WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Robus Capital Umstrittener Investor schlägt bei Gerry Weber zu

Kleiderbügel mit Aufdruck von Gerry Weber Quelle: dpa

Der Finanzinvestor Robus will die Kontrolle über die insolvente Damenmodekette Gerry Weber und deren frühere Tochter Hallhuber übernehmen. Doch der Investor hat nicht mit allen Beteiligungen Erfolg.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Im Januar hatte der Modehersteller Gerry Weber Insolvenz angemeldet, jetzt steht der Sanierungsplan – und ein Investorenduo will das Kommando übernehmen. Das Unternehmen habe sich mit Fonds, die von Robus Capital Management und Whitebox Advisors verwaltet werden, auf ein Sanierungskonzept verständigt, teilte Gerry Weber mit. Offenbar soll ein dritter Partner in geringerem Umfang an dem Deal beteiligt sein, der jedoch im Rahmen einer Telefonkonferenz mit dem Gerry-Weber-Management, dem Sachwalter und dem Generalbevollmächtigten auf auch Nachfrage nicht genannt wurde.

Insgesamt steuern die Investoren im Rahmen eines sogenannten Insolvenzplans bis zu 49,2 Millionen Euro bei. Dabei werden im ersten Schritt sämtliche Aktien eingezogen und auf Null gesetzt. Im zweiten Schritt werden neue Aktien ausgegeben, die ausschließlich von den beiden Investoren gezeichnet werden.

Die Gläubiger sollen im Gegenzug auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und könnten sich dann zwischen einer Abfindung in bar und „verschiedenen Finanzinstrumenten zur Wertaufholung entscheiden“, geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor. Dazu zählen neben der Barabfindung auch ein Teilforderungsverzicht in Höhe von 60 Prozent. Die restlichen 40 Prozent werden in eine Anleihe gewandelt, die 2022 mit Verzinsung zurückgezahlt werden soll. Als dritte Möglichkeit kann der Gläubiger seine Forderung komplett in eine Wandelschuldanleihe einbringen. Insgesamt sei das „ein Potpourri für Gläubiger“, dass es so bei einer Insolvenz noch nie gegeben habe, sagte Gerry-Weber-Chef Johannes Ehling.

Doch was haben die Investoren mit dem angeschlagen Unternehmen vor? Klar ist: sie wollen die Kontrolle bei Gerry Weber übernehmen. So sollen Robus und Whitebox über eine Kapitalherabsetzung und anschließende Barkapitalerhöhung zu den bestimmenden Aktionären von Gerry Weber werden.

Vor allem Robus ist für derlei Kriseneinsätze bekannt. 2011 hatten die Finanzierungs- und Kreditspezialisten Mark Hoffmann und Dieter Kaiser das Unternehmen gegründet, das sich am ehesten als eine Mischung aus Hedgefonds und Schuldeninvestor beschreiben lässt. „Fremdkapital-Instrumente wie syndizierte Darlehen, Anleihen, Schuldscheindarlehen und Wandelanleihen“ würden genutzt, um vorzugsweise in deutsche Mittelständler zu investieren, heißt es auf der Unternehmens-Homepage.

Mit rund 20 Mitarbeitern managt das Unternehmen inzwischen von Frankfurt und London aus sechs Fonds mit einem Anlagevermögen von rund einer Milliarde Euro. Die Fonds würden auf Renditen von vier bis zu 40 Prozent abzielen, heißt es intern. Je nach Ausrichtung würden sie stärker in „Schönwetteranlagen“ oder in Krisenfälle investieren. Bei Letzteren gilt Robus mittlerweile als einer der zentralen Player im deutschen Markt und zugleich als einer der „aggressivsten“, wie es ein Berliner Restrukturierungsberater formuliert. „Alle Register“ würde die Schuldentruppe ziehen, um bei Sanierungsverhandlungen oder Insolvenzfällen Einfluss auf das Verfahren zu nehmen.

Doch was Insolvenzverwalter regelmäßig in Rage bringt, gehört bei Robus zur Kundenpflege. „Die sitzen nur einen Telefonanruf von ihren Investoren weg“ und würden verbissen um jeden Cent kämpfen, sagt ein Robus-Kenner. Das bekamen in der Vergangenheit die Manager des Küchenherstellers Alno ebenso zu spüren wie die des Schrottrecyclers Scholz und des Damenmodelabels Laurèl. Und nun auch Gerry Weber sowie die frühere Tochter Hallhuber. Bei Letzterer hatte der Finanzinvestor bereits vor wenigen Tagen 88 Prozent an der Geschäftsanteile übernommen und damit eine Option genutzt, die er bereits seit Februar hatte. Damals war Robus mit einer Brückenfinanzierung eingesprungen, um Hallhuber zu retten. Neben dem Hallhuber-Kredit hat der Fondsbetreiber auch Schuldscheine von Gerry Weber mit hohen Abschlägen gekauft und sich so schon früh als möglicher Interessent positioniert.

Dass Robus die Beteiligungen an Hallhuber und Gerry Weber dauerhaft halten will, scheint wenig wahrscheinlich. „Das sind keine Industriekapitäne, sondern Kapitalinvestoren“, heißt es in Finanzkreisen. Bei Gerry Weber soll nun zunächst der von Vorstandschef Johannes Ehling und Insolvenzexperten Christian Gerloff eingeschlagene Sanierungskurs weitergeführt werden. So soll im September eine neue Kollektion in die Läden kommen, die „exakt für die Zielgruppe“ 50 plus zugeschnitten ist, wie Ehling kürzlich im Interview mit der WirtschaftsWoche angekündigt hatte.

Zudem sollen die Kosten weiter sinken. Bis Ende November sollen 146 Gerry-Weber-Filialen in Deutschland schließen. Darunter vor allem Läden, die zu stark vom Standardladenformat von 220 bis 250 Quadratmetern abweichen. Bei den Mietkosten soll das laut Sanierer Gerloff eine Einsparung im zweistelligen Millionen-Bereich bringen. Bei den Personalkosten könne man eine kleine, zweistellige Millionen-Euro-Summe einsparen.

Gelingt die Wende bei Gerry Weber, dürfte sich der Einsatz für die Investoren schnell auszahlen. Andernfalls dürfte Robus nicht lange fackeln. Wie schnell der Finanzinvestor handelt, wenn sich Beteiligungen nicht wie geplant entwickeln, wurde erst in der vergangenen Woche deutlich, als die Restunternehmen von Beate Uhse erneut Insolvenz anmeldeten. Robus hatte auch bei der klammen Erotikkette zunächst Notkredite gewährt und das Unternehmen dann im Sommer vergangenen Jahres aus der Insolvenz heraus übernommen. Nur ein Jahr später folgte die nächste Pleite.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%