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Signa-Deal bestätigt Investor Benko übernimmt Karstadt

Der österreichische Unternehmer René Benko ist der neue Karstadt-Eigentümer. Er übernimmt alle Anteile der Warenhauskette. Nicolas Berggruen ist damit raus.

Der neue Karstadt-Eigentümer: Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko. Quelle: dpa

Der Traditionskonzern Karstadt bekommt einen neuen Eigner: Der österreichische Investor Rene Benko übernimmt mit seiner Signa Holding die angeschlagene Warenhauskette Karstadt komplett. Grundlage sei eine "neu ausgehandelte Vereinbarung, die (...) die Übernahme von 100 Prozent der Anteile an der Karstadt Warenhaus GmbH vorsieht", teilte Signa am Freitag in Wien mit. Zusätzlich ziehe sich der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen auch aus der Karstadt Premium Group, die die Luxus-Häuser des Konzerns wie das KaDeWe in Berlin umfasst, vollständig zurück. Auch die Tochter Karstadt Sports geht nun vollständig an Signa.

"Es fließt kein weiterer Kaufpreis an die Berggruen Holdings", unterstrich der Benko-Konzern. Signa wolle sich nun auf die "Sanierung und die Zukunftsfähigkeit der Karstadt Warenhaus GmbH konzentrieren", kündigte Wolfram Keil, Geschäftsführer der SIGNA Retail GmbH, an. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.


Gerüchte über die Übernahmen kursierten schon seit Tagen. Benko selbst verkündete im österreichischen Magazin „Format“, er sei vom bisherigen Karstadt-Eigner „zu Hilfe gerufen worden, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen". Auch über die Gründe für den Einstieg wurde spekuliert. Ein besonders lukratives Geschäft verspricht der marode Karstadt-Konzern auf den ersten Blick nicht.

Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe wären laut Handelsexperten nötig, um das Unternehmen auch nur halbwegs auf Kurs zu bringen. Ein Unterfangen, das Berggruen in den vergangenen vier Jahren nicht gelungen ist. Er hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen. Arbeitnehmervertreter hatten ihm immer wieder vorgeworfen, nicht in das Warenhausgeschäft zu investieren. Sie fordern ein tragfähiges Zukunftskonzept für Karstadt. Mit seinem Investment habe Berggruen "geringfügig Geld verdient", sagte ein Insider.

Karstadts Krisen-Chronik

Wie es weitergehen könnte

Was Benko mit der Warenhauskette vorhat, ist nicht sicher. Vor allem drei Motive spielen aber eine Rolle.

1. Mietschutz: Benkos Immobilienunternehmen Signa besitzt 18 Karstadt-Immobilien. Im September 2013 übernahm Signa 75 Prozent am operativen Geschäft der drei Premium - sowie der 28 Sporthäuser von Berggruen. Würde Karstadt unter Berggruen in eine Insolvenz taumeln, wären Benkos Mieteinnahmen in Gefahr. Womöglich müsste auch der Wert des Immobilienbestands in den Bilanzen korrigiert werden, wovon die Signa-Investoren nicht allzu angetan sein dürften. Eine Pleite könnte zudem auf die früheren Schwestergesellschaft Karstadt-Premium und Sports durchschlagen. Die Gesellschaften werden zwar weitgehend unabhängig vom Kerngeschäft geführt, werden aber in der Wahrnehmung noch immer den Warenhäusern zugeschlagen.

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2. Umwidmung von Flächen: Mit einem Einstieg ins operativen Geschäft bekäme Signa die Möglichkeit, einzelne Karstadt-Standorte umzuwidmen. Benko könnte seine Erfahrung als Immobilienentwickler nutzen. Sowohl Shoppingcenter als auch Bürogebäude und selbst Wohnflächen sind dabei als neue Nutzungsformen denkbar. Anschließend könnten die Objekte teilweise verkauft werden. Vor allem für Immobilien, die Benkos Signa ohnehin gehören, kämen solche mit hohem finanziellen Aufwand verbundenen Flächen-Umwidmungen in Betracht. Fraglich ist, was mit dem großen Rest der Standorte geschieht.

3. Zerschlagung: Mit einer Übernahme Karstadts durch Benko könnten daher Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Der Österreicher hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos um die Metro-Tochter bemüht. Das Kaufhof-Management hat nur Interesse an rund zwei Dutzend Karstadt-Standorten.

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