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Serie Wirtschaftswelten 2025 Jetzt rüsten Deutschlands Händler auf

Mit Shopping-Apps, elektronischen Preisschildern und Datenanalysen im großen Stil wollen Handelskonzerne die Abwanderung der Kunden ins Internet parieren. Welche Blüten die Aufrüstung im Handel treibt.

Handel auf allen Kanälen: E-Commerce und stationär Quelle: Getty Images

Die jüngste Attacke auf den deutschen Einzelhandel kommt etwas klobig daher: ein Nassrasierer von Gillette, drapiert auf einer dicklichen schwarzen Plastikablage. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht ein blau leuchtender Knopf mit der Aufschrift „Order“ an der Halterung. Stellt Mann morgens fest, dass der Vorrat an Rasierklingen zu Ende geht, genügt ein Knopfdruck. Tags darauf sollen neue Klingen im heimischen Briefkasten landen – bequem, schnell und ohne eigens einen Drogeriemarkt ansteuern zu müssen. Ein Funkchip im Gehäuse macht es möglich.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Hersteller von Kaffeekapseln, Staubsaugerbeuteln oder Zahnbürstenaufsätzen mit ähnlichen Ideen aufwarten und dem klassischen Handel wieder ein paar Millionen Euro Umsatz wegrasieren.

So geht es seit Jahren. Milliardenumsätze verlagern sich aus den Geschäften vor Ort – rein ins Netz, hin zu den Versandgiganten wie Amazon und Zalando, aber auch immer stärker in die Online-Shops von Markenherstellern.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

Der Trend wird sich in den kommenden Jahren noch beschleunigen. Keine Nische scheint zu klein, als dass sich nicht Internet-Angreifer mit Verve und reichlich Investorengeld auf sie stürzen würden. Selbst für Warengruppen, die noch vor Kurzem als Web-untauglich galten wie Brillen, Möbel oder Lebensmittel, ziehen Internet-Giganten und Start-ups neue Online-Marktplätze hoch, fabrizieren wie einst am Fließband die passenden Smartphone- und Tablet-Angebote.

Läden mit Web-Angeboten verknüpft

Doch die Platzhirsche der Citys schlagen zurück. Sie vernetzen, verzahnen und verknüpfen ihre Läden mit eigenen Web-Angeboten und rüsten ihre Shops zu Technologieparks hoch, die in Zukunft ganz neue Einkaufserlebnisse ermöglichen sollen.

Wie wäre es etwa mit Happy-Hour-Preisen, wenn der Laden gerade leer ist? Elektronische Etiketten, wie sie Rewe oder Media Markt derzeit flächendeckend in ihren Geschäften einführen, machen es in den kommenden Jahren möglich. Oder was wäre mit Sensoren in den Läden, die die Datenspuren von Handys auswerten und den Kunden direkt ansprechen? So sind Werbeattacken denkbar, die die personalisierten Shopping-Empfehlungen von Amazon aussehen lassen wie die Faltblatt-Reklame einer Pizzabude.

Ein technologisches und finanzielles Wettrüsten hat begonnen, das die Handelswelt von Grund auf verändern wird.

Lieferservice für Lebensmittel

Das Fabrikloft in Köln-Mülheim wirkt wie eine Mischung aus nüchternem Großraumbüro und Abenteuerspielplatz. An langen Reihen mit Computern sind junge Menschen in ihr digitales Tagwerk vertieft. Projektpläne und Ablaufskizzen zieren die Wände, die wie Tafeln bekritzel- und wieder abwaschbar sind. Weiter hinten führt eine Sprossenleiter hinauf zu einem schwarzen Netz. Beim Relaxen in der zu groß geratenen Hängematte sollen ausgelaugte Entwickler neue Kreativkraft tanken, gilt es doch, den Handelsriesen Rewe in die Zukunft zu befördern.

Das Thema ist Chefsache. „Wohin der Online-Zug fährt, weiß niemand genau, wie schnell er fährt, auch nicht“, umschrieb Rewe-Chef Alain Caparros kürzlich die Lage, „ich weiß nur, dass wir an Bord sein müssen.“ Wenn man so will, ist die Fabriketage in Köln-Mülheim nun der Bahnhof des Konzerns. Von hier aus baut Rewe seinen Lieferservice für Lebensmittel auf und lotet Beteiligungen an Start-ups aus.

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