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Schlecker-Pleite „Schlecker wurde sehr sparsam geführt“

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"Aber solche Dimensionen hatte ich nicht erwartet,..."

Hätten Sie das am Anfang gedacht?
Natürlich habe ich geahnt, dass es ein Mammutverfahren werden könnte. Aber solche Dimensionen hatte ich nicht erwartet, und auch die Wahrnehmung des Falls in der Öffentlichkeit habe ich unterschätzt. 2012 fiel der Name Schlecker in den Medien öfter als der von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Warum hat der Fall solche Wellen geschlagen?
Es kommen mehrere Faktoren zusammen: Durch Tausende Läden in Deutschland und Europa war die Marke omnipräsent. Jeder kannte den Schriftzug Schlecker. Es gab im Vorfeld jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft Verdi und einen verschwiegenen Patriarchen, der den Konzern steuerte. Das war Öffentlichkeitswirkung pur, jeder sagte: „Was für ein Drama“, und wir mussten uns in dem Chaos zunächst einen Überblick verschaffen.



Wann haben Sie von Ihrer Bestellung zum Schlecker-Insolvenzverwalter erfahren?
Am Freitag vor dem eigentlichen Insolvenzantrag hat sich das zuständige Gericht bei mir gemeldet und abgefragt, ob die Kanzlei über ausreichend Kapazitäten für ein solches Großverfahren verfügen würde. Insofern hatten wir die Chance, uns an dem Wochenende intern vorzubereiten. Als am Montag dann der offizielle Beschluss vorlag, sind wir direkt mit 22 Mitarbeitern unserer Kanzlei ins Unternehmen gegangen. Das war auch notwendig, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Was waren dabei Ihre wichtigsten Aufgaben?
Wir mussten in 6000 Filialen die Ware sichern und die Betriebsfortführung organisieren. Wir konnten die Mitarbeiter nur über Fax oder indirekt über die Presse erreichen, weil es keine internen Kommunikationsmittel wie Intranet gab. Zudem war die Rechtsform äußerst ungewöhnlich für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Das Unternehmen wurde sehr sparsam geführt, die Verwaltung war ungefähr nur ein Drittel so groß wie vergleichbare Unternehmen. Das erschwerte unsere Arbeit, da wir viele Daten selbst erheben mussten. Anton Schlecker führte den Konzern als Einzelkaufmann – mit allen Konsequenzen. Er haftet mit seinem Privatvermögen für die Drogeriekette.

Dadurch sind Sie auch Insolvenzverwalter des Privatmanns Anton Schlecker. Wie oft sehen Sie ihn?
Ich glaube, dass es weder für Herrn Schlecker noch für mich Sinn machen würde, wenn wir uns allwöchentlich zum Kaffeetrinken treffen würden. Ich habe regelmäßig mit seinem Anwalt zu tun. Alle Unterlagen oder Auskünfte, die ich benötige, bekomme ich umgehend.

Anton Schlecker wohnt in einer Villa und fährt Porsche. Das ist kaum die normale Grundausstattung eines Privatpleitiers.
Herrn Schlecker gehören diese Vermögensgegenstände nicht.

Aber seiner Familie.
Es gibt zum Glück keine Sippenhaft im deutschen Recht. Wenn ihn seine Kinder oder seine Ehefrau während des Insolvenzverfahrens unterstützen, dann schadet das in keiner Weise den Gläubigern und ist von mir auch nicht zu beanstanden. Solange die Wohlverhaltensphase läuft, gilt für Herrn Schlecker das Gleiche wie für jeden anderen Privatschuldner. Er muss in dieser Zeit mit den Gläubigern kooperieren und sein Vermögen offenlegen.

Wann wird Schlecker von seinen restlichen Schulden befreit?
Die Wohlverhaltensphase von Herrn Schlecker endet im kommenden Jahr. Im Normalfall wird dann die sogenannte Restschuldbefreiung erteilt. Spielen die Gläubiger mit, wäre Herr Schlecker 2018 wieder schuldenfrei.

Davon ist bei 20.000 Gläubigern und ihrer Wut auf Schlecker kaum auszugehen.
Falls einzelne Gläubiger gegen die Restschuldbefreiung vorgehen, muss das Insolvenzgericht über den Fall entscheiden und beurteilen, ob ein Grund für die Versagung der Restschuldbefreiung vorliegt oder nicht.

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