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Schon wieder leere Regale? Kraft Heinz und Edeka streiten offenbar über Preise

Edeka soll schon wieder mitten in einem Preiskampf befinden: Dieses Mal gibt es offenbar Streitigkeiten mit dem Ketchup-Hersteller Kraft Heinz. Quelle: dpa

Ist das der nächste Preiskampf zwischen Edeka und einem globalen Hersteller? Offenbar streitet Edeka mit Kraft Heinz über Preise und beide Unternehmen bleiben stur. Die Folge: Es drohen wieder einmal Lücken im Regal.

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Vor ziemlich genau einem Jahr ging es gegen Nestlé, vor einigen Monaten waren dann Red Bull und Mars an der Reihe. Und nun soll sich Deutschlands größter und somit mächtigster Supermarktbetreiber mit dem nächsten globalen Konzern anlegen: Edeka liegt offenbar im Zwist mit dem Ketchup-Hersteller Kraft Heinz. Das berichtet die „Lebensmittel Zeitung“ (LZ). In den Edeka-Regalen tun sich demnach bereits große Lücken auf, weil Kraft Heinz den Einzelhändler nicht mehr mit Ketchup und Saucen beliefert.

Am Ende der vorangegangen Preiskämpfe gaben die Hersteller unter Edekas Druck nach: Mit Nestlé einigte sich Edeka auf günstigere Preise. Und auch die Produkte von Mars kehren zurzeit wieder in die Supermärkte zurück. Doch bei dem Streit mit Kraft Heinz sieht es nun wohl etwas anders aus: Denn laut dem Bericht der „LZ“ lässt nicht Edeka seine Macht spielen, um den Hersteller zu günstigen Preisen zu zwingen. Vielmehr soll Kraft Heinz die Lieferbeziehungen beendet haben, weil Edeka eine Preiserhöhung nicht akzeptieren wollte. In den vorangegangenen Konflikten hatte Edeka Produkte von Nestlé, Mars und Red Bull ausgelistet.

Nun geht es um die Frage, welchen der Akteure der Abbruch dieser Geschäftsbeziehungen teurer zu stehen kommt und wer mehr Macht ausüben kann. Etwa Edeka, der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler mit einem jährlichen Umsatz von 55,9 Milliarden Euro in diesem Segment? Oder doch der Konzern Kraft Heinz mit mehr als 200 produzierten Marken an Bord, hinter dem Finanzinvestor Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft steht? Laut dem Bericht der „LZ“ liegt der Marktanteil von Kraft Heinz für Markenketchup in Deutschland bei 46,7 Prozent. Damit ist Kraft Heinz Marktführer. Der hiesige Ketchup-Markt sei circa 175 Millionen Euro groß, jeder zweite Edeka-Kunde kaufe Ketchup des US-Herstellers, heißt es bei der „LZ“.

Und dennoch bleibt Edeka trotz dieser Zahlen offenbar stur und will die Preiserhöhung, die Kraft Heinz mit einer „Mehrwertstrategie für den deutschen Markt“ begründen soll, offenbar nicht hinnehmen: Die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet, dass Edeka bereits eine eigenes Ketchup- und Saucenlabel namens „Papa Joe's“ kreiert, dass im Sommer pünktlich zur Grillsaison in die Regale kommen soll.

Auf Anfrage der WirtschaftsWoche bestätigte Edeka die Recherchen der „LZ“ „weitestgehend“, wollte sich aus wettbewerbstechnischen Gründen jedoch nicht weiter dazu äußern.

Den fehlenden Edeka-Umsatz könnte Kraft Heinz momentan übrigens gut gebrauchen: Der Nahrungsmittelkonzern schreibt nämlich gut 15 Milliarden Dollar ab und hat eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC am Hals. Die Behörde nehme bereits seit Oktober die Rechnungslegung und die internen Kontrollen des Konzerns unter die Lupe, teilte das Unternehmen erst am Donnerstagabend bei der Bilanzvorlage mit. Wegen der Milliardenabschreibung und steigender Rohstoffkosten machte der Hersteller von Heinz-Ketchup und Philadelphia-Frischkäse 2018 einen Nettoverlust von 10,3 Milliarden Dollar. Die Aussichten bleiben mau, die Quartalsdividende wird um gut ein Drittel gekürzt.

Die Serie an Hiobsbotschaften ließ die Aktie im nachbörslichen US-Handel um 20 Prozent auf ein Rekordtief abstürzen. Das ist auch ein herber Rückschlag für den US-Starinvestor Buffett, der die Fusion der Lebensmittelkonzerne Kraft und Heinz im Jahr 2015 maßgeblich betrieben hatte. Kraft Heinz ist eines seiner größten Investments. In welche Unternehmen Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway noch investiert, sehen Sie hier:

So sieht das Portfolio von Warren Buffett aus

Den großen Nahrungsmittelkonzernen der Welt machen die sich rasch ändernden Konsumgewohnheiten zu schaffen. Weltweit setzen die Menschen zunehmend auf frische und regionale Lebensmittel und machen einen Bogen um Fertigprodukte. Deshalb schrieb Kraft Heinz den Wert seiner Marken im vierten Quartal um 15,4 Milliarden ab. Der fünftgrößte Nahrungsmittelkonzern der Welt sei mit seinen schwachen Marken in einer schlechteren Lage als viele Konkurrenten, sagte Analyst Neil Saunders von Global Data Retail.

Besserung ist zunächst nicht in Sicht. „Wir erwarten 2019 Rückschritte“, gestand Finanzchef David Knopf ein. Im laufenden Jahr rechnet er mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 6,3 bis 6,5 Milliarden Dollar – gut eine Milliarde Dollar weniger als bislang von Analysten erwartet. 2018 ging das Ebitda wegen steigender Kosten um acht Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar zurück.

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