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Schuhkonzern Deichmann Online-Angebot in Deutschland soll ausgebaut werden

Exklusiv
Heinrich Deichmann leitet seit 1999 den Essener Familienkonzern. Weltweit beschäftigt er rund 40.000 Mitarbeiter. Quelle: Selina Pfrüner für WirtschaftsWoche

Europas größter Schuhhändler Deichmann ist auf Expansionskurs. Nächstes Ziel: der Nahe Osten und die arabische Welt. In Deutschland soll vor allem das Online-Geschäft ausgebaut werden – ohne den Giganten Amazon.

Europas größter Schuhhändler Deichmann will in neue Länder expandieren. „So wie wir in der Vergangenheit von Österreich aus in ganz Mittel- und Südosteuropa gewachsen sind, wollen wir aus der Türkei heraus in den Nahen Osten und die arabische Welt expandieren“, kündigte Unternehmenschef Heinrich Deichmann im Interview mit der WirtschaftsWoche an.

So gebe es schon seit einiger Zeit Überlegungen für Filialen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Dort leben nicht nur viele Luxuskäufer, sondern noch mehr einfache Arbeiter und andere Menschen, die günstig Schuhe kaufen wollen oder müssen“, sagte Deichmann. „Mittelfristig kann ich mir Deichmann-Filialen im Nahen Osten gut vorstellen.“ Auch der chinesische Markt, der für Deichmann bisher nur als Produktionsstandort wichtig ist, reizt den Schuhunternehmer. „Eine Option wäre es, dort zunächst mit einem Onlineshop zu starten und Erfahrungen zu sammeln. Das machen derzeit ja einige deutsche Händler und das könnte auch ein Modell für Deichmann werden“, sagte Deichmann.

In Deutschland, wo der Unternehmer „nur noch vereinzelt weiße Flecken“ für neue Filialen sieht, soll das Online-Geschäft ausgebaut werden. Dabei könnte Deichmann ähnlich wie der Wettbewerber Zalando künftig auch Bekleidung anbieten. „Das ist ein Ansatz für die Zukunft“, sagte Deichmann, „zunächst bemühen wir uns, unser Schuh-Angebot auszubauen“. Der Online-Umsatz wachse „seit vielen Jahren beständig im mittleren zweistelligen Bereich“, so Deichmann. „Anders als die meisten Wettbewerber sind wir im Netz hoch profitabel.“

Kooperationen mit dem Onlinehändler Amazon seien derzeit „kein Thema für uns“, so Deichmann. „Ich kann auch Unternehmen wie Birkenstock gut verstehen, die nicht bei Amazon vertreten sein möchten“. Durch die Präsenz bei Amazon gebe man „ein Stück seiner Markenhoheit ab“. Das Essener Familienunternehmen Deichmann, das inzwischen weltweit fast 4000 Filialen betreibt, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro.

„Hilferuf“ der Essener Tafel

Auch in die Diskussion um die Essener Tafel schaltet sich der Schuhunternehmer ein. Die Hilfsorganisation hatte vorübergehend Ausländer als Neukunden bei der Essensausgabe abgelehnt und dies mit dem hohen Anteil an Ausländern unter ihren Kunden begründet. Deichmann wertete den Schritt als "Hilferuf". „Die Tafel wurde überrannt und das Gefühl entstand, dass diejenigen, die das Angebot in der Vergangenheit genutzt haben, jetzt zu kurz kommen“, sagte der Essener Unternehmer. Es dürfe aber nicht darum gehen, die eine Gruppe gegen die andere auszuspielen. "Man sollte sehen, dass überhaupt möglichst wenige Menschen diese Hilfeleistungen brauchen", so Deichmann. "Das berührt auch das Thema der Integration von Flüchtlingen und da müssen wir uns alle noch mehr anstrengen."

Sich kulturell und sozial in Deutschland einzufügen sei wegen Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschieden "keine einfache Übung", so Deichmann. "Da brauchen alle Beteiligten Ausdauer und Geduld, damit hier keine Parallelgesellschaften von nicht integrierten Menschen entstehen." Deichmann engagiert sich seit Jahren stark für soziale und karitative Belange, unter anderem in der Flüchtlingshilfe.
Der Vorstand des Trägervereins der Essener Tafel hatte am Dienstag beschlossen, dass Berechtigungskarten künftig wieder unabhängig von der Nationalität vergeben werden sollen.

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