Ringen um Kaiser’s Tengelmann Edeka übernimmt Jobgarantie

Edeka-Oberhaupt Mosa und Tengelmann-Chef Haub werben kräftig für die geplante Übernahme. Mit dem Versprechen von sicheren Jobs soll Wirtschaftsminister Gabriel überzeugt werden. Doch der lässt sich Zeit.

Ein Scheitern der Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka könnte laut Tengelmann-Chef Haub mehrere tausend Jobs kosten. Quelle: dpa

Edeka-Chef Markus Mosa tritt Befürchtungen entgegen, sein Unternehmen übernehme nach einer Fusion keine Garantien für die Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann. „Wir tragen die Vereinbarungen voll mit. Das haben wir vertraglich für den Betriebsrat abgesichert“, sagte Mosa dem Handelsblatt

Ende vergangener Woche hatte Kaiser’s Tengelmann mit den Betriebsräten in den Regionen Nordrhein und Berlin eine Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung geschlossen. Die Betriebsräte der Region München hatten sich nicht an den Verhandlungen beteiligt. 

Der Deal mit dem Betriebsrat sieht im Falle einer Fusion nach Betriebsratsangaben im Raum Berlin Beschäftigungsgarantien für alle Mitarbeiter für mindestens 24 Monate vor. 

In Nordrhein-Westfalen, wo unter anderem die Zentrale von Kaiser's Tengelmann ihren Sitz hat, gilt die Beschäftigungsgarantie dagegen für rund 80 Prozent aller Mitarbeiter und für mindestens 18 Monate. Hier sollen Abfindungen, eine interne Stellenbörse und Transfergesellschaften die Folgen des Personalabbaus für die Mitarbeiter dämpfen.

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Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Aushang des Betriebsrats für die Region Nordrhein berichtet, will Tengelmann noch vor der möglichen Übernahme schließen und Mitarbeiter entlassen. Der Arbeitgeber sehe Personalabbau vor, da unter anderem das Lager in Viersen nicht durch Edeka weiterbetrieben und die regionale Verwaltung "nicht wie bisher fortgeführt" werde. 

Nach dem Veto des Bundeskartellamts führten Edeka und Tengelmann den Schutz von vielen der insgesamt 16.000 Arbeitsplätze als einen der Hauptgründe ins Feld, aus dem ihnen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Ausnahmegenehmigung erteilen sollte. "Müssten wir zerschlagen, kostet das nicht nur etwa 8000 Jobs. Es entstünde auch ein enormer wirtschaftlicher Schaden, bei uns und beim Steuerzahler", bekräftigte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub noch am Wochenende im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Dass Gabriel dieser Argumentation folgt, gilt als unwahrscheinlich. Die ihn beratende Monopolkommission hat bereits deutlich mitgeteilt, dass sie nicht überzeugt ist.„Es bestünde auch im Fall einer Gesamtübernahme durch Edeka ein Bedarf für Restrukturierungen, die zum Abbau von Arbeitsplätzen führen würden“, erklärte die Kommission. Sie bevorzugt die Aufteilung der Tengelmann-Filialen an verschiedene Handelsunternehmen.

Weil für diese die Jobgarantie nicht gelten würde, ist der Deal – und die Bekräftigung durch Edeka-Chef Mosa als deutliches Signal an den Wirtschaftsminister Gabriel zu verstehen, von der ablehnenden Haltung Abstand zu nehmen. Bis der allerdings eine endgültige Entscheidung fällt, wird noch einige Zeit vergehen. So steht offenbar noch eine Stellungnahme der betroffenen Länder NRW, Bayern, Berlin und als Edeka-Sitz Hamburg aus. Zudem ist eine Anhörung gesetzlich vorgeschrieben für die es bislang keinen Termin gibt.

Mit Material von dpa.

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