Schlechte Laune in der Schokobranche Rohstoffkosten bremsen Geschäft

Weihnachtszeit ist Schokozeit - kein Monat ist für die Schokobranche so wichtig wie der Dezember. Frohe Stimmung kommt derzeit aber nicht auf.

Die schlimmsten Kaloriensünden zu Weihnachten
Kartoffelsalat mit Würstchen kommt bei jedem dritten Deutschen an Weihnachten auf den Tisch. Würstchen und Mayonnaise treiben die Kalorienzahl zwar nach oben, im Vergleich zum Gänsebraten ist es aber geradezu ein Diät-Menü. Auf 100 Gramm Würstchen mit Kartoffelsalat und Senf kommen 146 Kilokalorien. Eine Portion von 450 Gramm bringt es auf 738 Kilokalorien. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Der feierliche Gänsebraten zu den Festtagen ist ein Rettungsring-Garant. Weil die Gans während des Garens im Ofen immer wieder mit Brühe und ausgetretenem Gänsefett begossen wird, ist sie eine wahre Fettbombe - zudem entsteht aus Fett und Brühe auch die Bratensoße - und der Rotkohl dazu wird auch gern im Gänsefett zubereitet. Dazu noch deftige Knödel, und die Kalorienfalle ist perfekt: 2430 Kilokalorien bringt eine Portion. Zum reduzieren der Kalorien bietet es sich an, vor dem Garen das sichtbare Fett der Gans zu entfernen. Während des Bratens sollte die Gans zudem mit einem Spieß eingestochen werden, so tritt viel Fett aus, das dann abgeschöpft und so auf den Hüften eingespart werden kann, rät Ernährungsexpertin Angelika Kirchmaier. Quelle: obs
Ein Gläschen Wein oder Bier gehört für die meisten zum Festtagsschmaus einfach dazu. Doch der Alkohol bringt reichlich Kalorien mit - pro Gramm sogar mehr als Zucker. Bier ist kalorienärmer als Wein. Ein Glas Pils (0,3 Liter) hat etwa 126 Kilokalorien (rund 40 Kalorien pro 100 Milliliter). Altbier hat übrigens in etwa genauso viele Kalorien. Wein bringt etwas mehr Kalorien mit sich. Ein großes Glas trockener Weißwein (0,2 Liter) bringt es auf etwa 138 Kilokalorien. Eine Weißweinschorle spart Kalorien, auf 0,2 Liter kommen dann rund 70 Kilokalorien. Ein leichter Rotwein hat in etwa genauso viele Kalorien wie ein trockener Weißwein, ein schwerer Rotwein bringt allerdings etwas mehr mit: 156 Kilokalorien kommen auf ein 0,2-Liter-Glas. Sekt hat ähnlich viele Kalorien wie Wein: Ein Glas von 100 Millilitern schlägt mit 76 Kilokalorien zu Buche. Quelle: dpa
À propos Wein: Ebenfalls ein beliebtes Wintergetränk ist der Glühwein. Neben den Kalorien aus dem Alkohol liefert er auch noch sehr viel Zucker. So kommt ein Becher von 200 Millilitern auf etwa 210 Kilokalorien - je nachdem, wie gut es der Hersteller oder Weihnachtsbudenbesitzer so mit dem Zucker gemeint hat. Eine Alternative ist alkoholfreier Fruchtpunsch, der rund 100 Kalorien pro Becher (200 ml) liefert. Quelle: dpa
Ein Prosit nach dem schweren, fettigen Essen. Doch Vorsicht: Schnaps räumt entgegen des landläufigen Mythos nicht den Magen auf, sondern verlangsamt im Gegenteil die Verdauung. Und dazu kommen natürlich kräftig Kalorien aus dem hochprozentigen Betthupferl: Ein Schnapsgläschen (2cl) Magenbitter flößen auch rund 50 Kilokalorien ein. Ein Eierlikör bringt es auf 60, ein Schuss Rum sogar auf 70 Kalorien.  Zum Verdauen empfiehlt sich dann lieber ein Kaffee, allerdings kein süßer Milchkaffee oder Latte Macchiato... Quelle: AP
 A cappuccino is prepared at a Nairobi Java House outlet in Nairobi Quelle: REUTERS
Dem Schokoladenweihnachtsmann genüsslich den Kopf abbeißen, was gibt es Schöneres. Dumm nur, dass es zumeist nicht dabei bleibt. Ein Schokokerl bringt es im Schnitt auf 535 Kalorien pro 100 Gramm, allerdings kann das je nach Ausfertigung durch diverse "Extras", zum Beispiel Schokolinsen, Milchcreme, Knusperstückchen und dergleichen ordentlich steigen. Quelle: dpa

Die Kassen klingeln in der Schokobranche, doch die Stimmung ist schlecht. Grund sind höhere Rohstoffpreise für Kakao, Haselnüsse und Mandeln. So rechnet Marktführer Ritter Sport zwar mit einem geschätzten Plus von neun Prozent auf wohl etwa 470 Millionen Euro Umsatz 2015. „Doch das Umsatzwachstum macht uns nicht froh - 2015 ist kein gutes, sondern ein enttäuschendes Jahr“, sagt Firmenchef Andreas Ronken. Die hohen Rohstoffpreise belasteten das Ergebnis schwer. Ronken rechnet in etwa mit einer schwarzen Null, immerhin etwas besser als der leichte Verlust von 2014. Auch Wettbewerber wie Nestlé, Rübezahl und Klett äußern sich besorgt über die hohen Rohstoffpreise.

Bei den Ritter-Sport-Zahlen handelt es sich um Prognosen, die genauen Zahlen gibt das Unternehmen aus Waldenbuch bei Stuttgart erst Ende Januar bekannt. Schätzungen gibt es auch von Rübezahl, einer auf Schokoweihnachtsmänner und Schokohasen spezialisierten Firma aus dem schwäbischen Dettingen. Bei 180 Millionen Euro Jahresumsatz sei zwar ein leichtes Plus gemacht worden, so Sprecher Dieter Schäfer. Grund für den Zuwachs waren allerdings Preiserhöhungen, die durch höhere Rohstoffpreise verursacht wurden. „2015 waren die Rohstoffpreise für Mandeln und Haselnüsse auf einem noch nie dagewesenen, hohen Niveau.“

Vor allem der Preisanstieg für Haselnüsse hat die Schokobranche hart getroffen. Noch 2013 habe man für ein Kilo etwa 6 Euro bezahlt, 2014 sei der Preis wegen einer Missernte im Hauptanbauland Türkei auf 17 Euro hochgeschossen, sagt Ritter-Sport-Chef Ronken. Inzwischen sei der Wert zwar wieder auf etwa 11 Euro abgesackt. „Verglichen mit vor zwei Jahren ist das aber immer noch fast eine Verdopplung.“ Pro Jahr brauche seine Firma 5000 Tonnen Haselnüsse, die Mehrkosten von fünf Euro pro Kilo schlagen also mit 25 Millionen Euro zu Buche. Auch die Kakao- und Mandelpreise seien sehr hoch, sagt Ronken.

Ein düsteres Bild zeigt eine Commerzbank-Analyse. Die Kakaopreise dürften sich auch 2016 auf hohem Niveau bewegen, schreiben die Experten. Sollte die Kakaoernte in Ghana und anderswo schlecht ausfallen, „könnte dies die Preise noch weiter nach oben treiben“. Wenig Begeisterung löst das Thema Kakaopreis auch beim Branchenriesen Nestlé aus. „Kakao wurde aufgrund der Missernte in Ghana deutlich teurer, Mandeln sind sogar extrem gestiegen, während Zucker leicht rückläufig war“, sagt Nestlé-Managerin Barbara Groll. Für 2016 rechne man mit teilweise weiter steigenden Rohstoffkosten. Aktuell sprechen viele Firmen mit den Einzelhändlern über Abnahmeverträge für 2016. Wollen die Schokofirmen höhere Preise durchdrücken, die letztlich an den Verbraucher weitergereicht würden? Ritter-Sport-Chef Ronken hält sich bedeckt: „Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen.“ Zugleich betont er: „Die Rohstoff-Kosten für uns werden nicht geringer.“

Süßer die Kassen nie klingeln
Weihnachtsmärkte sind ein Milliardenmarkt und für viele Kaufleute die wichtigste Einnahmequelle im Jahr. „Je nach Branche macht das zwischen 30 und 50 Prozent aus“, sagt Hans-Peter Arens, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute. Insgesamt, so hat der Verband ermittelt, geben Weihnachtsmarktbesucher mehr als 1,8 Milliarden Euro für Essen, Getränke und Einkäufe aus. Quelle: dpa
Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Centre for Retail Research zufolge könnten die Buden im vergangenen Jahr sogar fast 2,5 Milliarden Euro eingenommen haben. Dieses Jahr fürchten die Schausteller aber, dass wegen der Terroranschläge von Paris aus Angst deutlich weniger Besucher kommen. Quelle: dpa
Verkäufer machen auf den Weihnachtsmärkten besonders gute Geschäfte. Ihre Umsätze halten sie meisten streng geheim – sie müssen laut Arens aber vier- bis fünfmal so viel Standgeld zahlen wie andere Händler. „Die Großverdiener subventionieren die Kleinen“, sagt der Schausteller-Präsident, der auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt selbst Grillschinken verkauft. Quelle: dpa
Händler erwarten dagegen kein so gutes Jahr. Es gebe ein Überangebot, deswegen gingen die Preise runter, heißt es bei den Christbaum-Erzeugern im Sauerland. Sie rechnen mit zehn Millionen Euro weniger Umsatz. Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger rund 23 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Das sind 1,5 Prozent weniger als 2013. Ein Baum kostet je nach Art zwischen acht und 22 Euro pro Meter. Quelle: dpa
Ob Adventskalender, Nikoläuse oder Marzipan - „die Weihnachtszeit ist die wichtigste Zeit im Jahr“, heißt es beim Bundesverband der Süßwarenindustrie. Im vergangenen Jahr wurden allein 146 Millionen Schoko-Nikoläuse produziert. Die weltweit größten Hersteller sitzen nach Verbandsangaben in Deutschland. Quelle: dpa
Hersteller machen ihr Hauptgeschäft ebenfalls in der Weihnachtszeit. Die Aachener Firma Lambertz ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von Weihnachtsgebäck. Zu Gewinn und Kiloverkauf schweigt sie. In der vergangenen Weihnachtssaison habe es aber ein Umsatzplus von 2,5 Prozent gegeben. Bei Lebkuchen, der etwas teurer wurde, stagniere der Markt auf einem sehr hohen Niveau. Lebkuchen ist nach Branchenangaben vor Spekulatius, Stollen und Dominosteinen das beliebteste Gebäck in der Weihnachtszeit. Im vergangenen Jahr produzierten deutsche Hersteller 92.640 Tonnen sogenannte feine Backwaren. Quelle: dpa
Geschäfte machen nach Angaben des Bundesverbands Spielwaren-Einzelhandel rund 40 Prozent ihres Umsatzes in der Weihnachtszeit. Für die gerade beginnende Saison sind die Händler optimistisch, vor allem, weil das Geschäft in den vergangenen Monaten gut lief. Doch seit auch Drogerien, Buchhandlungen und Discounter Spielzeug verkaufen, gibt es relativ viel Preiskampf in der Spielwarenwelt. Quelle: REUTERS

Nestlé Managerin Groll erklärt, das Unternehmen habe 2015 gegenüber dem Handel die Preise nicht erhöht. „2016 müssen wir, wie jeder Marktteilnehmer, die Entwicklungen von Kostenstrukturen und anderen Faktoren verfolgen und dort, wo nötig, reagieren.“ Rübezahl-Sprecher Schäfer beklagt höhere Preise für Haselnüsse und Mandeln, zudem sei der Kakaopreis 2015 um bis zu 30 Prozent gestiegen. „Bei dem ohnehin äußerst preissensiblen deutschen Lebensmittelmarkt müsste jedem klar sein, dass dies unausweichlich zu Preiserhöhungen führen muss.“

Die deutlichsten Worte findet Klett-Chef Ulf Baum: „Eine Erhöhung der Schokoladenpreise für 2016 ist aufgrund der Entwicklung am Rohstoffmarkt nicht zu vermeiden.“ Der Preis für Kakaobutter - einem Verarbeitungsprodukt der Kakaobohnen - sei „dramatisch gestiegen“ und das Vollmilchpulver sei „auf dem Weg nach oben“. Ritter-Sport-Chef Ronken will das Unternehmen unabhängiger vom Weltmarkt machen. Sein Rezept: eigener Anbau in einem nachhaltigen Agroforst-System. 2011 kaufte die Firma brachliegende Weideflächen.

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Die Aufzucht und der Anbau von 1,5 Millionen Kakaopflanzen kommen gut voran, 2020 könnte es eine Vollernte auf der 1500 Hektar großen Nutzfläche geben - bis zu 40 Prozent des Ritter-Sport-Bedarfs an Kakao sollen dann aus dem Eigenanbau gedeckt werden. Es ist ein Mammutprojekt: Verhebt sich der Mittelständler Ritter Sport damit nicht? „Natürlich haben wir ein Agrarrisiko - wir haben durch Dürre auch schon Pflanzen verloren“, sagt Ronken. „Aber das Risiko ist händelbar.“ Frühestens 2025 werde sich die Großinvestition für das Familienunternehmen rechnen. „Man muss Schokolade im Blut haben, um auf so ein Langzeit-Investment zu setzen.“

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