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Softdrinks Kokoswasser soll Europa erobern

Aus Brasilien kommt ein neues Trendgetränk: Kokoswasser. Nach dem Durchbruch in den USA soll das Isotonikum jetzt Europa erobern. Die Hersteller haben bereits Lieferprobleme.

Mann schüttet sich Kokoswasser auf den Kopf Quelle: dpa

Der brasilianische Betriebswirt Rodrigo Veloso war sich seiner Geschäftsidee so sicher, dass er alles auf eine Karte setzte: Er verkaufte sein Auto und sein Apartment in São Paulo. Er zog mit 150.000 Dollar Startkapital nach Los Angeles. Dort, an der Westküste der USA, startete er sodann seine Marktoffensive: mit Kokoswasser, der süßlichen klaren Flüssigkeit aus dem Inneren grüner Kokosnüsse.

Velosos Investment vor sieben Jahren zahlte sich schneller aus als erhofft. Schon nach einem Jahr verkaufte er in Kalifornien abgepacktes Kokoswasser unter der Marke O.N.E. – One Natural Experience – im Wert von einer Million Dollar. Als er drei Jahre später zehn Millionen Dollar umsetzte, stieg PepsiCo (Pepsi-Cola) mit einer Minderheitsbeteiligung ein. Mit seiner Marktmacht drückte der amerikanische Limonadenriese Velosos Kokoswasser US-weit in die Supermarktregale. 2010 kaufte der Konzern schließlich Veloso die restlichen Anteile an seinem Unternehmen ab und integrierte O.N.E in den Konzern.

„Ich war davon überzeugt, dass sich Kokoswasser als Trendgetränk durchsetzen würde“, sagt der heute 33-Jährige. „Der Markt steht immer noch am Anfang.“

Diese Lebensmittel sollten Sie besser Bio kaufen
Saftig, knackig, gesund? Obacht, meint die Umweltorganisation Greenpeace, denn frisches Obst und Gemüse enthält nicht nur viele Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe, sondern bringt auch unerwünschte Substanzen auf den Tisch. Das ergab eine aktuelle Auswertung von mehr als 22.000 Proben der deutschen Lebensmittelüberwachung aus den Jahren 2009 und 2010. Die Ergebnisse, in einem Einkaufsratgeber für Obst und Gemüse zusammengefasst, sind nicht immer appetitlich... Quelle: AP
PaprikaAuch wenn momentan darüber diskutiert wird, dass Bio-Lebensmittel nur wenig gesünder als konventionelles Essen sind: Sicher ist, dass sie bei der Belastung mit Pestiziden deutlich besser abschneiden. Die Auswertung von Greenpeace hat ergeben, dass vor allem Paprika aus der Türkei die gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen besonders häufig überschreitet. Über 20 Pestizide fanden die Experten in dem Gemüse. Das Online-Magazin „Utopia“ berichtet davon, dass beim Paprikaanbau oft die gefährliche Chemikalie Ethephon verwendet wird, um das Gemüse schneller einzufärben. Im menschlichen Körper soll Ethephon wie ein Nervengift wirken. Quelle: dpa
TafeltraubenAuch Tafeltrauben aus der Türkei enthalten im Schnitt zu viele Pestizide. Darauf weist neben Greenpeace auch das Bundesamt für Verbraucherschutz hin. Nicht selten lassen sich Spuren von zehn Pestiziden in den Trauben nachweisen. Bei Tafeltrauben aus Deutschland sind es im Schnitt weniger als fünf. Quelle: dpa
BirnenUnd auch in Birnen, die aus der Türkei importiert werden, finden sich Substanzen, die den Umweltschützern Sorgenfalten auf die Stirn treiben. In ihrer Analyse konnten die Greenpeace-Experten im Schnitt zehn Pestizide finden. Quelle: ZB
GrünkohlAuch wenn das Wintergemüse Grünkohl nicht jedermanns Sache ist: spätestens wenn man sich die Belastungen mit Pestiziden ansieht, kann einem der Appetit vergehen, denn häufig werden die gesetzlichen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände überschritten. Quelle: dpa
WeinblätterOb türkisch, griechisch oder orientalisch: Weinblätter bereichern die mediterrane Küche. Allerdings sind auch sie besser mit Vorsicht zu genießen. Darauf weist die Zeitschrift „Ökotest“ hin. Das Fazit ihrer Untersuchung: Häufig lauern in den grünen Blättern so viel chemische Stoffe, dass sie den unbeschwerten Genuss völlig verderben. Die Zeitschrift sprach ein vielen Fällen sogar eine Nicht-Kauf-Empfehlung aus. Wer trotzdem darauf zurückgreifen möchte, sollte es auf jeden Fall Bio kaufen. Quelle: dpa
Kirschen Hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln tauchen regelmäßig auch in Süß- und Sauerkirschen auf. Von Kirschen aus konventionellem Anbau sollte man lieber die Finger lassen und sie statt dessen aus Nachbars Garten oder vom Biomarkt naschen. Quelle: gms

Umsatz von 65 Millionen Dollar

Das gilt vor allem für Europa. Zwar schaffen die 36 Kokoswasserprodukte, die es inzwischen in 19 europäischen Ländern gibt, laut einer Erhebung des britischen Nahrungsforschungsinstituts New Nutrition Business bereits einen jährlichen Umsatz von rund 65 Millionen Dollar. In fünf Jahren aber sollen es 200 Millionen Dollar sein.

Den Vertrieb für ganz Europa hat die in Nürnberg ansässige Green Coco mit Holdingsitz in der Schweiz fest in der Hand. Das Unternehmen machte nach eigenen Angaben 2011 einen Umsatz von 43 Millionen Dollar, vor allem in Bioläden. Doch das ändert sich. Nestlé, der weltgrößte Lebensmittelkonzern, testet zurzeit in Frankreich Erfrischungsgetränke auf Kokoswasser-Basis. „Kokoswasser könnte das neue Gatorade werden“, jubelt der britische Marktforscher Euromonitor. Der Sportlerdrink war vor einigen Jahren zeitweise der Wachstumsbringer von PepsiCo.

Beteiligung von Coca-Cola

Nach dieser Erfahrung stieg der Multi als Erster seiner Branche in das Geschäft mit Kokoswasser ein. Die Getränkekonzerne sind auf der Suche nach neuen Produkten, um sinkende Absätze bei zuckerhaltigen Limonaden auszugleichen. In den USA ist der Absatz von Kokoswasser insgesamt auf 400 Millionen Dollar jährlich explodiert.

Coca-Cola hat sich wie PepsiCo an einem Kokoswasserproduzenten beteiligt, dem brasilianischen Anbieter Zico, mittlerweile die Nummer zwei auf dem US-Markt. Auf Platz eins rangiert Konkurrent Vita Coco aus New York, der inzwischen einen Umsatz von 100 Millionen Dollar macht.

Die Bubble-Tea-Blase
Noch ist Bubble Tea ein lukratives Geschäft. Für die Grundausstattung eine Bubble-Tea-Shops sind nötig: - Eiswürfelmaschine - Kostenpunkt rund 2225 Euro - Folienschweißer für rund 900 Euro - Mixer für etwa 1350 Euro - Shaker für rund 900 Euro. Summa summarum muss ein Gründer mit mindestens 5500 Euro Investition allein für Geräte rechnen. Dazu kommen die Verbrauchsmaterialien. Den Händler kosten Becher und Zutaten netto 52 Cent, den Konsumenten 3 bis 4 Euro. Quelle: Fotolia
92 Läden betreibt allein die Franchisekette BoboQ in Deutschland und ist damit Marktführer. Auch McDonald’s bietet das Getränk in 800 Filialen an. Der deutsche Franchiseverband ist skeptisch und lehnt eine Aufnahme von Bubble-Tea-Ketten ab. Er fürchtet einen Absturz nach dem Hype wie beim Sandwich-Händler Subway. Erste Anbieter haben bereits die Segel gestrichen, andere ködern Kunden mit Preisen von einem Euro pro Becher – bei Kosten der Zutaten in Höhe von 52 Cent. Quelle: Screenshot
14632 Kombinationen ergeben sich aus der Liste der Zutaten, die der taiwanische Possmei-Konzern an deutsche Betreiber von Bubble-Tea-Bars liefert. Possmei ist der weltweit führende Hersteller von Basispulver und Kugeln. Quelle: Screenshot
167 Becher Bubble Tea trinkt ein Durchschnitts-Taiwanese im Jahr. Erfunden wurde das Getränk 1983, als ein Teeladenbetreiber in Taichung auf Taiwan Tee, Milch, Sirup und Eiswürfel mischte. Später kamen drei Sorten Perlen, die Bubbles, dazu. Eine Sorte besteht aus Tapioka, einer aus Maniokwurzeln gewonnenen Stärke, dann Geleewürfel und zuletzt Kugeln aus der Molekularküche: Mit Natriumalginat angereicherter Saft wird in ein Bad aus Wasser und Kalziumchlorid gespritzt. So bilden sich die innen flüssigen, außen festen Perlen. 2010 öffnete in Berlin der erste Bubble-Tea-Shop Deutschlands. Quelle: dapd
Bubble Tea ist nichts für Kleinkinder. Das Bundesverbraucherministerium mahnt Eltern zur Vorsicht. Kinder bis zu vier Jahren können sich an den Sirupperlen im Tee verschlucken. Das hat eine Prüfung des Bundesinstituts für Risikobewertung ergeben. Quelle: dapd
Bubble Tea ist eine echte Zuckerbombe. Im Vergleich zu Milch, Bier, Furchtsaft, Schorle und sogar Cola hat Bubble-Tea am meisten Kalorien. Den unnötig hohen Zuckergehalt kritisiert auch die Stiftung Warentest. 1= alkoholfreies Bier2 = maximaler Wert

Madonna, Rihanna, Gisele und Kevin

Angeheizt wird der Absatz des exotischen Saftes von Showgrößen wie Popsängerin Madonna oder Rihanna, die beide an Vita Coco beteiligt sind. Für Zico tragen das brasilianische Top-Model Gisele Bündchen und Basketballstar Kevin Garnett als Mitaktionäre ihre Berühmtheit zu Markte.

Der unerwartete Erfolg des Modegetränks, das in Deutschland bisher weitgehend unbekannt ist, stellt die Getränkehersteller sogar schon vor handfeste Probleme. Denn die Plantagen in Brasilien, die bisher das meiste Kokoswasser in die USA lieferten, können mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Die Kokosnussverarbeiter beschäftigen sich erst seit einer Dekade mit dem Wasser der Früchte, das hierzulande oftmals mit der Kokosmilch verwechselt wird. Kokoswasser sammelt sich in der Frucht, bevor es sich als Fleisch auf der Innenseite der harten Schale absetzt. Aus diesem Kokosnussfleisch, dem Kopra, wird dann die hier bekannte ölhaltige Kokosmilch gewonnen, die in Cocktails oder Speisen genossen wird.

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