeschäft belastet Luxuskonzern

Richemont kann zwar seinen Umsatz und seinen Gewinn steigern - der Luxusgüterhersteller hat aber weiter mit einer schwachen Nachfrage in Hongkong und Macao zu kämpfen. Die Aktionäre sind enttäuscht.

Eine Uhr von Cartier, eine der Marken, die zum Luxuskonzern Richemont gehört. Quelle: REUTERS

Die verhaltene Nachfrage nach Edeluhren in Asien macht den Luxusgüterhersteller Richemont vorsichtig. In Hongkong und Macao greife die zahlungskräftige Kundschaft weniger oft zu hochpreisigen Luxusuhren, teilte das Unternehmen mit Marken wie Cartier, Piaget oder IWC mit.

Das habe sich auch zu Beginn des zweiten Halbjahres gezeigt: Im Oktober schrumpften die Umsätze währungsbereinigt um sechs Prozent. An der Börse trennten sich die Anleger scharenweise von ihren Richemont-Papieren. Die Aktie verlor acht Prozent an Wert. Die Titel von Konkurrent Swatch sackten in der Folge knapp sechs Prozent ab.

Die sieben Typen der Luxuskäufer
In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Konsumenten von Luxusartikeln weltweit mehr als verdreifacht: von rund 90 Millionen im Jahr 1995 auf 330 Millionen Ende 2013. Dies zeigt die Studie „Lens on the Worldwide Luxury Consumer” der internationalen Managementberatung Bain&Company, die auf der Befragung von 10.000 Konsumenten basiert. Foto: Instagram Quelle: Handelsblatt Online
Und Jahr für Jahr kommen neue Luxuskäufer dazu: bis 2020 wird es weltweit rund 400 Millionen, bis 2030 an die 500 Millionen Luxuskonsumenten geben. Doch wie ticken sie, welche Vorlieben haben sie und wofür geben sie am liebsten ihr Geld aus? Die Macher der Studie haben das Verhalten dieser Kunden analysiert und sieben verschiedene Käufertypen definiert, auf die sich die Luxuskonzerne einstellen müssen. Quelle: dpa
Die AlleskäuferSie stehen für 25 Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 2350 Euro pro Kopf und Jahr. Diese Käufergruppe ist neu im Luxussegment, im Durchschnitt jünger als die anderen Kundensegmente und legt eine höhere Bereitschaft an den Tag, mit Produkten und Marken zu experimentieren. Alleskäufer sind vornehmlich Frauen, die hochwertige Produkte wie Schmuck und Uhren favorisieren. Sehr gerne lassen sie ihr Geld in markeneigenen Fachgeschäften und kaufen auf Reisen ein. Sie experimentieren mit neuen Marken, ihre Markentreue ist daher relativ gering. Dieses Verhalten ist typisch für chinesische Konsumenten aus Großstädten abseits der bekannten Metropolen. Quelle: dpa
Die ÜberzeugtenDieser Käufertyp steht für 20 Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 1750 Euro pro Kopf und Jahr. Es sind gebildete Kunden der Generation X (aktuell 34 bis 48 Jahre alt) und Y (13 bis 33 Jahre). Lederwaren und Uhren haben Priorität, zugleich ist diese Konsumentengruppe hochsensibel für die Unterschiede zwischen den Marken. Die Überzeugten kaufen häufig am Wohnort ein und lassen sich durch Informationen aus dem Internet und über soziale Medien lenken. Sie sind die Trendsetter in Chinas Metropolen und herrschen in westeuropäischen und nordamerikanischen Großstädten vor. Quelle: AP
Die Investoren Sie stehen für 13 Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 1450 Euro pro Kopf und Jahr. Diese Käufergruppe achtet besonders auf Qualität und Langlebigkeit von Luxusprodukten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Lederwaren und Uhren, die auch von Generation zu Generation vererbt werden können. Einkäufe werden sorgfältig recherchiert, Empfehlungen anderer Konsumenten spielen eine große Rolle. Zum Segment der Investoren gehören Japaner sowie Kunden aus dem Mittleren Osten und reifen Märkten. Quelle: dpa
Die HedonistenSie stehen für zwölf Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 1100 Euro pro Kopf und Jahr. Sie lieben Luxus und das Erlebnis, Luxusprodukte zu kaufen. Auch haben sie eine hohe Affinität für Markenzeichen, kaufen vor allem Accessoires und sind durch Werbung beeinflussbar. Obwohl die Hedonisten ihr Interesse an Luxus gerne zur Schau stellen, finden sich in dieser Gruppe kaum offene Befürworter von Markenprodukten. Dieser Typus zieht sich durch alle Märkte und Generationen. Quelle: dpa
Die KonservativenSie stehen für 16 Prozent des Marktvolumens oder für Ausgaben von 1000 Euro pro Kopf und Jahr. Es sind reifere Kunden – Männer und Frauen gleichermaßen –, die sich nicht als Trendsetter sehen. Sie favorisieren Schmuck und Uhren bekannter Marken, kaufen in Warenhäusern und lassen sich vor allem durch Empfehlungen von Freunden und Familienmitgliedern überzeugen. Die Konservativen finden sich insbesondere in reifen Märkten, aber auch in China. Quelle: dpa
Die Desillusionierten Sie stehen für neun Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 800 Euro pro Kopf und Jahr. Diese Konsumentengruppe umfasst in erster Linie die Babyboomer (49 bis 67 Jahre), die unter Luxusmüdigkeit leiden. Sie kaufen Lederwaren und Kosmetik und halten Ausschau nach Waren, die mehr als eine Saison überdauern. Auf die Desillusionierten haben Markenbotschaften oder Werbung kaum Einfluss. Sie konsumieren unregelmäßig und kaufen weitgehend im Internet. In diesem Segment finden sich vor allem Frauen aus den USA, Europa und Japan. Quelle: dpa
Die NeugierigenSie stehen für fünf Prozent des Marktvolumens oder Ausgaben von 500 Euro pro Kopf und Jahr. Diese vor allem weiblichen Konsumenten fahnden nach Einstiegsprodukten, speziell bei Kosmetik und Schuhen. Sie freuen sich über Erschwinglichkeit und mischen in der Regel Luxusprodukte mit Durchschnittswaren. Die Neugierigen sind Impulskäufer mit geringer Markenloyalität, stark beeinflusst von Freunden oder Modetrends. Sie gehören zur Mittelklasse und stammen vor allem aus den USA, aus Westeuropa und den neuen Käuferschichten Osteuropas. Quelle: REUTERS

Vor allem im Großhandelsgeschäft mit hochwertigen Zeitmessern bekommt Richemont die kriselnde Nachfrage in Asien zu spüren. Dort hatte das schwächere Wirtschaftswachstum und die jüngsten Börsenturbulenzen in China die zuletzt ohnehin verhaltene Nachfrage der Kunden gedämpft. Von April bis Ende September gingen die Umsätze in der wichtigsten Absatzregion um drei Prozent zurück.

Doch dank starker Zuwächse im Schmuckgeschäft - vor allem mit Touristen in Europa - stieg der Konzernumsatz im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres um 15 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um knapp ein Fünftel auf 1,1 Milliarden Euro - etwas weniger als von Analysten erwartet. Den Aktionären stellte Richemont eine höhere Dividende nach zuletzt 1,60 Franken je Aktie in Aussicht.

Auch andere Luxusgüterkonzerne bekommen die schleppenden Geschäfte in China und Hongkong zu spüren. Die verhaltene Nachfrage der ansonsten zahlungskräftigen asiatischen Kundschaft hatte bereits den Absatz von Konkurrenten wie Burberry oder Hugo Boss gedrückt.

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Für Verunsicherung bei den Anlegern dürfte auch der überraschende Chefwechsel bei der Schmuckmarke Cartier gesorgt haben. Stanislas de Quercize trete aus persönlichen Gründen per sofort zurück, erklärte die Firma. Sein Nachfolger wird der Japan-Chef des Konkurrenten LVMH Cyrille Vigneron ab Anfang 2016. Vigneron war bereits von 1988 bis 2013 für Richemont tätig.

In der zweiten Jahreshälfte profitiert das Unternehmen jedoch auch von einem positiven Sondereffekt: Aus dem Zusammenschluss der Online-Tochter Net-A-Porter mit der italienischen Yoox erwartet der Konzern einen Buchgewinn von rund 620 Millionen Euro. Aus der Fusion der beiden Unternehmen soll ein führendes Online-Luxus-Modehaus entstehen.

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