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Schulte Group Das ist die deutsche Reederei, deren Tanker angegriffen wurde

Die Kokuka Courageous ist eines von zwei Schiffen, die im Golf von Oman angegriffen wurden. Es gehört der Hamburger Reederei Schulte. Quelle: dpa

Im Golf von Oman wurden zwei Handelsschiffe angegriffen. Eines der Tanker gehört der Hamburger Reederei Schulte Group. Wer steckt dahinter?

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Das Gebäude ist schmucklos, die Aussicht dafür standesgemäß. Direkt gegenüber den Landungsbrücken im Hamburger Hafen hat die Reederei Schulte Group ihren Sitz. Das Familienunternehmen gilt als verschwiegen, wie so oft in den hanseatischen Kaufmannskreisen. 1883 wurde das Unternehmen in Papenburg gegründet. „Die Schulte Familie weiß, was es bedeutet, Schiffe zu besitzen und zu betreiben: Das steckt in unserem Blut“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Plötzlich steht die Reederei aus Hamburg im Fokus. Im Golf von Oman, rund 26 Kilometer von der iranischen Küste entfernt, wurde ein Tanker unter dem Schulte Management von einem explosiven Geschoss getroffen. Die USA vermuten den Iran hinter der Attacke. Es droht die Eskalation der Gewalt in der krisengeschüttelten Region.

Warum nun ausgerechnet ein Schiff einer deutschen Reederei getroffen wurde? Man weiß es nicht. Das Schiff mit dem Namen Kokuka Courageous sei stabil und manövrierfähig, heißt es bei dem Unternehmen. Und: „Wir danken der Crew der USS Bainbridge“, die bei der Rettungsaktion für das Schiff und die Besatzung geholfen hätten. 21 Crew-Mitglieder seien wohlauf, nur eine Person sei leicht verletzt, bestätigte ein Sprecher.

Der Vorfall ist nicht der erste, den das Unternehmen Schulte meistern muss. „Emergency Responce“ ist eine feste Rubrik auf der Firmenwebseite, um „weiterführende Informationen über einen aktuellen Vorfall“ zu erhalten. Die Handelsrouten durch den Golf von Oman gelten als riskant. In den Gewässern vor Somalia kommt es immer wieder zu Angriffen von Piraten. Der Tanker Kokuka Courageous, der Methanol geladen habe, sei nun sicher auf dem Weg nach Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Schulte ist ein durchaus relevanter Wettbewerber im Markt. Die Schulte Group besteht aus mehreren Geschäftsbereichen. Der Reederei selbst gehören 95 Schiffe ganz oder teilweise, die das Unternehmen durch die Weltmeere fahren lässt. Darunter zum Beispiel 48 Containerschiffe mittlerer Größe, acht Öl- beziehungsweise Gastanker und 14 Massengutschiffe. 2015 stiegen die Hamburger außerdem in die Instandhaltung von Offshore-Windparks ein und ließen dafür zwei Schiffe bauen.

Ein weiterer Arm ist das Management der externen Schiffe. Die Schulte-Tochtergesellschaft Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) stellt als Dienstleister die Crews und managt die Flotten. Derzeit hat das Unternehmen rund 600 Schiffe unter Vertrag und beschäftigt damit laut eigenen Angaben weltweit rund 20.000 Mitarbeiter - sowohl in der Verwaltung an Land als auch die Crews an Bord. So gehören etwa zehn Büros weltweit zum Unternehmen, neben Hamburg zum Beispiel in Hong Kong, Singapur und Mexiko City. Auch der geschädigte Tanker Kokuka Courageous ist unter dem Management von BSM gefahren.

Die Hamburger Reederei ist Krisen durchaus gewohnt. Wegen der Schifffahrtskrise in den Achtzigerjahren musste die Schulte Group damals rund ein Viertel ihrer damals 30 Schiffe zählenden Flotte aufgeben. Im März dieses Jahres soll sich Schulte laut „Hamburger Abendblatt“ aus dem Venezuelageschäft zurückgezogen haben. Bis dahin betrieb BSM über ihre zypriotische Niederlassung 13 Tankschiffe der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA. Wegen der Sanktionen soll es zu Zahlungsrückständen in Höhe von mehreren Millionen Euro Euro gekommen sein und die Schiffe wurden von Gläubigern in ausländischen Häfen festgesetzt.

Mitunter haben die Hamburger gezeigt, dass sie aus der Not eine Tugend machen können. Nach der Finanzkrise 2009 geriet die Schifffahrtsbranche in eine regelrechte Abwärtsspirale. Normalerweise werden Containerschiffe und Tanker über eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahre kalkuliert und finanziert. Als der Welthandel einbrach, sank auch der Wert der Schiffe.

Die Schulte-Tochter BMS hat sich 2013 mit Konkurrent E.R. Capital Group zusammen getan, um gebrauchte Schiffe preiswert aufzukaufen und später mit Gewinn wieder zu verkaufen. Ian Beveridge, Chef der Schulte Group, sagte damals dem „Handelsblatt“, er wolle so die Abwärtsspirale abbremsen.

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