Shopping am Flughafen Fluggäste sollen mehr Geld im Terminal ausgeben

Es ist schwierig, mit einem Flughafen in Deutschland richtig Geld zu verdienen. Den größeren Airports gelingt dies, weil die Passagiere in den angeschlossenen Shopping-Malls eine Menge Geld lassen.

Die Flughäfen wollen Passagiere zum Konsumieren verleiten. Quelle: dpa

Vier Euro sind die magische Zahl für Frankfurts Flughafenchef Stefan Schulte. So viel Einzelhandelsumsatz soll beim größten deutschen Flughafenbetreiber im Schnitt hängenbleiben, wenn ein Passagier seine Terminals nutzt. Aktuell fehlen noch rund 50 Cent, aber der Einzelhandel ist zusammen mit den Vermietungen auch so schon der Goldesel des Konzerns: Fast die Hälfte des Fraport-Gewinns vor Zinsen und Steuern stammte nach den ersten neun Monaten 2013 aus diesem Segment.

Für deutliche Steigerungen sorgte zuletzt der neue Flugsteig A-Plus, den Fluggäste nur erreichen, wenn sie zuvor einen sogenannten Marktplatz durchschritten haben, auf dem allerlei schöne Dinge feilgeboten werden. Noch luxuriöser geht es im Transit-Bereich für die interkontinentalen Gäste aus Asien, Russland oder Arabien zu. Dort werden auch Luxusuhren oder Kaviar in Großmengen an die solvente Kundschaft gebracht.

Der Flugsteig A-Plus nimmt den Betrieb auf
Lange sah es am Frankfurter Flughafen so aus. Jetzt ist der Flugsteig A-Plus fertig und erweitert das Terminal 1 insgesamt um circa 800 Meter nach Westen und umfasst eine Gesamtfläche von über 185.400 Quadratmetern. Quelle: Pressebild
Der Flugsteig A-Plus verfügt über sieben Positionen für Großraumflugzeuge, davon vier für die A 380 und drei für die A 340-600. Quelle: Pressebild
Der Erweiterungsbau ist eine von vielen Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Flughafens Frankfurt, heißt es seitens des Flughafenbetreibers Fraport. Lufthansa-Chef Christoph Franz nannte den 560 Millionen Euro teuren Neubau überfällig. Zusammen mit der im Oktober 2011 eröffneten neuen Landebahn gelte auch für die umworbenen Transitpassagiere auf der Langstrecke wieder: „An Frankfurt, da kommt kein Mensch vorbei.“ Quelle: Pressebild
 Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, M) und Stefan Schulte (l), Vorstandsvorsitzender der Fraport-AG, schneiden zusammen mit Lufthansa-Chef Christoph Franz Quelle: dpa
People are pictured next to moving walkways at the newly built A-Plus terminal section at the Fraport airport during a guided media tour Quelle: REUTERS
An insgesamt acht Tagen im September 2012 haben über 2.000 Testpassagiere den neuen Flugsteig A-Plus auf Herz und Nieren geprüft. Getestet wurden Wegeführung, Sicherheits- und Passkontrollen und Boarding. Die Testpassagiere kamen aus allen Altersklassen und hatten sich vorab per Internet für den Probebetrieb angemeldet. Quelle: obs
Besucher spiegeln sich in einer Scheibe der Senator-Lounge der Lufthansa im neuen Flugsteig A-Plus Quelle: dpa

Fraport verdient über die Ladenmieten und eine Umsatzbeteiligung an der Kauflaune der Fluggäste mit. Das zweite große Drehkreuz des Landes, der Flughafen München, geht einen anderen Weg. Über die hundertprozentige Tochter Eurotrade besorgen die Münchner den Löwenanteil des Einzelhandels gleich selbst. Egal ob eleganter Marken-Shop, Uhren und Schmuck oder Presse und Reisebedarf, die Läden werden von Eurotrade selbst geschmissen, was zu höheren Erlösen, aber auch zu einem höheren Aufwand führt. Sogar ein eigenes Bier wird angeboten, das Air-Bräu.

Handelsexperte Egbert Wege von der Beratungsgesellschaft Roland Berger sieht beide deutschen Drehkreuze auf einem guten Weg: „Sie fokussieren sich gut auf die digitalen Optionen zur Kundenkommunikation und die wichtigste Kundengruppe, die internationalen Reisenden.“ Diese hätten ganz andere Bedürfnisse als europäische Vielflieger. Getrieben wird das Geschäft an den Airports von den durch Zölle und Luxussteuern bestimmten Preisunterschieden: „Für einen Chinesen etwa lohnt es sich finanziell immer, in Europa zum Beispiel Mode von Luxusmarken zu kaufen.“ Wenn er genug Zeit zum Aussuchen und Anprobieren hat.

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