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Smartphone-App Shopkick Nun wird der Kunde ferngesteuert und vermessen

Die Smartphone-App Shopkick soll Kunden in die von Online-Shops gebeutelten Läden locken. In den USA wird sie als Heilsbringer gefeiert - doch hierzulande treibt sie Datenschützern Sorgenfalten ins Gesicht.

Shopkick Quelle: Pressebild, Montage

Den ersten Kick gibt’s schon beim Schritt über die Ladenschwelle. Nein, nicht einen Kick. Kicks. 35 sogar, sagt der blaue Kreis auf dem Smartphone-Display. Das ist mein Lohn. Dafür, dass ich in die Fußgängerzone gegangen bin. Dafür, dass ich Saturn aufgesucht habe. Dafür, dass ich nicht bei Amazon bestellt habe.

Kicks sind die Währung der App Shopkick, die sich vor knapp drei Monaten anschickte, den stationären Handel aufzurollen. Das Smartphone-Programm belohnt Kunden dafür, dass sie ihre Zeit im Geschäft verbringen, Läden betreten und sich mit Produkten beschäftigen. Wer genug Kicks, also Prämienpunkte, gesammelt hat, kann sie gegen Gutscheine eintauschen.

Die wichtigsten Informationen zu Shopkick

In den USA, wo Shopkick mit vielen großen Einzelhändlern und Herstellern zusammenarbeitet, ist die App bereits zu Einkäufers Liebling geworden. Für die leidgeprüften Händler in den Einkaufsstraßen und Shopping-Zentren soll sie kleine Wunder vollbracht haben.

"Unsere Daten für den US-Markt zeigen, dass jeder Konsument, der Shopkick nutzt, zwischen 50 und 100 Prozent mehr Geld im Laden ausgibt, als zuvor", erklärt Peter Thulson, bei Shopkick zuständig für das Geschäft in Deutschland. "Seit dem Start in den Vereinigten Staaten 2010 haben wir mehr als eine Milliarde Dollar an Umsatz für unsere Kunden generiert."

Bei den vollmundigen Versprechen waren die Erwartungen an den Start von Shopkick in Deutschland hoch. Seit Oktober 2014 arbeitet der App-Betreiber mit großen Händlern wie Douglas, Mediamarkt, Saturn und Herstellern wie Henkel, Coca-Cola und bald auch Nestle zusammen. Jetzt hat der Dienstleister erstmals Nutzer-Zahlen vorgelegt. Sie klingen nach Erfolg.

Halbe Million Shopkick-Nutzer

530.000 Mal ist die App seit Oktober auf deutsche Smartphones mit Apples iOS oder dem Android-Betriebssystem geladen worden. "Das ist ein guter Start für die Shopping-App", urteilt Jonas vor dem Esche, Konsum-Experte vom Digitalization Think:Lab der Universität Münster. Der Branchenkenner verweist aber auch auf das große Medieninteresse zum Start und die werbewirksame Partnerschaft mit ProSiebenSat.1.

Der Hype hat offenbar viele neugierig gemacht. Von der halben Million Deutsche, die die App heruntergeladen haben, nutzen etwa 110.000 die App tatsächlich regelmäßig – das heißt mindestens einmal in der Woche. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der mehr als 40 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland.

Die Frage nach der Diskrepanz lächelt Peter Thulson weg. "Wenn Sie im Mobilbereich arbeiten, wissen Sie, dass die größte Herausforderung nicht die Downloads sind, sondern die Bindung", sagt der Shopkick-Verantwortliche. Er sei stolz, dort schon ein "gesundes Level" erreicht zu haben.

Deutsche sind Sparfüchse und Punktesammler

Tatsächlich überrascht es kaum, dass die Zahl derjenigen, die die App nur kurz testen und dann wieder löschen, groß ist. "Honeymoon-Effect" sagt Experte vor dem Esche dazu. Der Flitterwocheneffekt. "Anfangs ist alles neu und interessant, doch dann stellt sich schnell Routine ein. Kann der Dienst dann keinen echten Mehrwert bieten, wird er von den Konsumenten nicht mehr genutzt."

Welche Kundenkarten die Deutschen nutzen


Die Nutzer bei der Stange zu halten wird die große Herausforderung. Das Potenzial, auch hierzulande zum Erfolg zu werden, hat Shopkick. Die Voraussetzungen stimmen. Deutschland ist das Land der Sparfüchse und Punktesammler. Allein bei der beliebtesten Treuekarte, Payback, machen insgesamt rund 20 Millionen Deutsche mit. Weitere Millionen sammeln Bonuspunkte mit der Deutschland-Card, Miles & More oder bei Ikea. Auf diese Schnäppchenjäger hat es auch Shopkick abgesehen.

"Wäre ich Payback, würde ich mir langsam Gedanken machen", sagt vor dem Esche. Denn Shopkick trumpft auf, wo die klassischen Rabattkarten traditionell schwächeln. Die Bedienung geht leicht von der Hand, die Jagd nach den Rabatten ist spielerisch und weniger bieder als bei den klassischen Kundenkärtchen. Und die App ist mehr als eine Rabattkarte. Sie ist ein Navigationssystem durch die Einkaufswelt – und gilt als Blick in die Zukunft des Handels.

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