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Rotes Gold Wie Safran Spaniens Bauern rettet

Für Spanien, ein Land, in dem gemäß offizieller Statistiken 26 Prozent der Menschen keinen Job haben, ist der Safrananabau derzeit die ideale Einnahmequelle. Landwirtschaft ist wieder angesagt.

Neben dem Iran ist Spanien der größte Exporteur für Safran Quelle: REUTERS

Javier Guerrero Allueva gibt es ohne Umschweife zu: “Safran ist ein sehr gutes Geschäft. Ein Hektar bringt uns 30.000 Euro brutto im Jahr.” In Spanien liegt der monatliche Durchschnittslohn bei 1.500 Euro, das ist also kein schlechter Schnitt. Seine Exportgesellschaft Cia. Exportadora de Azafrán Español (C.E.A.E.) zählt zu den wenigen, die alle Stürme von der Republik über die Diktatur bis hin zur Demokratie überlebt haben: “Wir arbeiten schon in der dritten Generation mit Safran.” Kein einfacher Job: Denn um ein Kilo zu bekommen, muss man 200.000 Pflanzen anbauen und in einem aufwändigen Prozess mit den Händen ernten. Denn jede Blüte enthält nur drei Stempel, aus denen das bitter schmeckende, aber sehr begehrte Pulver dann gewonnen wird. Die Ernte der violetten Blumen liegt gerade hinter ihm, jetzt muss Guerrero Allueva verkaufen: “Wir wollen jetzt eine eigene Marke auf den Markt bringen und das Produkt damit noch attraktiver machen.”

Ein Gramm Safran bester Qualität kostet im Laden manchmal fast zehn Euro, ist es schon eingepackt und besonders edel, ist der Preis noch höher. Die Preisunterschiede sind groß. Je nach Ernteerfolg, Qualität, Herkunft und Handelsweg kann Safran den Endverbraucher zwischen fünf und 30 Euro kosten pro Gramm kosten. Zum Vergleich: Ein Gramm Gold kostet derzeit rund 39 Euro, ein Gramm Silber nur rund 74 Cent. Safran wird deshalb auch als rotes Gold bezeichnet. Der Spitzen-Safran aus Spanien der Qualitätsstufe "Coupé" gilt dabei neben Safran aus der indischen Kaschmir-Region als der Beste. Die hohe Qualität und die vergleichsweise hohen Arbeitskosten rechtfertigen somit einen hohen Preis.

Javier Guerrero Allueva, Inhaber der Exportgesellschaft Cia. Exportadora de Azafrán Español (C.E.A.E.) (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Presse

Mit Safran aus der Krise

Kein Wunder, dass Safrananbau in Spanien für viele ein Weg aus der Krise ist. Zwar wurde in den 60er Jahren noch mehr von dem roten Gold angebaut, aber nach einem Rückgang durch den Eintritt des Landes in die Europäische Union hat sich die Produktion wieder erholt: In den vergangenen drei Jahren wuchs die Zahl der Safran-Landwirte allein in der größten Anbauregion Castilla-La Mancha um 20 Prozent. “Es ist einfach eine sichere, aber sehr aufwändige Sache”, versichert Guerrero Allueva, der seine Produktion in Albacete angesiedelt hat, einer der Hochburgen. Zeitweise gab es mehr eine größere Nachfrage nach den Knollen der Krokusart, als bedient werden konnte.

Krise und Arbeitslosigkeit in Spanien

Seit dem Jahr 2001 muss Safran auf eine bestimmte Art und Weise hergestellt werden. Nur dann erhält er das Herkunfts- und Qualitätssiegel, die "Denominación de Origen - Azafrán de la Mancha", eine Art spanische TÜV-Plakette für landwirtschaftliche Produkte. Dieses Siegel soll vor allem helfen, die Qualität der Produkte zu steigern und somit auch die Ausfuhren und Erlöse der Landwirte. Aber es soll auch vor den vielen, wesentlich billigeren Fälschungen auf dem Markt schützen. Die sind häufiger, als viele Gewürzliebhaber glauben. So berichtete "Die Welt" im Sommer 2011, dass 90 Tonnen spanischen Safrans exportiert wurden, aber die gesamte Ernte in Spanien gerade mal 1,5 Tonnen schwer wog. Offenbar nutzen die Fälscher dazu Safran aus dem Iran. Von dort stammen mehr als 90 Prozent der weltweiten Safran-Produktion. Dieser Safran wird dann in Spanien verpackt und umetikettiert - und gilt damit offiziell als Safran aus Spanien. Daneben gibt es auch Fälschungen, bei denen echten Safran-Fäden andere Teile der Pflanze, Blüten der Färber-Distel oder Kurkuma-Pulver beigemischt werden. Die Kennzeichnung "Azafrán de la Mancha" soll da für Echtheit und Reinheit bürgen.

Dass das kostbarste aller Gewürze zu illegalen Praktiken einlädt, illustriert auch das Beispiel eines Duisburger Safran-Schmugglers aus dem Jahr 2011. Bei einer Zollkontrolle fanden sich in seinem Gepäck zwei Kilo Safranfäden. Der Mann behauptete, das Gewürz für 40 Euro in der Türkei gekauft zu haben. Den tatsächlichen Wert schätzten die Zollbehörden jedoch auf mehr als 18.000 Euro. Gegen den Inhaber eines Feinkostgeschäfts leiteten die Zöllner ein Strafverfahren ein, der Safran wurde sichergestellt.

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