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Rückrufaktionen Hasch-Kekse beim Discounter, Desinfektionsmittel im Speiseeis

Ein Kunde steht vor einem Supermarktregal. Quelle: dpa

Die Zahl der Lebensmittelwarnungen steigt weiter an, zeigen neue Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Aktuell sorgt vor allem das krebserregende Biozid Ethylenoxid für Rückrufe.

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Der Spott ließ nicht lange auf sich warten: „Lidl nimmt Hasch-Kekse aus den Regalen“, kommentierten zahlreiche Onlineportale jüngst eine Rückrufaktion des Discounters. Der Handelskonzern hatte wegen eines zu hohen Wirkstoffgehalt in hanfhaltigen Lebensmitteln Gebäck, Tee und Proteinriegel zurückgerufen. In den Lebensmitteln sei ein erhöhter Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) festgestellt worden. Ein Verzehr könne unerwünschte gesundheitliche Folgen mit sich bringen, beispielsweise Stimmungsschwankungen und Müdigkeit. „Aufgrund dessen sollten Kunden den Rückruf unbedingt beachten und die Produkte nicht weiter verwenden“, warnte das Unternehmen.

Waren solche Rückrufaktionen früher die große Ausnahme, gibt es heute fast täglich neue Warnmeldungen vor gefährlichen und unhygienischen Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen. Und ihre Zahl steigt weiter an. 

Nach einer Auswertung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die unserer Redaktion vorliegt, wurden auf dem staatlichen Portal „lebensmittelwarnung.de“ zwischen Januar und Ende August (26.8.) insgesamt 167 Warnungen veröffentlicht, 30 mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon betrafen allein 139 Meldungen Lebensmittel (39 mehr als im Vorjahreszeitraum), der Rest entfiel auf Bedarfsgegenstände und Kosmetika.

Grenzwertüberschreitungen, mikrobiologische Verunreinigungen und Fremdkörper-Funde waren im Lebensmittelbereich demnach besonders häufig Anlass für eine Warnmeldung, geht aus der Statistik hervor. Viele Rückrufe betrafen Obst und Gemüse, Getreide und Backwaren, gefolgt von Fleisch, Geflügel und Wurst.

Sublieferanten als Treiber der Entwicklung

Besonders erstaunlich: Bis zum Ende des ersten Halbjahres lagen die Zahlen in etwa auf Vorjahresniveau. Im Juli und August zogen dann jedoch die Warnmeldungen vor allem im Lebensmittelbereich an. Damit steuert das staatliche Portal auch im Gesamtjahr auf einen neuen Höchststand an Warnmeldungen zu. Seit 2013 hat sich die Gesamtzahl der Warnungen bereits mehr als verdreifacht. Zu den Ursachen für den Anstieg äußerte sich das BVL nur vage. „Ein möglicher Grund könnte sein, dass das Portal inzwischen von allen Landesbehörden standardmäßig genutzt wird“, teilte ein Sprecher mit.

Experten sehen zudem die Globalisierung der Lieferketten und die Kontrolle der Rohstoffe durch Sublieferanten als Treiber der Entwicklung. Dies zeigt sich auch bei der jüngsten Welle von Rückrufen, die Produkte wie Eis, Nudeln und Müsli-Riegel betrafen. In den Produkten war die als Stabilisator und Verdickungsmittel eingesetzte Zutat Johannisbrotkernmehl enthalten. In Importen hatten Behörden Rückstände des krebserregenden Desinfektionsmittels Ethylenoxid gefunden. Wie genau das Mittel in die Lebensmittelkette kam, ist bis dato ungeklärt. In der Branche wird auf Lieferanten aus der Türkei verwiesen, die jedoch ebenfalls mit Zwischenhändlern und mit verschiedenen Produktions- und Erntebetrieben zusammenarbeiten. Auf welcher Stufe die Verunreinigung erfolgte, ist bislang offen.

Mehr zum Thema: Viele in Deutschland angebotene Lebensmittel enthalten Johannisbrotkernmehl. In Lieferungen haben Behörden zuletzt aber auffällig oft Rückstände des krebserregenden Desinfektionsmittels Ethylenoxid gefunden.

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