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Sneaker personalisieren Adidas-Website blockt „schwul“ und „Muslim“

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Islam geht nicht, Stop Islam geht

Jesus, Gott, Jehova, Christen, Juden, Synagoge, Kirche und Christianity – all das lässt Adidas als Sohlen-Bedruckung zu. Nicht aber: Allah, Muslime, Moschee und Islam. Nun mag hier bei der Vermeidung religiöser Begriffe allerlei zwischen dem Deutschen und Englischen durcheinander geraten sein. Denn God und Church sind wie Christentum auch nicht erlaubt, die englische Synagogue und etwa Buddhismus wie auch Buddhism aber sehr wohl. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass der Schuh im Arabischen als der Inbegriff des Unreinen gilt – wenn auch im Wesentlichen die äußere Schuhsohle. 

Andererseits ließen sich Christen und Juden so gesehen mit Füßen treten. Und auch der Begriff Buddhist geht durch, obwohl auch in einigen buddhistischen Kulturen in Südostasien der Schuh als unrein gilt, ja sogar selbst die nackte Fußunterseite. Islam, Muslime, Moschee. Alles also tabu. Merkwürdig wirkt dann, was wiederum erlaubt ist:

Stop muslims
Stop islam
No islam

Diese Botschaften würde das Adidas-System der Webseite durchlassen. Liegt es an den zugefügten Wörtern Stop und No, die den Automatismus schlicht überfordern? Es scheint so, denn so mancher Begriff wird durch Ergänzungen davor oder dahinter plötzlich druckbar. So ist Putin is a gentleman oder Islam ist supercool möglich. Stop Christianity und Stop Buddhism gehen auch, was aber nur fair ist, denn Christianity und Buddhism allein gehen wie erwähnt ja auch durch die Zensur.

Hetero schlägt lesbisch schlägt schwul

Richtig orientierungslos wirkt die Adidas-Blockliste beim Thema Sex. Während die Worte heterosexuell, asexuell und bisexuell von der Website gerne angenommen werden, ist homosexuell inakzeptabel. Während straight (hetero) durchgeht, wird gay geblockt. Genauso schwul. Und schon fast erwartbar: Not gay und nicht schwul ist bei Adidas salonfähig. Faszinierend: Lesbisch gefällt scheinbar besser als schwul und ist erlaubt. 

Was will uns Adidas damit sagen? Im besten Fall nichts. Aber es wirkt leider einfach schräg und minderheitenfeindlich. Man stelle sich abstrakt das Team vor, das so auf die Welt blickt: „Oh, nee, schwul geht ja gar nicht.“ Passt das zur Marke? Wohl kaum.

Auch ist nach Abschluss der Online-Bestellung das letzte Wort noch nicht gesprochen. Adidas schreibt in seinen Bedingungen: 

„Adidas behält sich das Recht vor, (…) Wörter oder Sätze (…) abzulehnen, wenn diese in eine der oben aufgeführten Kategorien fallen. Dies hat die Stornierung Ihrer Bestellung zur Folge.“ 

Mit anderen Worten: Auch nach der Bestellung könnten Formulierungen wie „Stop Islam“ noch von Adidas verhindert werden.

Dass ein automatisches System nicht alle Formulierungen erkennen kann ist nachvollziehbar, wenn auch unglücklich. Denn irgendjemand hat genau diese Worte ja mal bewusst auf den Index gesetzt. Adidas sagt dazu gegenüber der WirtschaftsWoche: „Die von Ihnen genannten Beispiele werden wir an die zuständigen Kollegen weiterleiten und entsprechend überprüfen.“ 

Der Konkurrent Nike tickt da übrigens offenbar anders. Dort lässt sich online sogar das Logo auf der Außenseite des Schuhs verändern. So wird online aus Nike Air dann einfach auf dem linken Schuh Nike Gay und auf dem rechtenNike Sex. Die Dame im Nike-Onlinechat schreibt dazu: „Wenn du meinst, dass du das drucken möchtest, gerne.“

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