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Schutzschirm-Insolvenz Käthe Wohlfahrt kann weitermachen

Käthe Wohlfahrt Pop-Up Store Hamburg Quelle: obs

Die Auswirkungen der Coronakrise trafen den Weihnachtsschmuckanbieter Käthe Wohlfahrt hart. Doch jetzt haben die Gläubiger den Weg für eine Rettung des Familienunternehmens frei gemacht.

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Die Pandemie traf Käthe Wohlfahrt mit voller Wucht. Wegen des Lockdowns waren nicht wie in den Vorjahren Tausende Besucher in die Glitzerwelten des Familienunternehmens geströmt, um die Advents- und Weihnachtsartikel zu kaufen, mit denen die Firma handelt. Auch Weihnachtsmärkte und eigene Filialen fielen für den Verkauf von Krippenfiguren, Baumschmuck und Nussknackern 2020 aus. Die Folge: Drei Tage vor Heiligabend startete Käthe Wohlfahrt in ein Schutzschirminsolvenzverfahren. Doch schon bald könnte das Unternehmen das Verfahren wieder hinter sich lassen. Die Gläubiger haben heute dem Insolvenzplan zugestimmt und damit den Weg geebnet für den Fortbestand der Traditionsfirma. 

Der Plan sieht für die ungesicherten Gläubiger eine Insolvenzquote von insgesamt 37 Prozent vor. Die bisherige Inhaberfamilie Wohlfahrt soll weiterhin 100 Prozent der Gesellschaftsanteile halten. Zugleich soll es operative Einschnitte geben. So schließt Käthe Wohlfahrt insgesamt sechs der 22 Läden in Deutschland, darunter fünf Souvenirgeschäfte. Rund 20 der 280 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. 

Der Betrieb der Weihnachtswelten in Berlin, Oberammergau, Heidelberg, Rüdesheim, Nürnberg, Bamberg und vor allem in Rothenburg ob der Tauber mit dem bekannten Weihnachtsdorf werde dagegen weitergeführt, teilte Matthias Kühne, Partner der Kanzlei Nickert in einer Pressemitteilung mit. Kühne hat das Unternehmen im Schutzschirmverfahren federführend beraten. Daneben begleitete die Beratungsgesellschaft Struktur Management Partner unter Leitung von Georgiy Michailov das Unternehmen bei der Erstellung des Sanierungskonzeptes für die Betriebsfortführung. Als Sachwalter war Insolvenzspezialist Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun im Einsatz, um die Interessen der Gläubiger zu wahren.

Die Gläubiger würden eine „überdurchschnittlich hohe Quotenzahlung“ erhalten, „der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt und das Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt bleibt erhalten“, sagte Böhm. Auch Geschäftsführer Harald Wohlfahrt zeigte sich erfreut, über den ersten, wichtigen „Schritt aus der Corona-bedingten Krise“. Nun soll der Sanierungsplan zügig umgesetzt werden. 

Die Restrukturierungsmaßnahmen sehen neben den Filialschließungen auch eine Straffung des Sortiments und den Ausbau des Onlinegeschäfts vor. „Es ist mein Ziel das Unternehmen am Ende des Sanierungszeitraumes solide und gesund an die dritte Generation weiter zu reichen“, kündigte Harald Wohlfahrt an.

Mehr zum Thema: Letzte Hoffnung E-Commerce: Um Umsatzausfälle durch Ladenschließungen zumindest teilweise zu kompensieren, setzen inzwischen auch viele kleine Händler auf Onlineshops und -Marktplätze.

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