Shopping Center Einkaufszentren in der Krise

Der Boom bei großen Shopping Centern ist vorbei. Inzwischen ist der Markt fast gesättigt, neue Einkaufszentren eröffnen höchstens in kleinen Städten. Die Branche steht vor einem Verdrängungswettbewerb.

Während einige Einkaufszentren wahre Goldgruben sind, ringen andere mit schweren Problemen. Quelle: dpa

Liveband, Kinderbelustigung, warme Worte. Zum großen Richtfest der Neutor Galerie hat es Dinslaken Anfang April krachen lassen. Tausende von Neugierigen wollten sich das Shopping Center ansehen. "Wir werden hier ein Einkaufszentrum bauen, dass die Kaufkraft nach Dinslaken zurückbringt", rief Bürgermeister Michael Heidinger den Massen freudig zu.

70.000 Einwohner hat die Stadt am Niederrhein. Sie bekommen bald ein Einkaufzentrum mit 22.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 85 Geschäften. In einer "1A-Innenstadtlage", wie der Bauherr sagt. Viel Pracht für eine Stadt dieser Größe, die Dank ihrer Nähe zum Ruhrgebiet eigentlich gut versorgt ist.

Dinslaken ist der Prototyp für die Entwicklung auf dem Markt der Shopping Center. Denn der ist mit aktuell gut 460 Zentren über 10.000 Quadratmeter fast gesättigt. Jetzt suchen die Betreibergesellschaften nach den letzten weißen Flecken auf der Landkarte. Orte, an denen sich ein Neubau noch lohnt.

Tendenz zu kleineren Centern

Die zu finden, ist eine schwierige Aufgabe. "Die Branche wächst deutlich langsamer", sagt Marco Atzberger vom EHI Retail Institute. Sieben Shopping Center wurden laut des im Mai erscheinenden EHI-Branchenberichts 2013 eröffnet. Für 2014 sind neun Neueröffnungen geplant. Ob die Termine alle eingehalten werden, ist unsicher.

Vor fünf Jahren machten noch doppelt so viele Zentren neu auf. Und zwischen 1995 und 2000 explodierte die Zahl gar von 197 auf 297.

Die teuersten Einkaufsmeilen der Welt
München Quelle: dpa
Wien Quelle: dpa
Seoul Quelle: REUTERS
TokioDie wirtschaftliche Entwicklung in den asiatischen Ländern pusht Städte wie Hongkong und Tokio. Dementsprechend sprießen dort auch teure Luxusstraßen wie die Omotesando in Tokio, Japan, aus dem Boden. Der Quadratmeter kostet hier 687 Euro im Monat, im Jahr macht das einen stolzen Quadratmeterpreis von 8.245 Euro. Quelle: dpa
ZürichIn Zürich herrsche laut dem Beratungsunternehmen derzeit die Invasion der Juweliere. Rolex, Jaeger-LeCoultre, IWC, Omega - 2013 sollen in der teuren Zürcher Bahnhofstraße 28 Luxusjuweliere sitzen. Solche Luxustempel treiben auch die Mieten in unvorstellbare Höhen. Auf der Bahnhofstraße in Zürich beträgt die Ladenmiete pro Quadratmeter im Jahr 11.447 Euro. Bei den Umsätzen, die in der Bahnhofstraße pro Quadratmeter erwirtschaftet werden, sind die Mieten für die Pächter aber wohl kein Problem. So erzielt Apple dort die weltweit höchsten Quadratmeterumsätze mit 225.000 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Quelle: dpa/dpaweb
Milan Quelle: AP
LondonDie Londoner Old Bond Street belegt den dritten Platz im Ranking der teuersten Einkaufsmeilen der Welt. 1118 Euro kostet der Quadratmeter dort im Monat. Aufs Jahr gerechnet ergibt sich ein Quadratmeterpreis von 13.410 Euro. Diese Entwicklung wird, nicht nur in London, von Luxusuhrenmarken verstärkt, die sich zahlreich in den Nobelstraßen niederlassen. So hat beispielsweise Breitling an der New Bond Street in London das Geschäft von Diesel übernommen und dort die Preise für Gewerbeimmobilien in die Höhe getrieben. Quelle: AP

Auffällig ist, dass die neuen Center kleiner sind als früher. Weit mehr als die Hälfte der Neueröffnungen sind zwischen 10.000 und 20.000 Quadratmetern groß. Ikea hat kürzlich eines der wenigen neuen großen Einkaufszentren eröffnet: Das 50.000 Quadratmeter große Luv Shopping in Lübeck. Anders als in den europäischen Nachbarländern sollen dem Ikea-Shopping-Center vorerst keine weiteren folgen. Begründung der Schweden: In Deutschland ist kein Platz mehr.

"Wir sind an einem Punkt, an dem in jeder Großstadt bereits ein oder mehrere Shopping Center eröffnet haben", sagt Branchenkenner Atzberger. "Selbst in den meisten prägnanten Mittelstädten gibt es schon eins." Im vergangenen Jahr kamen unter anderem Mettmann, Meppen und Friedrichsdorf hinzu.

Wettrüsten der Mittelstädte

Das auch kleinere Städte großes Interesse an einem Shopping-Center haben, ist kein Wunder. Sie wollen verhindern, dass noch mehr Kaufkraft an die größeren Nachbarstädte verloren geht. Die Crux bei der Sache: "Das geht nur so lange gut, bis auch in der Nachbarstadt eines eröffnet", sagt Atzberger. Dann nehmen sich die Städte die Kundschaft aus dem weiteren Einzugsbereich weg. Und allein mit der Kundschaft einer Mittelstädte können Shopping Center nur schwer überleben.

Problematischer wird es noch, wenn direkt in der gleichen Stadt ein zweites Center seine Türen öffnet. In Hagen entsteht nur wenige hundert Meter Luftlinie von der Volme Galerie entfernt die Rathaus Galerie. Ob die Stadt zwei Shopping-Center braucht, ist unklar. Zumindest die großen Händler benötigen offenbar nur eines. Der wichtige Ankermieter Saturn hat angekündigt, mit der Eröffnung von der Volme in die Rathaus Galerie zu wechseln. Andere wollen folgen.

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