Shopping: Diese Online-Shops sind die Gewinner des Black Friday 2023
Wann genau der vorweihnachtliche Shoppingwahnsinn in Deutschland ankam, lässt sich heute nur noch schwer nachvollziehen. War es 2013, als der Black Friday aus den USA nach Deutschland schwappte? Es sei „in diesem Jahr erstmals spürbar, dass Global Player wie Amazon ihre Strategie in Deutschland adaptieren“, sagte seinerzeit jedenfalls der Konsumforscher Oliver Schmitz.
Allerdings: Schon drei Jahre zuvor hatte der E-Commerce-Riese nicht nur mit „Black Friday“-Rabatten in Deutschland geworben, sondern auch die Folgewoche zur „Cyber Monday Week“ ernannt. Und: Apple hatte bereits 2006 mit satten „Black Friday“-Rabatten in seinem deutschen Onlineshop geworben – auch, wenn der Techkonzern sie damals noch nicht explizit so genannt hat.
Fest steht: Der „Black Friday“ als Start der vorweihnachtlichen Shoppingsaison ist inzwischen nicht mehr nur amerikanische, sondern auch europäische Einzelhandelstradition. Und sorgt Jahr für Jahr für immer weiter steigende Umsätze. 2022 setzten Händler in Deutschland mehr als 5,6 Milliarden Euro allein am „Black Friday“ und am „Cyber Monday“ um. Das entsprach einer fast 100-prozentigen Steigerung gegenüber 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr – trotz aller neuerlichen Multikrisen.
„Black Friday“: Temu-App wurde am häufigsten heruntergeladen
In diesem Jahr werde während der Aktionstage mit einem geringeren Umsatzplus gerechnet als in den vergangenen Jahren, hieß es Anfang November. Hauptursache dafür sei „die schlechte Konsumlaune“. Da würden die Menschen auch bei Sonderangeboten deutlich gebremster zugreifen, prognostizierte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stephan Tromp. Und dennoch: ein neuer Spitzenwert dürfte an den „Shopping-Feiertagen“ auch in diesem Jahr wieder erreicht worden sein, zeigen Datenauswertungen. Und: Die Kaufzurückhaltung gilt offenbar nicht für alle Produktklassen gleichermaßen.
Laut Daten des Finanzdienstleisters Mollie jedenfalls gaben deutsche Konsumenten in der zurückliegenden Woche (Montag bis Freitag) 7,3 Prozent mehr für Online-Einkäufe aus als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Warenkorbwert, also der Betrag, den Kunden pro Online-Einkauf ausgaben, um 8,7 Prozent verglichen zur „Black-Friday“-Woche 2022.
Zur Vorbereitung auf die heißen Shopping-Tage luden Smartphone-Nutzer in Deutschland in dieser „Black-Friday“-Woche zudem mehr Shopping-Apps herunter als je zuvor: Insgesamt 4,5 Millionen. Das zeigt eine Auswertung des Datendienstleisters data.ai, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt (siehe Grafik oben). Damit wurden in der vergangenen Woche zehn Prozent häufiger Shopping-Apps heruntergeladen als in einer durchschnittlichen Oktoberwoche und drei Prozent mehr als in einer durchschnittlichen Novemberwoche.
Welche App dabei in Deutschland besonders häufig heruntergeladen wurde? Die Antwort dürfte nur diejenigen überraschen, die diesem Jahr noch nicht allzu häufig im App-Store Ihres Smartphones unterwegs waren: An der Spitze steht Temu, der Online-Marktplatz der chinesischen E-Commerce-Gruppe PDD Holdings (siehe Grafik oben).
Bereits in den ersten drei Quartalen des Jahres thronte Temu in mehreren Schlüsselmärkten – darunter auch Deutschland und die USA – auf Platz eins in der Kategorie der Shopping-Apps. Das E-Commerce-Unternehmen startete erst im Frühjahr 2023 in Deutschland, ist seither umstritten – und überzeugte doch auch zur „Black-Friday“-Woche offenbar viele deutsche Kunden mit seinen günstigen Angeboten.
Beim Blick auf den in der vergangenen Woche zurückgelegten Wachstumssprung schafft es Temu jedoch nicht einmal unter die ersten zehn des Rankings. Hier kann stattdessen der europäische Einzelhändler C&A punkten, dessen App in der „Black-Friday“-Woche 70 Prozent häufiger heruntergeladen wurde als noch in der Vorwoche. Ebenfalls große Sprünge legten auf die letzten Meter die Downloadzahlen anderer Einzelhändler wie Zara, H&M und Takko hin.
Auch Kosmetik- und Parfüm-Fans schlugen in der „Black-Friday“-Woche offenbar deutlich häufiger zu als zuletzt: Sowohl der deutsche Marktführer Douglas als auch dessen Berliner Konkurrent Flaconi legten ordentlich an Downloads zu.
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