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Schwedischer Moderiese Aktienkäufe der Eigentümerfamilie befeuern Gerüchte über Börsenrückzug von H&M

H&M-Chefaufseher Persson kauft große Anteile des eigenen Unternehmens. Analysten spekulieren nun, dass er den Konzern von der Börse nehmen will.

Anteilskäufe: Verhalten von H&M-Chef befeuert Delisting-Gerüchte Quelle: Reuters

StockholmSpekulationen um ein Delisting von H&M leben wieder auf. Grund dafür ist das Verhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Persson. Der Milliardär kauft immer wieder Anteile des schwedischen Einzelhandels-Giganten.

Im Mai hat Persson bisher 3,5 Milliarden Schwedische Kronen (401 Millionen US-Dollar) für H&M-Aktien ausgegeben, damit hält er ungefähr 736 Millionen Anteile. Im gesamten Jahr hat er bisher 6,4 Milliarden Kronen für Aktien ausgegeben.

Durch diese Käufe kontrollieren Persson und seine Familie jetzt 44,5 Prozent des Konzerns. Kombiniert mit den Anteilen seiner Schwester Lottie Tham sind es sogar 49,9 Prozent. Gemeinsam hielten die Geschwister Ende April 75 Prozent der Stimmrechtsanteile von H&M.

Schwedische Zeitungen mutmaßen nun, dass Persson die alle Konzernanteile aufkaufen und H&M wieder in Privatbesitz nehmen will. Der Chefaufseher und sein Sohn, der Vorstandsvorsitzende Karl-Johan Persson, haben diese Gerüchte mehrfach zurückgewiesen.

Einige Analysten glauben, dass Stefan Persson nur die Dividende reinvestiert, die ihm seine H&M-Anteile dieses Jahr einbringen. Diese liegt bei ungefähr sieben Milliarden Kronen. Stimmt die Überlegung, würde Persson bald mit den Anteilskäufen aufhören.

Dafür spricht auch, dass Persson seine Dividenden in vergangenen Jahren ähnlich reinvestiert hat. „Die Persson-Familie ist nicht für schnelle Deals bekannt“, sagt Asa Wesshagen, die für den schwedischen Aktionärsbund SSA Unternehmen beobachtet. Doch da sich Perssons Aktienkäufe offenbar intensivieren, fragen sich viele Analysten, ob dieses Mal nicht alles anders aussehen könnte.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Familienübernahme ist nicht sehr groß. „Der Kaufrausch von Persson legt aber nahe, dass das Szenario wahrscheinlicher ist als noch vor einem Jahr“, sagt ein H&M-Analyst aus Stockholm, der nicht namentlich genannt werden möchte. Demnach wäre die Familie fähig, einen solchen Deal umzusetzen.

Joacim Olsson, Vorstandschef der SSA, will das Szenario nicht ausschließen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sei es aber unwahrscheinlich. „Wenn er seinen Anteil kontinuierlich weiter aufbaut, fehlt ihm zum endgültigen Kauf meiner Meinung nach nicht mehr viel“, sagt Olsson. „Doch aktuell reden wir noch über riesige Summen.“

Mit einem Marktkapital von 240 Milliarden Kronen (23 Milliarden Euro) ist H&M das fünftgrößte schwedische Unternehmen. Um es in Privatbesitz zu nehmen, müssten Persson und seine Schwester weitere 50 Prozent der Anteile kaufen und dafür 120 Milliarden Kronen (11,6 Milliarden Euro) ausgeben.

Laut Wesshagen hätte Persson aber mehrere Optionen für ein Delisting. Entweder könnte er selbst auf den gesamten Konzern bieten oder eine Private-Equity-Firma um Finanzierungshilfe bitten. Außerdem könnte er H&M ein Aktienrückkaufprogramm starten lassen, sollten die Finanzen des Textilgiganten es erlauben. Eine weitere Option: H&M durch eine andere Firma übernehmen zu lassen und dann deren Aktien zu kaufen.

Eine fremdfinanzierte Übernahme scheint allerdings unwahrscheinlich. Schließlich hat H&M mehrfach öffentlich das Ziel betont, eine starke Kapitalstruktur mit hoher Liquidität und finanzieller Flexibilität zu besitzen.

Eine schwedische Regel verpflichtet Investoren, ein formelles Angebot zu machen, sobald sie mehr als 30 Prozent eines Unternehmens übernehmen. Für Persson gilt diese allerdings nicht. Er besaß bereits mehr Anteile, als die Regel vor zehn Jahren in Kraft trat.

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