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Serie Wirtschaftswelten 2025 Jetzt rüsten Deutschlands Händler auf

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Das Online-Geschäft glänzt mit stürmischem Wachstum

Wie Rewe versuchen fast alle großen Händler, den Anschluss zu halten. Mitte Februar hat der Düsseldorfer Metro-Konzern ein Start-up-Programm aufgelegt, um sich den Zugriff auf digitale Geschäftsmodelle zu sichern. Die Hamburger Otto-Gruppe macht einen dreistelligen Millionenbetrag locker, um einen vor allem auf Smartphone-Nutzer ausgerichteten Modeshop namens About You hochzuziehen. Und die Tengelmann-Gruppe (Obi, Kik) investiert seit Jahren Millionenbeträge in vielversprechende Online-Händler, darunter den Boutiquen-Schreck Zalando und den Kinderausstatter Baby-Markt.de.

Kein Wunder: Während der stationäre Handel lahmt, glänzt das Online-Geschäft mit stürmischem Wachstum. Seit 2004 hat sich der E-Commerce-Umsatz in Deutschland von 13 auf 39 Milliarden Euro verdreifacht. Die zunehmende Nutzung von Smartphones, immer schnellere und passgenauere Lieferzeiten sowie der Wandel von gelegentlichen Online-Käufern zu Netzstammkunden könnten dafür sorgen, dass sich der Wert bis 2025 nochmals verdoppelt bis verdreifacht, erwarten Experten. Fast jeder vierte Euro würde dann nicht mehr in klassischen Läden, sondern im Netz umgesetzt.

Das Smartphone als Einkaufsbegleiter
Wo das Smartphone beim Einkauf zum Einsatz kommtVirtueller SupermarktDie Schweizer Handelskette Coop betreibt in Zürich den ersten virtuellen Supermarkt. Passanten können im Vorbeigehen auf der bunten Plakatwand das gewünschte Produkt via Smartphone einscannen und bezahlen, und erhalten den Einkauf wenige Stunden später nach Hause geliefert. Quelle: Pressebild
Produkt-ScannerDas Berliner Startup Barcoo hat eine gleichnamige App veröffentlicht, die dem Benutzer, neben den gängigen Packungsangaben, zusätzliche Informationen zu Produkten liefert. Scannt der Benutzen den Barcode eines Artikels ein, gibt die App Auskunft über Testberichte, CO²-Bilanzen, Allergenen sowie Herkunft der Inhaltsstoffe, und findet dank Preisvergleich zudem den günstigsten Anbieter. Quelle: Pressebild
Drive-in-EinkaufIn einem Real-Markt in Köln-Porz entfällt künftig auch das Schleppen der Einkäufe. Die gewünschten Produkte werden per Smartphone eingescannt, anschließend wird der Einkauf bequem an einem Drive-In-Schalter bezahlt. Supermarkt-Helfer bringen daraufhin den Einkauf bis ans Auto. Quelle: Pressebild
Mobile BestellungBei der US-Imbisskette The Melt entfällt künftig das Warten an der Theke. Per App lässt sich das gewünschte Mittagessen vorbestellen und bezahlen, der Kunde braucht es anschließend nur noch im Lokal abzuholen.
Virtueller KleidertauschMit der App der Modekette Debenhams kann man sich den Gang in die Umkleidekabine sparen. Das Sortiment des Geschäfts lässt sich bequem auf dem Smartphone oder Tablet durchstöbern - und sogar anprobieren. Quelle: Pressebild
Der AufbauhelferKünftig hilft das Smartphone auch bei der Montage von Möbeln. Wirft die handelsübliche Bauanleitung eines Möbelstücks mehr Fragen auf , als sie klärt, reicht ein kurzes Berühren des Papiers mit dem Handy, und ein Montagevideo wird abgespielt. Quelle: Pressebild

Nerdige Konsumutopie?

Große Innovationsschübe sind da nicht einmal einkalkuliert. Was passiert etwa, wenn künftig immer mehr Konsumenten ihre Liebe zum 3-D-Druck entdecken und sich für Hausrat und Schmuck nur noch Designvorlagen aus dem Netz herunterladen? Oder wenn Fernsehen und Internet komplett verschmelzen und ein Zuruf zum Monitor ausreicht, um das Kleid zu bestellen, in dem „Germany’s Next Top Model 2025“ gerade über den TV-Laufsteg stakst?

Abwegige Vorstellungen? Vor ein paar Jahren noch galt die Idee, Waren übers Netz zu bestellen, bestenfalls als nerdige Konsumutopie. Wenig später begann mit dem Verkauf von Büchern und CDs der Siegeszug des E-Commerce. Dass der nicht zu stoppen ist, steht für Online-Euphoriker wie Oliver Samwer, Chef der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet, fest: „Einkaufshäuser sind etwas aus der Zeit um Christi Geburt. Es gibt sie nur, weil es früher kein Internet gab“, hielt er der versammelten europäischen Handelsprominenz im vergangenen Sommer auf dem Konsumgüterforum in Paris vor. Derweil ein Raunen durch den Kongresssaal ging, fügte er noch an: „Das bedeutet nicht, dass es ein Recht auf ihre Existenz gibt.“

Der Online-Boom hinterlässt Spuren. Vor allem die Lokalmatadore in Mittelstädten droht der digitale Sturm hinwegzufegen, zeigt eine Exklusivstudie im Auftrag der WirtschaftsWoche (Kostenpflichtiger Download) .

Informations- und Kaufverhalten der Deutschen

Shopping-Apps

Doch klar ist auch: Auf den Einkaufsmeilen der großen Metropolen ist vom großen Ladenschluss bis dato nichts zu sehen. Und kampflos wird sich die deutsche Handelsprominenz den Netz-Rivalen nicht geschlagen geben. Im Gegenteil: Nachdem das Gros der stationären Händler die Kundendrift ins Netz in den vergangenen Jahren zwar regelmäßig bedauerte, aber wenig tat, um sie zu stoppen, regt sich nun verstärkt Gegenwehr. Mittel der Wahl sind dabei Filial-Upgrades, die einen Zugang zum wichtigsten Begleiter der Kunden ermöglichen – dem Smartphone. Das Ziel: die Handys sollen zur Bonus- und Kreditkarte, zum Werbekanal, vor allem aber zum Datenlieferanten werden.

Der Schlüssel dazu sind Sensoren in den Geschäften sowie spezielle Shopping-Apps, also kleine Zusatzprogramme auf den Smartphones der Kunden. Die nennen sich Shopkick, Shopnow oder Yoints.

Über GPS orten sie den Standort des Nutzers. Mittels Bluetooth und der sogenannten Beacon-Technologie empfangen sie in Läden und Einkaufsstraßen seine Daten oder schicken ihm Nachrichten. Für das Betreten von Geschäften oder das Scannen bestimmter Produkte gibt es dann Bonuspunkte, die gegen Gutscheine eingetauscht werden können. Gewährt der Ladenbesitzer an einem verkaufsschwachen Wochentag besonders viele Bonuspunkte, lockt er zusätzliche Kunden in den Laden.

Was bedeutet überhaupt Multi-Channel?

Im besten Fall mehr Service

Doch die Apps sind weit mehr als Fernbedienungen für die Kundenfrequenz. Sie vermessen den Kunden zugleich und bieten im besten Fall mehr Service. „Hält sich ein Baumarkt-Kunde lange in dem Gang mit Bohrmaschinen auf, braucht er vielleicht Beratung“, sagt Ulrich Spaan vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. „Die App könnte das in Zukunft erkennen und einen Mitarbeiter benachrichtigen.“

Doch das ist nur der Anfang. Werden die Standortdaten über Shopping-Apps mit den persönlichen Informationen und der Kaufhistorie eines Kunden gefüttert, entsteht ein umfassendes Bild, das es dem Händler ermöglicht, den Konsumenten gezielt anzusprechen.

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