WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Serie Wirtschaftswelten 2025 Jetzt rüsten Deutschlands Händler auf

Seite 3/3

Werbebotschaften auf dem Handy des Kunden

Software, die anhand von Bewegungsmustern, Daten und Wahrscheinlichkeiten latente Wünsche ermittelt, kann Werbebotschaften oder personalisierte Rabatt-Offerten sofort aufs Handy eines Kunden beamen, noch bevor sich bei ihm überhaupt ein klarer Wille zum Einkauf formt.

Wer dann im Supermarkt am Sektregal kurz zögert, muss mit Kaufinspirationen am Rande des Produkts-Stalkings rechnen: „Nur heute, nur für Sie: Moët & Chandon-Champagner im Sonderangebot. PS: Herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag!“

Datenschützern dürfte angesichts solcher Szenarien zwar die Feierlaune vergehen. Gut möglich, dass Konsumenten aber trotzdem mitspielen, solange Prämien und Rabatte locken. Auch im Internet haben sich Daten schließlich als eine Art Parallelwährung etabliert. Mal im Tausch gegen die Bequemlichkeit einer Google-Suche, mal um sich bei Facebook zu vernetzen.

Elektronische Preisschilder

Weniger umstritten sind elektronische Preisschilder, die in Zukunft etwa bei Media Markt und Saturn den Warenpreis anzeigen werden. Auf Knopfdruck sollen bald schon komplette Märkte mit neuen Preisen ausgeschildert werden, kündigte jüngst Olaf Koch, Chef des Mutterkonzerns Metro, im Interview mit der WirtschaftsWoche an. Damit könnten die Elektronikketten mit den viel häufigeren Preisschwankungen im Internet Schritt halten.

Langfristig sind auch unterschiedlich getaktete Preise für Fernseher und Computer je nach Tageszeit denkbar, um immer dann mehr Leute in den Markt zu locken, wenn gerade wenig Betrieb herrscht.

Auch Rewe setzt auf die elektronischen Schilder. Unlängst installierte der Konzern in seinen Supermärkten zudem neue Bezahlterminals mit sogenannten NFC-Schnittstellen. Die Nahfunk-Technologie sorgt für eine Verbindung zwischen dem Kassensystem und einem Funkchip im Handy. Zum Bezahlen muss ein Nutzer das Gerät nur kurz in Richtung Kassenterminal schwenken und den Betrag auf dem Display bestätigen. Auch Apples Bezahlsystem „Pay“, das im Frühsommer in Deutschland starten soll, setzt auf die Technik und könnte zum Türöffner für das bargeldlose Zahlen via Smartphone werden (WirtschaftsWoche 4/2015).

Wo wir uns freiwillig ausspionieren lassen
"Facebook" würde gerne auf Ihre Kontakte zugreifen?!Heutzutage kennt jeder der ein Smartphone hat Datenzugriffsanfragen wie diese. Egal ob iOS oder Android, für beide Betriebssystemen ist das Sammeln von Informationen wichtig. Meistens werden wir gefragt, ab und zu sammeln Apps aber auch ohne Berechtigung Daten und nutzen sie. Rechtlich dagegen vorzugehen ist schwierig, da die Unternehmen meist nicht aus Deutschland kommen. Rechtlich greift immer das Datenschutzgesetz des Landes, aus dem das Unternehmen kommt. Ganz egal, wo zum Beispiel ein soziales Netzwerk wie Facebook genutzt wird. Aber nicht nur Smartphones erstellen Nutzerprofile: In einer immer weiter vernetzten Welt kann selbst der Kühlschrank eine Aussage über Sie machen. Ganz unterschiedliche Arten von Daten können dabei verwertet werden. Quelle: dpa
Das "smarte" HausWas sich noch immer ein wenig nach Zukunftsmusik anhört, ist mancherorts schon längst Realität: ein voll vernetztes Haus, das für Sie einkauft und die Heizung an macht bevor Sie nach Hause kommen. Der Kühlschrank füllt sich je nach Einstellung automatisch oder es werden Ihnen vorsortierte Rezepte zur Auswahl geschickt. Dabei merkt sich das System genau, was im Kühlschrank schlecht wurde oder wann Sie gerne ein bestimmtes Nahrungsmittel essen. Steht Freitagsabends Fußball mit zwei Freunden in Ihrem Kalender, finden Sie nach der Arbeit für jeden zwei kalte Bier vor. Hört sich erstmal gar nicht so schlecht an, aber das es irgendwo ein Ernährungsprofil von Ihnen gibt, lässt vielleicht doch zu Denken übrig. Quelle: dpa
Datenkrake AutoVW-Chef Martin Winterkorn machte dieses Jahr im Rahmen der CEBIT auf das Potential und Risiko von datensammelnden Automobilen aufmerksam. Neue Automobile, die die Rechenleistung von mehreren Heim-Computern haben, würden mittlerweile so viele Daten sammeln, das man Richtlinien brauche. Daten dieser Art könnten, falls sie zugelassen werden, das komplette Versicherungssystem revolutionieren: die Versicherungsprämie würde sich nach den vom Auto übermittelten Fahrerprofil richten. Schlechte Autofahrer würden dann mehr zahlen, gute weniger. Um Missbrauch und der langsamen Rechtsprechung vorzubeugen, schlug Winterkorn freiwillige Normen der Autobauer vor. Quelle: dpa
"Kostenlose" AppsKostenlos sind die meisten Apps ganz und gar nicht. Es wird nur in anderen Währungen bezahlt: entweder Zeit oder Daten. Ob man darauf einen Preis setzen will bleibt jedem selbstüberlassen, die App Betreiber kassieren auf jeden Fall für beides. Läuft beispielsweise zwischen zwei Spiellevels ein kleiner Werbeclip lassen sich die Betreiber das bezahlen. Sammelt die App Daten werden diese entweder zur Optimierung der App oder zur Verwertung von Dritten genutzt. Quelle: REUTERS
Die CloudHäufig kritisiert ist das Hochladen von Daten in die Wolke - riesigen Rechenzentren die meist in den USA stehen, wo andere Datenschutzrichtlinien gelten. Vorteil für den Nutzer ist die ständige Verfügbarkeit seiner Daten. Unternehmen haben dadurch häufig Zugriff auf Kontaktdaten, an die sie vorher nicht gekommen sind. So zum Beispiel Apple: hier werden seit einiger Zeit die Kontakte nicht mehr über den heimischen PC sondern über die Cloud synchronisiert. Schwierig hierbei ist unter anderem, dass die betroffenen Personen - Freunde, Geschäftspartner und alle anderen die in dem jeweiligen Telefonbuch stehen - meist gar nicht davon wissen. Quelle: dpa
OrtungsdienstImmer die besten Angebote aus der Umgebung geschickt zu bekommen kann hilfreich und angenehm sein, muss es aber nicht. Viele Apps sammeln Informationen über die Orte an denen sich eine Person befindet - häufig auch solche von denen man es nicht erwartet, wie die Taschenlampen-App. Zusammengesetzt werden können damit ganze Bewegungsprofile, die beispielsweise ein auf die Person abgestimmtes Werbeprofil erlauben. So könnte es in der Zukunft vorkommen, dass Sie beim Verlassen der Haustür eine Anzeige über ein kürzlich von Ihnen gesuchtes Produkt sehen. Quelle: dpa
Messenger-DiensteSeit der Übernahme von Whatsapp durch Facebook, wird viel über eine Änderung der Nutzungsbedingungen spekuliert. Es wird befürchtet, dass das soziale Netzwerk auch die Daten seiner Tochter zum Anbieten von personalisierter Werbung nutzen wird. Zusätzliche Zweifel an der Sicherheit bescherten Anfang dieses Jahres Threema, einem Anbieter der gezielt mit verschlüsselter Kommunikation für sich Werbung macht, große Kundenzuwächse. Quelle: dpa

Umkleidekabine mit Stimmung

Wie sich physische und virtuelle Wirklichkeit miteinander verbinden lassen, probierte Europas größter Sportkonzern Adidas bereits aus. In zahlreiche Läden seiner Modelinie Neo baute der Dax-Konzern sogenannte Social Mirrors ein, „soziale Spiegel“. Hinter der Glasscheibe steckte eine Kamera. Teenies, die beim Hosenkauf Beratung von ihrer Clique brauchen, ließen den Spiegel ein Foto schießen oder ein kurzes Video drehen.

Noch Zukunftsmusik sind neuartige Umkleidekabinen, an denen Adidas gemeinsam mit der Universität Erlangen experimentiert. Drei Wände des Kabuffs bestehen aus Bildschirmen, auf denen je nach Produkt passende Filme laufen und Stimmungen erzeugt werden sollen – probiert der Kunde eine Bergsteigerjacke an, versetzt ihn die Projektion auf schneebedeckte Gipfel, aus dem Lautsprecher pfeift der Wind. Zusätzlich liefert der Bildschirm Informationen, preist die passende Hose zur Jacke an oder bietet dem Kunden die Chance, Kommentare zu hinterlassen.

Handel



Virtuelle Spiegel

In eine ähnliche Richtung gehen virtuelle Spiegel, die derzeit auf Messen und in Testläden rund um den Globus präsentiert werden und das Ende der klassischen Umkleidekabine einleiten sollen. Statt sich in engen Kammern in Pullis oder Anzüge zu zwängen, sollen Kunden per Tastendruck Kleidungsstücke auf das eigene Spiegelbild projizieren und in verschiedenen Farben und Größen darstellen können.

Virtuelle Spiegel, elektronische Etiketten und Händler, die Konsumwünsche vorhersehen – bis derlei Entwicklungen zum Massenphänomen werden, dürften noch Jahre vergehen. „Veränderungen im Handel sind selten sprunghaft, sondern dauern lange, bis sie sich durchsetzen“, sagt Metro-Chef Koch. „Aber wenn sie sich dann durchgesetzt haben, entfalten sie eine enorme Wucht.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%